Innenstadt / Jungbusch

Jungbusch Projekt „Das Foyer“ stellt Anwohnern Raum zur freien Verfügung / Künstler stellt aus

Wiese, Indoorspielplatz und Pausenraum

Archivartikel

„Donald was here“ steht in großen Buchstaben auf der Wand des Foyers im Künstlerhaus zeitraumexit im Jungbusch. Gemeint ist nicht der amerikanische Präsident Donald Trump, sondern der US-amerikanische Maler, Bildhauer und Architekt Donald Judd. Auf der Wiese davor stehen sechs einfache Boxen. Ein Weg aus Sand führt zu einem Tisch mit Bänken. Hier spielt auch die Musik: Slip & Slide, mit Simon Seeleuther (Gitarre, Gesang) und Jörg Teichert (Gitarre, Gesang). „Das Foyer – Holodeck Jungbusch“, gestaltet von Holger Nickisch, ist Wiese im Jungbusch, Indoorspielplatz und Pausenraum in einem, erklären Tine Voecks und Jan-Philipp Possmann ihr Projektkonzept bei der Eröffnung.

Die Idee von „Das Foyer“ sei es, „einen sinnlichen Raum zu schaffen, der auch leer stehen darf, und der damit den Anwohnern im Quartier und aus der Stadt zur freien Verfügung steht“. Es ist kein Raum, der mit einem Veranstaltungsprogramm die Inhalte schon vorgibt. Der auch genutzt wird als Proberaum von Theater-, Tanz- und Musikgruppen.

Ab 2019 gestalten Künstler im Rahmen der Reihe „Das Foyer – Vertrauensbildende Maßnahmen“ den Vorraum des Künstlerhauses immer wieder neu und machen ihn für die Öffentlichkeit zugänglich. Den Anfang machte der in Darmstadt geborene und in Amsterdam lebende Künstler und Kurator Holger Nickisch. Seine Installation „Holodeck Jungbusch“ ist eine Hommage an den 1994 in New York verstorbenen Künstler Judd, Hauptvertreter des Minimalismus, der sich Mitte der 1960er Jahre in New York entwickelt hatte.

Umgebung inspiriert

Nikisch postierte sechs einfache Boxen aus Holz ohne Podest im Foyer. Dadurch wurden sie zu Elementen des Raums, wirken direkt auf ihre Umgebung und verändern diese. Trotz strenger Klarheit der Arbeiten entstehen Wechselwirkungen von innen und außen. „Die Auseinandersetzung mit dem Standort, für den wir das Projekt entworfen haben, ist für unsere Arbeit von zentraler Bedeutung, eine Art Rahmenbedingung“, erklärt Nikisch. An dem für ihn neuen Ort Jungbusch habe er sich zunächst gut umgeschaut. Die Umgebung habe Ideen geschaffen, ihn inspiriert. „Für mich macht dabei nicht nur der Ort selbst den Kontext aus, sondern auch das, was man nicht sieht, die „Kultur des Ortes“, sagt er.

Auch Kunst, als integraler Bestandteil seiner Arbeit, gehöre zum Kontext. „Ein nicht nur physischer, sondern auch ein wahrgenommener Kontext“, den er als „Kontamination“ betrachtet. Nikischs Kunst aktiviert Zwischenräume, die Architektur des Ortes und die Wahrnehmung des Betrachters. Der Künstler funktionierte eine Ikone der Minimal-Art zu einem kulturellen Schutzraum um, zu einer sozialen Skulptur als Brückenbauer.

Sein „Holodeck Jungbusch“ ist gleichzeitig Einladung und Angebot an den Stadtteil, die Boxen durch Texte oder Zeichnungen und die Landschaft durch Pflanzen mit zu gestalten oder hier Pause zu machen. Ermöglicht wird dieses Projekt durch die BASF-Förderung im Rahmen von „Tor 4 – Warum wird eigentlich alles besser?“ sowie durch die Kulturstiftung des Bundes