Käfertal

Käfertal Freunde des Karlsterns laden zu einer etwas anderen Führung durch den heimischen Forst ein

Im Spiegel den Wald neu entdeckt

Hinter dem Bollerwagen mit dem Namen "Pucky", gezogen vom Waldexperten Mirko Klein, ging es für 23 Teilnehmer einer Waldexkursion der Freunde des Karlsterns quer durch den Käfertaler Wald. "Wir wollen den Wald mit allen Sinnen erleben. Dabei kommt es nicht auf Wissen an, sondern auf das Erleben", stellt Klein vorneweg fest. Schon an der Alten Försterei wies er auf eine besondere Frucht hin, die an eine Walderdbeere erinnerte. Es war aber die Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica), eine aus Südostasien stammende Pflanzenart, die in Mitteleuropa als Zierpflanze gezogen wird und vor der Alten Försterei verwildert.

Spenden für neue Bisons erbeten

Weiter wanderte der Tross in Richtung des neuen Bisongeheges. Bei den Wildschweinen war Einiges über Jägerlatein zu erfahren. So erklärte der Experte den staunenden Zuhörern, dass die Zähne der "Sauen" bei Jägern "Gewehre" heißen und die Ohren bei Hasen als "Löffel", bei den Borstentieren aber als "Teller" bezeichnet werden. Die Freunde des Karlsterns wollen zwei Bisons anschaffen. Die Tiere waren ja durch Spaziergänger mit falschem Futter zu Tode gefüttert worden. Daher warb Klein um Spenden für den Verein. Einige Exkursionsteilnehmer durften sich Stöcke an den Kopf halten, um einmal auszuprobieren, wie schwer es für Hirsche mit ihren weit ausladenden Geweihen ist, durch den Wald zu laufen. "Das ist ja ganz schön schwierig. Da bleibt man ja überall hängen," schmunzelte eine ältere Dame.

Klein erzählte, dass Rehe im Wald ihren Spiegel immer mit sich herumtragen. Auch diese Bezeichnung stammt aus der Jägersprache und weist auf das Hinterteil der Rehe hin. Im Winter ist er weiß. Beim Sommerfell wechselt der Spiegel in eine rötlich-gelbe Farbe . Immer aber hat er dieselbe Funktion. Wenn ein Reh eine Gefahr wittert, spreizt es die Haare dort nach außen; der Fleck erscheint gut sichtbar und gibt Artgenossen im selben Sprung - so nennt man eine Rehgruppe - ein Warnsignal. Ein Klaiber rannte fleißig an einem Baum auf und ab. "Das ist der einzige Vogel hier bei uns, der kopfüber an einem Baum entlang laufen kann," wusste Klein seinem Publikum zu berichten. An einem strauchähnlichen Gewächs blieb der Experte stehen, ließ die Teilnehmer riechen und fühlen. Leichter Bittermandelgeschmack war zu vernehmen. Es handelte sich um den Kirschlorbeer, der sich im Wald immer mehr ausbreitet. Heute ist er kaum mehr zu verdrängen.

Andere Perspektive

Im Gänsemarsch zogen die Gäste durch den Wald, immer einen Spiegel unter die Nase haltend. "Wir wollen so einmal den Wald von unten betrachten. Das haben Sie doch bestimmt noch nie gemacht", sagte Klein. Diese neue Erfahrung gefiel Claudia Helfert, Christiane Heinz und Uschi Reschke besonders. "So habe ich den Wald noch nie betrachtet. Das war hochinteressant", stellte Helfert fest. "Es ist einfach schön, dass es ein solches Angebot gibt", meinte Heinz und Reschke fügte hinzu: "Man kann diese Exkursion nur weiter empfehlen."

Als die Gäste aufgefordert waren, mit einer hölzernen Brille Bäume zu erfühlen, scherzten Danie und Jana Zöllner über ihre Mitwanderer: "Die kommen bestimmt nie mehr wieder aus dem Wald heraus." Aber weit gefehlt: Am Ende der Exkursion waren 23 Teilnehmer wieder am Ausgangspunkt, der Alten Försterei, angekommen - so viele wie anfangs mitgelaufen waren.