Käfertal

Einfach nur kleinlich

Peter W. Ragge kritisiert Rückzug der Stadt aus Vororten

Das gab es in solch einer Deutlichkeit noch nie: „Löwenjäger“ und „Spargelstecher“ haben ausdrücklich ein Grußwort der Stadtspitze bei ihrer Verleihung des Köble-Ordens abgelehnt. Einem Bürgermeister eine Rede zu verweigern, könnte man als Affront bezeichnen. Aber es ist in diesem Fall berechtigt. Schließlich bedarf es all der Sonntagsreden über die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements nicht, wenn dem an den Werktagen keine Taten folgen. Und es ist verständlich, wenn sich Bürger auf eine Weise wehren, die ihnen zur Verfügung steht – indem sie die Kommunalpolitiker an ihrer Eitelkeit packen.

Die Mitwirkung des Bürgerdienstleiters von Käfertal an der Verleihung des Köble-Ordens beschränkte sich auf vielleicht vier, fünf Stunden Arbeit, ein paar Blatt Papier und ein paar Briefmarken – jährlich. Bei einem Haushaltsvolumen von 1,5 Milliarden jährlich ist das nichts, gar nichts. Aber es wird vor Ort als Wertschätzung empfunden, wenn die Stadt hilft – und als Zeichen fehlender, ja verweigerter Wertschätzung, wenn man derart geringe Unterstützung entzieht.

Der Verweis darauf, dass es so etwas in anderen Stadtteilen nicht gebe, ist an den Haaren herbeigezogen – denn die Neckarstadt ist mit gewachsenen Vororten wie Käfertal, Feudenheim oder Seckenheim nicht vergleichbar. Egal ob Neujahrsempfänge, Volkstrauertag oder örtliche Ehrungen – dass die Stadt hier ihre Mitwirkung nun völlig versagt, ist kleinlich und falsch.