Käfertal

Käfertal Daniel Kunz bei großem Open-Air-Gottesdienst als neuer katholischer Pfarrer ins Amt eingeführt / Appell gegen „Kirchturmdenken“

Diener für einen neuen Aufbruch

Archivartikel

Der neue Pfarrer der Seelsorgeeinheit Maria Magdalena, Daniel Kunz, hat seine Gemeinden auf einschneidende Veränderungen eingestimmt. „Sicher werden wir manche Dinge beerdigen müssen, weil sie einfach nicht mehr funktionieren“, sagte er. Er sehe sich als „Diener der Gemeinde“, müsse aber „nicht alles können“ und wolle „neue Wege gehen“, kündigte er bei seiner Amtseinführung bei einem Open-Air-Gottesdienst in St. Hildegard in Käfertal-Süd an.

„Zwischen Wagemut und Ängsten nimmt das Leben seinen Lauf“ und „Zwischen Chancen und Gefahren Perspektiven wie noch nie“ – ein Kirchenlied mit genau diesen Zeilen hatte sich Kunz sicher nicht ohne Hintergedanken für das Ende des Gottesdienstes ausgesucht. Organist Martin Geissler begrüßte zuvor mit einem eigens dazu formierten Projektchor und rund 600 Gottesdienstbesuchern den neuen Geistlichen mit einem vielstimmigen „Gloria“ – von Violinist Christoph Müller vom Nationaltheaterorchester begleitet.

Kunz appellierte an die Gläubigen, sich von „Kirchturmdenken“ zu verabschieden und alten Dingen nicht hinterherzutrauern. Er wolle den Blick weiten, stehe für einen Aufbruch, werde neue Gottesdienstformen ausprobieren. „Ich habe viele Ideen“, so Kunz. Doch es müsse auch klar sein, „dass ich nicht überall hinkommen kann“, bat er um Verständnis: Auch wenn er nicht dabei sei, könne Kirche lebendig sein, schließlich habe er „ein tolles Team“, so Kunz: „Ich versuche, 200 Prozent zu geben, 1000 Prozent geht nicht“, so der neue Seelsorger.

Mit Freude und Lust

Zuvor hatte ihm Stadtdekan Karl Jung offiziell die von Erzbischof Stephan Burger ausgestellte Ernennungsurkunde überreicht. Darin verpflichtet der Erzbischof den Pfarrer, er möge „nach dem Vorbild des guten Hirten dem Heil der Menschen in diesen Pfarreien dienen“. Dazu sei ihm die Verantwortung für das Leben in und das Wohl der Gemeinden übertragen; trotzdem gebe es eine „unverzichtbare Mitverantwortung der Gemeindeglieder“, so der Text der Urkunde.

Jung machte dabei deutlich, wie sehr er Daniel Kunz all das zutraut. Er schätze an ihm seine menschlichen und seelsorgerischen Gaben wie auch Loyalität, Kooperationsbereitschaft und Zuverlässigkeit sowie seine „Liebe zur Kirche“, lobte der Dekan. Schon als Gründer der Jugendkirche „Samuel“ sowie Teil des Zukunftsprozesses der Stadtkirche habe Kunz bewiesen, dass er „Begeisterung für neue Wege“ mitbringe: „Seine Freude und Lust war ansteckend“, so Jung. „Sei nun dabei, wenn wir neue Aufbrüche wagen“, rief er Kunz zu und hatte dazu bewusst den roten Rucksack mit dem Motto des Deutschen Katholikentages 2012 in Mannheim, „Einen neuen Aufbruch wagen“, vor sich gut sichtbar auf den Altar gestellt.

Zusammenwachsen der Pfarreien

Der Dekan sah den neuen Pfarrer auch deshalb in einer besonderen Verantwortung, weil sich die Kirche unter anderem nach dem Missbrauchsskandal in einer „schweren Krise“ befinde, so Jung (wir berichteten am Montag im Lokalteil). Neue Glaubwürdigkeit könne sie nur erlangen, wenn die Seelsorger Diener der Menschen und der jeweiligen Pfarreien seien. Dabei müsse man damit rechnen, dass es „in Zukunft noch größere Einheiten, welche Art auch immer, gibt“ – sprich die Zusammenlegung von Pfarreien noch weitergehen werde. Dennoch müsse man Pfarrer von Verwaltungsaufgaben befreien, ihnen mehr Zeit für Menschlichkeit und Seelsorge geben. „Dir traue ich einen neuen Stil zu“, wandte sich Jung an Kunz und erinnerte an ein Wort von Papst Franziskus, dass die Priester „wie Hirten den Geruch der Schafe“ annehmen müssten statt „ein erhabenes Leben“ zu führen. Dabei solle Kunz „Türöffner und Fensteröffner“ für die Menschen sein: „Sie müssen das Gefühl haben, dass jemand echt, authentisch und glaubwürdig ist – Dir traue ich das zu“, sagte der Dekan über Kunz.

Für die Gremien und über 70 Gruppen der Seelsorgeeinheit hieß Markus März, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats, den neuen Seelsorger willkommen. „Wir freuen uns, dass Du nun unser Pfarrer bist“, so März. So wie die Ministranten der Seelsorgeeinheit, die gemeinsam nach Rom fuhren, auf der Tour zusammengewachsen seien, müssten auch die sechs Pfarreien der Seelsorgeeinheit, „wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten“, noch mehr zusammenwachsen.

„Wir sind schon auf einem guten Weg, aber mit Deiner Teamfähigkeit und Deiner Erfahrung von der Jugendkirche bist Du da genau der richtige Mann, dass wir zu einer Einheit werden“, so März. Mit einem kleinen Quiz erleichterte Gemeindereferentin Barbara Kraus dem Pfarrer dann auch gleich noch den Einstieg.