Käfertal

Käfertal Literarisches Erzähltheater an der Bertha-Hirsch-Schule begeistert Achtklässler / Vor allem die Figur des „Mephisto“ fasziniert viele

Goethes „Faust“ spielerisch näher gebracht

Archivartikel

Für die beiden 4. Klassen der Bertha-Hirsch-Schule hat eine ganz besondere Veranstaltung auf dem Stundenplan gestanden. Mit ihren Klassenlehrerinnen und Rektorin Christine Spiegel-Dumont schauten sie sich die Erzähltheateraufführung des Stücks „Faust – Erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe an.

Schauspielerin ist Sylvia Schopf. Mit ihrem Erzähltheater besucht sie bereits seit fünf Jahren Mannheimer Grund- und weiterführende Schulen. Finanziert wird sie dabei durch die Goethe-Gesellschaft, die das Kulturerbe Goethes und seiner Zeit für die Gegenwart erlebbar machen will.

Dieser Aufgabe hat sich auch Schopf zugewandt, indem sie Klassiker neu verfasst und in einer leicht verständlichen Sprache Kindern zugänglich macht. Dabei benutzt Sylvia Schopf auch Zitate aus den Originalwerken. „So bleibt die Ernsthaftigkeit der Themen erhalten und sie werden nicht banalisiert“, erklärt Jens Bortloff (Goethe-Gesellschaft).

Zuvor im Unterricht behandelt

Der Beweggrund für diese Art des Theaters liegt in Schopfs eigener Biografie: Als Schülerin musste sie „Iphigenie auf Tauris“ von Goethe lesen, verstand aber kein Wort, obwohl alles in deutscher Sprache verfasst war. Deshalb hat sie sich vorgenommen, die bedeutungsvollen Werke schon für die jüngste Generation verständlich zu machen.

Den Schülern der Bertha-Hirsch-Schule merkt man ihre Begeisterung schon im Vorfeld an. Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass die Theaterbühne im neuen Teil des Gebäudes an diesem Tag eingeweiht wird. Da die Grundschüler „Faust“ bereits im Unterricht behandelt haben, bildet das Theaterstück einen schönen Abschluss. Zu Beginn stellt Schopf alle handelnden Personen vor und erklärt den Schülern, dass sich das Stück vor allem mit den Themen Wissen, Liebe und der Frage „was ist das Böse“ befasst. Da sie das Theaterstück alleine spielt, wechselt sie je nach Charakter ihr Outfit und die Stimmlage. Im Verlauf der Aufführung spricht die Schauspielerin die Schüler immer wieder direkt an. Durch die Mischung aus witzigen, traurigen, aber auch gedankenanregenden Elementen begeistert Schopf das Publikum. Einzig und allein bei dem Wort „Küssen“ bricht großes Gelächter unter den kleinsten Zuschauern aus. Im Anschluss können die Schüler noch Fragen stellen und ihre persönliche Meinung zu dem Theaterstück äußern. In einem sind sich alle schnell einig: Es war die beste Aufführung, die sie bisher gesehen haben. „20 von zehn Punkten“, vergibt ein Schüler sogar an das eben aufgeführte Stück. Aber es kommen auch tiefgründigere Fragen wie zum Beispiel die Herkunft des Namens „Mephisto“, die bestätigten, dass die Schüler den Inhalt des Stücks verstanden haben.

Für die Zukunft möchte der Förderverein der Bertha-Hirsch-Schule einige Bücher von Sylvia Schopf kaufen, um den Schülern auch weiterhin die Möglichkeit zu bieten, sich mit den alten Klassikern zu befassen. Das Erzähltheater war für alle Beteiligten einer voller Erfolg, und Jens Bortloff freut sich auf viele weitere Schulen, die Interesse an einer solchen Aufführung haben. Interessenten können sich unter www.goethe-mannheim.de oder der Telefonnummer 0173/3 50 71 79 melden.