Käfertal

Käfertal Bezirksbeiräte werfen der Verwaltung vor, dass sie zu spät auf die Schülerentwicklung durch Neubaugebiete reagiert hat

„Fordern das schon seit Jahren“

Archivartikel

Mit Unverständnis haben Eltern von Schülern der Käfertalschule auf die Pläne der Stadt reagiert, 36 Kinder von Bewohnern auf Franklin in der Grundschule unterzubringen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sie die Betreuung unserer Kinder im Blick haben“, sagte bei der öffentlichen Bezirksbeiratssitzung eine enttäuschte Mutter in Richtung von Lutz Jahre. Der Leiter des Fachbereichs Bildung hatte zuvor die Umsetzung der Übergangslösung bis zum Neubau einer vierzügigen Grundschule auf Franklin erläutert.

Käfertal wächst. Neubaugebiete auf Franklin, Spinelli, Beim Hochwald oder an der Korbangel (ehemalige Theodor-Heuss-Schule) bescheren dem Stadtteil einen Zuzug von jungen Familien. Die Stadtverwaltung muss sich überlegen, wo die Kinder der Neubürger untergebracht werden können, bis entsprechende Betreuungs- und Bildungseinrichtungen vorhanden sind. „Derzeit liegen uns 36 Anmeldungen aus Franklin vor“, berichtete Lutz Jahre. „Was wir nicht wissen, ist, wie viele Kinder im Laufe des Schuljahres noch dazukommen“, wagte Jahre keine Prognose. Nach Einschätzung des Fachbereichs Bildung habe die Käfertalschule aber noch Kapazitäten für 30 weitere Schüler.

Aus Sicht der Stadt ist die Käfertalschule für die Aufnahme von zusätzlichen Schülern besonders geeignet, weil sie als ehemalige Haupt- und Grundschule über Räumlichkeiten verfügt, die über den Bedarf einer Grundschule hinausgehen. In Abstimmung mit der Schulleitung werden für das kommende Schuljahr zwei neue Klassen gebildet. Für die Schulkindbetreuung durch die Diakonie soll der Werkraum doppelt genutzt werden. Im Kinder- und Jugendheim St. Josef entsteht eine zusätzliche Gruppe für 20 Kinder. Das vorhandene Musikzimmer wird zum 14. Klassenraum umfunktioniert, die Außenklasse läuft aus.

Schulgründung im Rott

In der weiteren Planung ist laut Lutz Jahre vorgesehen, die neue Franklin-Grundschule im Schuljahr 2020/21 in der Bertha-Hirsch-Ganztagsgrundschule im Rott mit eigenem Sekretariat zu gründen. Zum Schuljahr 2020/21 soll diese Schule dann auf das Gelände von Benjamin Franklin Village in einen hergerichteten Flügel der ehemaligen Elementary School ziehen. Aber auch das nur als Zwischenlösung, denn ab dem Schuljahr 2022/23 soll die neugebaute Franklin-Ganztagesgrundschule bezogen werden.

Die Bezirksbeiräte hatten einige kritische Nachfragen. „Ich verstehe nicht, warum man so spät in die Planung eingestiegen ist“, meinte Chris Rihm. „Wir fordern das schon seit Jahren.“ Was jetzt komme, sei nur eine Reaktion auf Dinge, die eigentlich vorhersehbar waren. Rotraud Schmidt (Die Linke) fragte, warum man nicht früher mit der Ertüchtigung der Elementary School begonnen habe? Auch Klaus Schwab (ML) wollte wissen, warum man die ehemalige US-Schule nicht von Anfang an in die Planung einbezogen habe.

Lutz Jahre erklärte, dass die Elementary School mehrfach von Fachleuten begangen worden sei und diese aus Kostengründen von einer Vollsanierung abgeraten hätten. Bezüglich des zeitlichen Vorlaufs verwies er auf Ausschreibungs- und Bewerbungsfristen. Erste Gespräche mit der Schulleitung hätten im Februar 2018 stattgefunden. „Sie haben über Jahre versäumt, die Voraussetzungen zu schaffen“, ärgerte sich Michael Mayer (CDU). „Für 15 000 Flüchtlinge wurde binnen kürzester Zeit eine Lösung gefunden, und für zwei Schulklassen braucht man Jahre.“

Die anwesenden Eltern warfen den Vertretern des Fachbereichs Bildung Realitätsferne vor. Sie fürchten um die Unterrichtsqualität an der Käfertaschule: „Die Situation auf dem Papier ist eine andere, als wenn man sie selbst erlebt“, sagte eine Mutter, deren beide Kinder die Käfertalschule besuchen. Vor allem der Wegfall des Musikzimmers für die Hortbetreuung schmerze. Sie befürchtet, dass etliche Förder- und Zusatzangebote wegfallen: „Was ist mit AGs, Fördergruppen, Instrumentalunterricht und Digitalisierung?“, fragte sie.

Die beiden Elternbeiräte Stefanie Schüpferling und Marcus Brüchle wollten verschiedene Fragen beantwortet wissen. Nach Einschätzung von Marcus Brüchle wird die Käfertalschule komplett vierzügig werden. „Dann brauchen wir keine 14, sondern 16 Klassenzimmer“, wies er auf zusätzlichen Raumbedarf hin. Lutz Jahre bestritt dies: „Auf Grundlage der jetzigen Zahlen stellt sich die Frage der Vierzügigkeit nicht“, sagte er. Man rechne frühestens in sechs bis sieben Jahren mit einem moderaten Anstieg.