Käfertal

Auf dem Boden bleiben

Archivartikel

Experten-Kommissionen legen Grenzwerte fest, befinden darüber, ab welchen Dezibel-Zahlen Lärm als gesundheitsgefährdend eingestuft werden muss, was als zumutbar und unschädlich zu gelten hat. Das individuelle Empfinden der Menschen freilich ist oft ein anderes, nicht jeder nimmt Geräusche gleich wahr, und wer unter ihnen leidet, den sollte man durchaus ernst nehmen und seine Klagen respektieren. Und zu sagen, wie man es oft von Nicht-Betroffenen hört, der Flughafen war ja schon lange da, bevor ihr in die Gegend gezogen seid, hilft nicht weiter, ja ist geradezu zynisch. Schließlich – und hier kommen wir zum eigentlichen Kern des Problems – sind die Zahlen der Flugbewegungen über unseren Köpfen geradezu nach oben geschossen. Um ihrer Herr zu werden, wird der zivile Luftraum ausgereizt bis an die Schmerzgrenze. Wer sich dieses Geflecht von Linien einmal auf einer Karte angesehen hat, dem wird schwindlig.

Die Frage nach der Ursache freilich wird selten gestellt. Es ist der allgemeinen Klimadebatte zu verdanken, dass sie nun verstärkt aufkommt. Das Freizeitverhalten unserer Gesellschaft hat sich sehr deutlich verändert in den zurückliegenden 20, 30 Jahren. Zwei, drei Urlaubsflüge pro Jahr sind keine Seltenheit mehr, und warum auch nicht – schließlich kommt man für 20 Euro nach Barcelona durch die Luft, und viele Strecken sind inzwischen billiger mit einer Verkehrsmaschine zu erreichen als mit dem Zug. Ein Wahnsinn, der fortschreitet, wenn wir uns nicht – und zwar jeder für sich selbst – überlegen, was wir damit anrichten und was wir so auch anderen antun. Viele wollen fliegen, aber keiner einen Flughafen in der Nähe seines Schlafzimmers oder seiner Terrasse haben. Jeder kann hier gegensteuern – und auf dem Boden bleiben, und zwar auch mit seinen Ansprüchen.