Käfertal

Käfertal/Vogelstang Bezirksbeiräte stellen kritische Detailfragen zum geplanten Rückbau der B 38 / CDU-Vertreter befürchten Kollaps

„60 000 Autos nicht vergessen“

Der Grundsatzbeschluss über die Neugestaltung der B 38 – angedacht ist ein Rückbau vom jetzigen Autobahncharakter zum Stadtboulevard – ist auf Herbst verschoben worden (wir berichteten in unserer Lokalausgabe). Dass dies aus gutem Grund geschehen ist, war jetzt den Bedenken zu entnehmen, die in Käfertaler Bezirksbeiratssitzung geäußert wurden. Das Stadtteilgremium hatte die Verwaltung gebeten, den Sachstand zur B 38 vorzustellen. Vor allem aus dem CDU-Lager gab es kritische Stimmen zur zukünftigen Verkehrsbelastung.

Georg Herrmann führte Studien an, die eher auf eine Zunahme des Individualverkehrs hinweisen. So habe eine Forsa-Umfrage ergeben, dass 82 Prozent der Befragten dem Auto eine große Bedeutung beimessen. Laut einer anderen Studie kämen 73 Prozent der Leute mit dem Auto zur Arbeit. „60 000 Autos, die auf der B 38 täglich stadteinwärts fahren – ich habe keine Idee, wie sie sich das vorstellen“, meinte Herrmann. Schon jetzt bilde sich ein massiver Rückstau auf der L 597 in Richtung Wallstadt. „Wir können nicht eine Straße mal eben verändern und 60 000 Fahrzeuge außer Acht lassen“, bemerkte auch Michael Mayer. Er befürchtet, dass sich die Autofahrer andere Wege suchen und der Verkehr in den umliegenden Gewerbe- und Wohngebieten zunehmen wird: „Bitte klären sie, wo die Verkehrsströme hinfließen“.

Verkehrszunahme prognostiziert

Alexander Hartung (CDU) sah noch viele Fragen unbeantwortet: „Wie kommen die Leute nach Käfertal? Wie über die B 38?“ Er bezeichnete die vorliegende Planung als „Flickwerk“ und prophezeite: „Wir werden in Käfertal ein totales Verkehrschaos bekommen.“ Alle seriösen Prognosen gingen davon aus, dass der Autoverkehr zunehmen werde. Er appellierte, sich zusammenzusetzen und die ungelösten Probleme gemeinsam anzugehen.“ Generell sahen die CDU-Bezirksbeiräte die Realitäten vor Ort wenig berücksichtigt.

Dem widersprach die SPD-Sprecherin, Melanie Seidenglanz. Sie verwies auf „sehr intensive Sitzuungen“ im Rahmen des Verkehrsforums. „Das hatte eine Qualität, das habe ich in zehn Jahren Bezirksbeiratsarbeit noch nicht erlebt.“ Das Verkehrsforum war zur umfassenden und transparenten Erarbeitung der Beschlussvorlage ins Leben gerufen worden und setzte sich zusammen aus Vertretern des Gemeinderates, der örtlichen Bezirksbeiräte Vogelstang und Käfertal, dem Regierungspräsidium Karlsruhe, externen Fachplanern sowie Vertretern von MWSP, Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, Industrie- und Handelskammer und Verwaltung.

Für Melanie Seidenglanz ist die spannende Frage, wie die Trennwirkung der B 38 durch verbesserte Wegebeziehungen überwunden werden kann. „Wir müssen darüber reden, wie wir die Menschen dorthin bekommen, wo sie hinwollen“, sagte sie. Thomas Gögel (FDP) erkundigte sich, wann der Bezirksbeirat in die Beratungen über die Beschlussvorlage gehe. Horst Schwab (Freie Wähler-ML) wollte wissen, ob das Bundesverkehrsministerium bereit sei, die Planungen der Stadt mitzutragen. Matthias Pitz (Grüne) erinnerte an die geplante Fuß- und Fahrradbrücke: „Die war für mich gesetzt“.

Die Vertreter vom Bezirksbeirat Vogelstang waren als unmittelbare Anlieger zugeladen worden. Volker Kögel (CDU) hatte schon bei der Vorstellung im Hauptausschuss darauf hingewiesen, dass man aus Vogelstängler Sicht die geplanten Linksabbieger in das Columbus-Gewerbegebiet mit Bauhaus und Segmüller kritisch sehe. Gunter U. Heinrich (Freie Wähler-ML) legte jetzt nach und erinnerte, dass die vorhandenen Brücken Wald- und Magdeburger Straße Anbindungsfunktionen hätten, die auch schon von den US-Amerikanern genutzt worden seien. Sorge bereite auf der Vogelstang der durch die zwei geplanten Ampelanlagen verursachte Stop- und Go-Verkehr in Richtung Columbusquartier. Deshalb bat Heinrich, die Signalanlagen nochmals im Hinblick auf die direkt dort befindliche Wohnbebauung zu überprüfen.

Zentrales Thema bleibe für ihn die Direktanbindung der Spreewaldallee. „Das Thema ist noch nicht vom Tisch“, sagte Heinrich, „hier gibt es Prüfbedarf, der noch nicht beendet ist.“