Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Erzählcafé im Rahmen des Projektes Urbaner Wandel

Wo sind die Türen der Sickingerschule geblieben?

Rund zwei Dutzend Nachbarn sind beim Erzählcafé im Atelier der Künstlerin Ana Laibach dabei. Traudl Hermann ist ein Urgestein des Viertels und ist gerne gekommen. Sie will wissen: „Wie geht es weiter mit T 4/T 5?“ Das gemeinsame Projekt von Kulturamt Mannheim und Quartiermanagement Unterstadt heißt: „Urbaner Wandel in der Nachbarschaft von T 4/T 5“. Es geht dabei um die Veränderungen im Stadtteil rund um die Großbaustelle. Dort wo einst die Sickingerschule stand, sind neue Wohnungen entstanden, Neuzugezogene und Alteingesessene werden Nachbarn. Seit 2017 begleitet das Projekt diese Veränderungen mit Aktionen, wie dem Erzählcafé. „Ich knüpfe gerne Fäden im Quartier um Beziehungen zu aktivieren und Türöffner zu finden“, beschreibt Esther Baumgärtner, die Quartiermanagerin, ihr Engagement. „Das Gefühl, ich kenne meine Nachbarn und sie mich, ist wichtig“, ergänzt sie.

Stefanie Rihm vom Kulturamt eröffnet das 3. Erzählcafé und begrüßt Volker Keller, der zur Einstimmung einen historischen Rückblick auf den Stadtteil gibt. An Holztischen bei Brötchen, Kuchen und Kaffee neben dem Feuer des Bollerofens lauscht man seiner Reise durch die letzten vier Jahrhunderte rund um die Konkordienkirche. Er bezeichnet R 2 als die Wiege der Integration, wo nach dem 30-jährigen Krieg niederländische und französische Glaubensflüchtlinge angeworben wurden, um die Stadt neu zu besiedeln. Mit historischen Stichen, Zitaten aus alten Texten bis hin zu den Luftbildaufnahmen der Sickingerschule, die abgerissen wurde, erklärt er architektonischen Zusammenhänge, Grundrisse und Sozialisation. Als ehemaliger Rektor der Mozartschule erinnert er an den Schulreformer Anton Sickinger. Sickinger etablierte in Mannheim kleine Klassen. Wo zuvor oft 70 Schüler zusammen unterrichtet worden waren, konnten durch die kleineren Klassen die Schulkinder besser gefördert werden.

Plakette als Erinnerung

In der Gegenwart angekommen, gibt Keller zu bedenken, was der Verlust einer blühenden Schule für einen Stadtteil und die Kinder auch räumlich bedeutet. „Zumal der Lameygarten noch immer nicht wieder hergerichtet ist“, tönt es kritisch aus dem Publikum. „Es geht nicht vorwärts“, bestätigt eine ältere Dame, „die Spielplätze sind nicht bespielbar“. Man erzählt von Begegnungen und persönlichen Erfahrungen, rund um die Sickingerschule. Barbara Kratzert schlägt vor, Sickinger und der Schule zu Ehren eine Plakette oder Stehle zu schaffen als Erinnerung. Im Anblick der Bilder an den Wänden des Ateliers erinnern sich noch viele gut an die künstlerisch gestalteten Türen der Schule, die aufbewahrt werden sollten. Sie fragten sich, wo die Türen der Sickingerschule eigentlich geblieben sind.