Käfertal

Käfertal Zeitzeuge Stanley Reams führt über Benjamin Franklin Village und erinnert in persönlichen Anekdoten an den Alltag in der ehemaligen US-Wohnkaserne

„Die Kinder waren sehr glücklich hier“

Der Ort war nicht rein zufällig gewählt: die Führung mit einem Zeitzeugen über das Gelände der ehemaligen US-Wohnkaserne von Benjamin Franklin Village begann an der einstigen Elementary School, der Grundschule der Siedlung. Stanley Reams, Angehöriger der US-Army, führte ein Gruppe interessierter Besucher über sein ehemaliges Zuhause. Mit diesen Zeitzeugenführungen will die MWS Projektentwicklungsgesellschaft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft in dem sich nach und nach belebenden Stadtteil schlagen.

Das geschäftige Treiben auf der Baustelle war nicht zu übersehen. Überall stehen Bagger und Gerüste, die auf fleißige Handwerker schließen lassen. Reams war von 2009 bis 2012 als medizinischer Kaufmann und damit als einer der letzten Soldaten in der Kaserne stationiert. Er erinnerte sich lebhaft. Die Schule sei ein belebter Ort mit fast 2000 Schülern gewesen, schließlich lebten und arbeiteten auf Franklin rund 10 000 Amerikaner.

Seit dem 11. September 2001 war das ganze Gelände weitgehend abgeschottet mit Zäunen, und gesichert durch Einlasskontrollen. „Es gab keinen Unterschied zu einer normalen Schule, außer dass die Eltern Soldaten waren“, berichtet Reams in anschaulicher Weise. Gerade um die Mittagszeit habe eine besonders lebhafte Atmosphäre geherrscht. Am Wochenende hätte auf den 46 Spielplätzen ein fröhliches Leben geherrscht, weiß der ehemalige Militärangehörige: „Die Kinder waren sehr glücklich hier“, berichtete Reams.

Schule als neues Kulturzentrum

Jetzt wird die Schule zu einem Ort für kulturelle und soziale Pioniere im neu entstehenden Stadtteil umgewandelt. In den alten Klassenzimmern sind inzwischen verschiedene Vereine eingezogen, die hier zeitlich befristet Strukturen aufbauen und diese dann ins Quartier tragen werden, berichtete Projektentwicklerin Lea Schmitt. Auch die beiden Käfertaler Kirchengemeinden machen hier ein regelmäßiges Angebot. Die ehemalige Kirche, die immer von allen Glaubensrichtungen genutzt wurde, soll als Mittelpunkt im Stadtteil erhalten werden.

Reams erzählte, dass es in dieser Kirche früher Gottesdienste für alle Gläubigen gab. Lediglich an Weihnachten sei es etwas schwieriger gewesen, das aufeinander abzustimmen. „Aber ansonsten hat das gut geklappt.“ Über das Sportfeld, das zumindest als Freifläche erhalten werden soll, ging es zur ehemaligen Middle School und zur Tennishalle und zum Bowling Center. „Tennis wurde unter Soldaten nur wenig gespielt“, berichtete Reams. Im Augenblick werden die Hallen als Lager genutzt, so Schmitt. Dass in der Sports Arena schon Basketball-Größen wie Magic Johnson gespielt hatten, wussten die Teilnehmer des Rundgangs.

Viele verbinden persönliche Erinnerungen – zum Teil aus ihrer Kinderheit – an Benjamin Franklin Village. Nicht selten entwickelten sich über den Kasernenzaun hinweg enge deutsch-amerikanische Freundschaften. Manch einer staunte über das rasente Tempo, in dem sich die ehemalige US-Wohnkaserne in den zurückliegenden Monaten gewandelt hat. Vieles ist mittlerweile dem Erdboden gleichgemacht worden, musste Neuem weichen. Da sind Erinnerungen an früher umso wichtiger. Teilnehmer Michael Müller fand, dass Reams spannende Geschichten zu erzählen wusste, die er ganz locker an den Mann brachte: Das war schon ganz toll, wie er das rübergebracht hat“, erzählte Müller. Thomas Dressler fand die Führung informativ: „Da bekommt man einen Bezug dazu, wie hier früher das Alltagsleben vonstatten ging.“ Dass sich die Soldaten auch durch Läufe entlang der Zäune fit hielten oder bei Vergehen im Clockhaus, der heutigen MWSP-Zentrale, eingesperrt wurden, waren weitere interessante Details.