Käfertal

Käfertal Schlagzeugerin Cris Gavazzoni startet mit Konzert ein Förderprojekt im Trommelpalast

Geballte Frauen-Power

„Wir machen gerne Experimente, obwohl wir mit der Art Musik, die wir machen, eh eine Nische besetzen“, erklärte Moderator Gero Fei. Für einen Abend lang regierte auf der Bühne im Käfertaler Trommelpalast geballte Weiblichkeit – als selbstbewusstes Matriarchat. Unter Leitung von Schlagzeugerin Cris Gavazzoni fand dort erstmals die „Women Percussion Night“ statt, die mit mitreißenden Rhythmen begeisterte.

Samba zum Tanzen

Im Scheinwerferlicht des Trommelpalasts brachte die Damencombo um Cris Gavazzoni einen brasilianischen Samba zu Gehör, im musikalischen Fachjargon „Choro“ genannt. Wobei sich Bandleiterin Gavazzoni wunderte, warum die Besucher auf ihren Stühlen verharrten, statt nach vorne auf die Tanzfläche zu strömen. Denn Gavazzoni schätzt südamerikanisches Temperament und Lebensfreude, nicht zuletzt bei ihren heißblütigen Auftritten. Indem die Schlagzeugerin zukünftig immer neue Frauen hinzuholt, möchte Gavazzoni das gestartete Projekt „Ametambô – Aus Liebe zu Trommeln“ weiterentwickeln und damit auf Tournee gehen, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Immerhin wohnt Bandmitglied Neide Ales in Berlin, und die spanische Kollegin Elena Diz stammt aus der andalusischen Stadt Granada.

Mitten im Programm führte die Darstellerin Sandra Oliveira eine Kunstperformance auf: Ein greller Scheinwerferkegel illuminierte einen Tisch, auf dem die Künstlerin lag, als verkörperter Säugling, regungslos verpuppt wie in einem weißen Schmetterlingskokon, ummantelt von einer eng anliegenden Stoffhülle. Gleichzeitig lief ein experimenteller Kurzfilm über eine Leinwand. In dem Videoclip, den ihre Tochter Janaina De Oliveira Gerdemann produziert hatte, sah man eine schwer atmende Frau unter einem Baum sitzen. Schließlich befreite sich Sandra Oliveira zur sphärischen Begleitmusik von Perkussionistin Cris Gavazzoni und Querflötenspielerin Sanatsu Itaya mit langsamen Bewegungen aus dem Stoffkokon.

Im Schmerz geboren

„Diesen Film haben wir in Heidelberg, oben in den Wäldern, gedreht“, erklärte Filmemacherin Janaina De Oliveira Gerdemann, die das Fach „Motion Pictures“ an der Darmstädter Hochschule studiert und einen Dokumentarfilm über ihr favorisiertes Thema, Frauenrechte, verwirklichen möchte. „Mein Film symbolisiert als Metapher die weibliche Mutterschaft, verbunden mit Schmerzen und Vorfreude“, interpretierte die 23-Jährige ihr Werk. Schon in der christlichen Bibel steht in Bezug auf die Geburt geschrieben, im ersten Buch Mose: „Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären.“

Darüber hinaus verlas die Sängerin Lisa Tuyala im Trommelpalast ein Gedicht der Schriftstellerin May Ayim, die im August 1996 Selbstmord begangen hatte. In ihrem Gesamtwerk setzt sich die Autorin mit dem konfliktreichen Leben deutscher Menschen mit afrikanischen Wurzeln auseinander. „Chaos ist Jazz, ist Aufruhr, ist Wut“, lautet eine Zeile aus dem im Trommelpalast rezitierten Gedicht. Zusätzlich nahmen an dem Frauenkonzert noch Sängerin Anne Westrich und das Ensemble Toni Bokuni teil.