Käfertal

Käfertal Schwulenchor RosaKehlchen singt Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen

Geistreiche Lieder mit Humor

Sie singen über schwule Astronauten und sexuell unkonventionell orientierte Geheimagenten. Außerdem treten die Sänger aus Mannheim und Heidelberg, indem das Ensemble skurrile Kostümierungen pflegt, manchmal in Kittelschürze und mit Federboa auf. Oder sie schwenken während der beliebten und zweideutigen Prinzen-Nummer "Mann im Mond" kleine Laternen. Jeden Montagabend proben die Rosa-Kehlchen im Clubraum des Käfertaler Kulturhauses. Doch einen Auftritt hatte der grelle Schwulenchor im großen Saal bislang nicht hingelegt.

Bis jetzt jedenfalls: Um das 25-jähriges Chorbestehen zu feiern, gab nun der ungewöhnliche Herrenchor ein Geburtstagskonzert - als originelle Rückschau auf sämtliche bisher aufgeführten Bühnenprogramme. "Bist du Basstenor? Komm in den schwulen Chor!" Mit diesem Slogan werben die RosaKehlchen mit einer weißen Postkarten-Aktion um neue Sänger, die sich ihnen anschließen möchten, egal ob hetero- oder homosexuell. Wobei ein gleichgeschlechtliches Interesse in Bezug auf Anwärter natürlich am passendsten wäre.

"Voller Kraft und voller Schwung, wir klingen einfach andersrum", trällerten die zehn gestandenen Sänger eröffnend auf der Kulturhaus-Bühne. Im Scheinwerferlicht interpretierte der auffallende Chor, der aktuell an einem neuen Programm schreibt, vor überschaubarem Publikum einen Querschnitt seines Repertoires. Als Hommage an die kürzlich verstorbene Popsängerin Joy Fleming stimmten die Rosa-Kehlchen deren erfolgreichsten Hit "Ein Lied kann eine Brücke sein" an.

Kampf um Akzeptanz geht weiter

Im deutschen Strafgesetzbuch wurde im Juni 1994 der berüchtigte Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, vollends gestrichen. Inzwischen ist sogar die gleichgeschlechtliche Ehe juristisch anerkannt. Dennoch müssen homosexuelle Menschen weiterhin in der breiten Gesellschaft um Akzeptanz kämpfen: Als die RosaKehlchen vor zweieinhalb Jahren im pfälzischen Rohrbach im dortigen Dorfgemeinschaftshaus auftraten, stießen die Künstler anfangs auf ein reserviertes und unterkühltes Publikum mit verschränkten Armen. Erst im Laufe des Konzertes seien die Rohrbacher Bürger "aufgetaut" und konnten mit dem Schwulenchor und seinen unkonventionellen Liedtexten doch noch unverkrampft feiern.

Mit ihren Liedern, zum Beispiel "For You Guys only", wollen die Sänger unter Chorleiter Rolf Fritz - der einzige heterosexuelle Mann in der Runde - einen belebenden Austausch schaffen zwischen der schwulen Community und der bürgerlichen Gesellschaft. Im Kulturhaus waren die zehn Sänger in farbenfrohen Hemden zu sehen, von orange über gelb bis rot. In allen Regenbogenfarben - das Erkennungssymbol schwuler Männer. Im Rampenlicht brachte das 1992 gegründete Ensemble viele Songs zu Gehör, wie "How deep is your love" von den Bee Gees oder "The Great Pretender" von Freddie Mercury.

Oft nehmen die RosaKehlchen fremde Songs und schreiben diese um in eigene Geschichten. Wie damals 2004, als der Schwulenchor einen Liederzyklus über einen James Bond vom anderen Ufer aufführte. Am eindrücklichsten prägte sich jedoch im Kulturhaus ihr Stück über falsche Silikon-Brüste ein, in dem die Kehlchen zur Melodie von "Das Lied der Schlümpfe" von Vader Abraham schmettern: "Sag mal, wie fühlt sich das denn an? Frag nicht blöd, grapsch' einfach dran."