Käfertal

Käfertal Bezirksbeirat fordert Parkplatzkonzept für die Mannheimer Straße / Entsetzen über drohende Verzögerung beim Rewe-Markt

„Das ist absolut nicht tragbar“

Einmal mehr haben die Vertreter der Verwaltung beim Thema Sanierung Käfertal-Mitte im Bezirksbeirat deutlichen Gegenwind zu spüren bekommen. Seit 2009 brennt den Käfertalern der Bau eines neuen Supermarktes unter den Nägeln, mehrere Projektentwürfe wurden schon vorgestellt, und immer wieder gab es Uneinigkeit über die Zahl der nach Realisierung des Marktes vorhandenen öffentlichen Parkplätze. So auch dieses Mal. Während Arnold Jung vom Fachbereich Stadtplanung von 210 frei verfügbaren Stellplätzen rund ums Kulturhaus sprach, kamen die CDU-Bezirksbeiräte höchstens auf die Zahl 76 – also deutlich weniger als aktuell vorhanden.

Unterschiedliche Zahlen

Wie sich in der Diskussion herausstellte, hat Jung die 30 Tiefgaragenplätze unter dem Supermarkt mitgezählt. Diese waren im ursprünglichen Entwurf von Projektentwickler Egon Scheuermann noch als öffentliche Stellplätze zugesagt. Dafür hatte man auf die Errichtung einer Parkpalette auf dem Kulturhausparkplatz verzichtet. In der Verwaltungsvorlage, die dem Gemeinderat schließlich zur Beschlussfassung vorlag, tauchte plötzlich die Formulierung „halb öffentlich“ auf, also zur Vermietung an interessierte Bürger freigegeben.

Mit einem Mal waren die 30 Tiefgaragenstellplätze vom Tisch und die Parkpalette auch. 700 000 Euro der dafür bereits eingeplanten Haushaltsgelder sollen für den zweiten Bauabschnitt der Kulturhaussanierung verwendet werden. Sowohl Stadtrat Konrad Schlichter (CDU) als auch Stadtrat Roland Weiß (Mannheimer Liste / Freie Wähler) fanden deutliche Worte. „Es ist nicht redlich, den Bürgern dieses Stadtteils eine Option aufzuzeigen und dann die Tür zuzuschlagen“, stellte Weiß fest. Auch Konrad Schlichter sieht in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen und forderte: „Die Parkpalette muss kommen!“

Das Problem ist nur, dass nach Angaben der Verwaltung dem Bauantrag für den Supermarktkomplex mit darüber befindlichen Wohnungen bereits zugestimmt wurde und die Erweiterung in Richtung Kulturhausparkplatz wegen der geänderten Zufahrtsituation den Bau einer Parkpalette an dieser Stelle gar nicht mehr zulässt. Roland Hartung, ehemaliger CDU-Stadtrat und MVV- Vorstand, stellte in Richtung Gemeinderäte fest: „Ihr seid von der Verwaltung über den Tisch gezogen worden.“

Diese hat offenbar auch kein Interesse an einer zügigen Fertigstellung der Mannheimer Straße. Nach Informationen dieser Zeitung sollen dafür eingeplante Haushaltsmittel in ein anderes Projekt umgeschichtet worden sein. In der Bezirksbeiratssitzung bestätigte der für die Maßnahme verantwortliche Sven Lehr: „Wir werden den Abschnitt zwischen Gartenstraße und Hotel Am Park frühestens 2019 beginnen“. Bis dahin soll aber der Rewe-Markt bereits eröffnen. Das klappe nach Angaben des beauftragten Architekturbüros GJL Freie Architekten in Karlsruhe aber nur, wenn zu diesem Zeitpunkt auch die Mannheimer Straße fertiggebaut sei. Am Freitag sollen die Bagger für die Erdaushubarbeiten anrücken. Nach einer Pause über Weihnachten und Neujahr soll es dann ab 8. Januar weitergehen.

Widersprüchliche Informationen

In der Bezirksbeiratssitzung gab es hierzu widersprüchliche Informationen. Auf der einen Seite hieß es, der bereits eingereichte Antrag für den Aushub der Baugrube sei zurückgezogen worden, auf der anderen Seite teilte Sven Lehr mit, es liege für den Rewe-Markt noch gar keine Bauleitplanung vor. Auf dieser Basis mache es wenig Sinn, die Sanierung der Mannheimer Straße weiter zu forcieren. Zumal die Maßnahmen wesentlich umfangreicher als im ersten Abschnitt seien. Nicht nur der Straßenquerschnitt werde verändert, auch die Errichtung einer barrierefreien Bushaltestelle in Höhe des Stempelparks sei geplant.

Von einer Bushaltestelle wollte niemand im Bezirksbeirat etwas gewusst haben. „Das heißt, der Supermarkt wird frühestens 2020 realisiert“, zeigte sich Alexander Hartung (CDU) entsetzt. „Es wäre überaus wünschenswert und dringend erforderlich, wenn das in einem Zug durchgezogen wird“, wies Gerd Stüber-Fehr (SPD) auf die Dringlichkeit der ineinandergreifenden Maßnahmen hin. Arnold Jung hatte angekündigt, dass die Verwaltung ein Parkplatzkonzept für die Mannheimer Straße erst in Angriff nehmen wolle, wenn der Vollsortimenter fertiggestellt sei.

„Das ist absolut nicht tragbar“, protestierte Michael Mayer (CDU). „Sie beschneiden damit auch das Kulturhaus.“ Ein Parkkonzept für die gesamte Mannheimer Straße müsse zeitnah vorgelegt werden und dürfe nicht erst in zwei oder drei Jahren kommen. Auch Kulturhaus-Chefin Ute Mocker warnte: „Man muss da wirklich noch mal dran gehen, sonst gibt es eine Katastrophe.“ Chris Rihm (CDU) stellte den Antrag, eine Anmietung oder den Kauf von Tiefgaragenstellplätzen durch die Stadt zu überprüfen. Im Januar 2018 solle in einer Sondersitzung ein Gesamtparkkonzept besprochen werden. Der Antrag wurde einstimmig beschlossen.