Innenstadt / Jungbusch

Oststadt Traditionskorps feiert lustigen Ehrenoffiziersabend

Zeremonie mit Ofenschlupfer

Dass das Mannheimer Traditionskorps und die Schlossgarde der Stadt (MTC) als persiflierende uniformierte Garde zu begreifen ist, wurde beim Ehrenoffiziersabend im Bootshaus wieder mehr als deutlich. Beim Einmarsch, dem Antreten und dem Appell vor dem Kommandanten im Vorfeld der Beförderungen ging es deutlich entspannt zur Sache. Obwohl es in der Exerzierordnung ganz genau geregelt ist: „Die Füße stehen mit den Hacken beieinander; die Fußspitzen zeigen soweit nach auswärts, dass die Füße nicht ganz einen rechten Winkel bilden. Die Knie sind durchgedrückt. Handflächen liegen an der Hosennaht außen an.“

Auch das Kommando rechts oder links herum, ist ganz genau beschrieben: „Rechte beziehungsweise linke Fußspitze wird bis auf Höhe der Ferse nach hinten gezogen. Die jeweils angezogene Fußspitze führt die Drehung nach rechts, beziehungsweise links aus. Anschließend steht die Abteilung wieder in der Exerzierstellung.“ Damit sind alle Lustigkeiten ja wohl beseitigt.

Fasnacht kann kommen

Nicht so bei dem Traditionskorps. Beim Antreten geriet dann doch das eine oder andere etwas durcheinander. Aber das ist so gewollt, denn hier geht es nicht um militärische Korrektheit, sondern um die Verballhornung des Militärs in der Zeit der französischen Besatzungszeit des Rheinlandes. Das MTC versteht sich als marschierende eskortierende und persiflierende Truppe, um das aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts entstandene Brauchtum – bestimmt durch die ehemalige Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen – weiterzuführen.

So wie das das MTC seine Beförderungen durchzieht, kann das auch nur mit Humor ertragen werden. Es dauerte allerdings, bis das Zeremoniell wirklich beendet war, die Degen wieder eingezogen und der Ausmarsch mit der Standarte vonstattenging. Befördert wurden Rainer Wiegand zum Major, Saschal Vitello zum Oberstleutnant, Klaus Peter Steiner und Rainer Hofmann zum Oberst, Jens Schmitt zum Fähnrich, Armin Öchsner zum Fahnenjunker, Alexander von Lenner zum Fähnrich, Dieter Jacoby zum Oberfähnrich. Lisa Drogosch und Angela Geiss dürfen sich nunmehr Amazone nennen.

Aber auch Nichtmitglieder können befördert werden. So wurde Klaus Anstädt zum Legionär Michael Klos und Alexander Fleck zum Ehrenoffizier befördert. Dass das gerade bei Letzterem, der schon Stadtprinz war, doch feucht-fröhlich gefeiert wurde, war klar. Dazu gab es ein ausgezeichnetes Büfett, an dem jeder Gast satt wurde. Bei der Nachspeise (einer selbst gebackenen Torte mit Wasserturm und dem Überguss zwei mal elf Jahre) und warmem Ofenschlupfer mit Kompott kam selbst der Ehrenkommandant der Garde Steffen Kling, Chevalier de Paragraf von Winkel und zum Quadrat ins Schleudern: „Das konnte mir doch keiner sagen, was ein Ofenschlupfer ist“, meinte er fröhlich. Aber dem eingefleischten Kurpfälzer kann geholfen werden . Das Gericht, das ursprünglich wohl von der Schwäbischen Alb stammt, besteht aus Brot, Äpfeln und Zucker. Früher verwertete man so altes Brot und Äpfel hatte sowieso jeder, weil fast alle ein Grundstück besaßen mit ein paar Apfelbäumen. Das Brot wurde in der Pfanne angebraten und mit Zucker gemischt. Anschließend etwas Milch dazu, in eine Form gegeben und in den Backofen geschoben.

Aber es ging weiter lustig zu. Thomas Friedl von der Ranzengarde ließ in gekonnten Versen erkennen, dass die Entwicklung des Wundermittels „Gardemol“ zehn Jahre gedauert habe, ehe er zum Erfinder des Jahres ernannt worden war. Nachdem er Angela Merkel durch den Kakao gezogen hatte, reimte er auf Jens Spahn. Aber auch Büttenrednerin Irmi Benz überzeugte die Zuhörer, wenn sie das eine oder andere mal die Männer aufs Korn nahm.