Käfertal

Käfertal Doppelausstellung der Geschichtswerkstatt zu „200 Jahre Rathaus Käfertal“ und „30 Jahre Kaltenborn-Brunnen“

Ortshistorie oft ein „Puzzlespiel“

Gleich ein doppeltes Jubiläum stellten die Verantwortlichen der Geschichtswerkstatt in Käfertal bei ihrer jährlichen Ausstellung in den Mittelpunkt. „Wir suchen uns einmal in zwölf Monaten ein Thema, dem wir unsere gesamte Kraft widmen“, berichtete die Vorsitzende Christel Hörr-Nusselt. Diesmal konnten die Besucher ein ganzes Wochenende lang vor Ort in die Geschichte des vor 200 Jahren erbauten Rathauses eintauchen. Gleichzeitig wurde ebenso die Chronik des Rathausbrunnens näher beleuchtet.

Dieser war am 23. April 1988 nach einem Entwurf der Künstlerin Maritta Kaltenborn eingeweiht worden. Die Kosten des im Sockelbereich aus rötlichem Gertelbach-Granit bestehenden Brunnens lagen damals bei 300 000 DM. Das Wassersammelbecken besteht aus einem Stahlbetonfundament, aus dem eine Bronzeplastik in Blattformation mit zwei Blütenstängeln herausragt. Erfreulich aus Sicht der Organisatoren: die Künstlerin war vor Ort und stand gerne für Fragen zur Verfügung.

„Die Grundsteinlegung des Rathauses erfolgte eigentlich schon 1817“, erzählte Johanna Mäder. „Der Baubeginn war dann aber ein Jahr später“, betonte das Vorstandsmitglied der Geschichtswerkstatt die Gültigkeit des Jubiläums. Hinter solch einer Ausstellung stecke jedes Mal reichlich Arbeit, meinte Jutta Hofer, bei den Käfertaler Hobbyhistorikern zuständig für die Bilder- und Fotorecherche. So hatten die Werkstattmitglieder wieder viele Urkunden und Schriftstücke gesichtet. Kopien waren in der Ausstellung zu sehen.

Extra nach Karlsruhe gefahren

„Wir sind sogar extra nach Karlsruhe gefahren, um im Generallandesarchiv die Tagebücher von Jakob Friedrich Dyckerhoff zu durchforsten“, verriet die Vorsitzende Christel Hörr-Nusselt. Nur so habe man Dyckerhoff als Architekten des im Weinbrennerstil erbauten Rathauses identifizieren können. Leichter fiel es da schon, die Liste der ehemaligen Bürgermeister bis hin zu den Bürgerdienstleitern aufzulisten. Ein Abdruck des ehemaligen Dienstsiegels der Gemeinde Käfertal war ebenso zu sehen wie Hochzeitsbilder mit Standesbeamten aus zwei Jahrhunderten. Eher zum Schmunzeln war die aufgezeichnete Anekdote über die aufkeimende Liebe eines im Rathaus angestellten Lehrers und seiner Angebeteten im benachbarten Haus. Eine ausgestellte Heiratsurkunde bestätigte das glückliche Finale der romantischen Geschichte.

Alstadtrat Leo Pfanz-Sponagel erinnerte in einem launigen Rundumschlag zur Käfertaler Ortsgeschichte unter anderem an die frühesten Siedlungsanfänge, als die Bewohner des Dörfchens Dornheim auf dem heutigen Gebiet des Mannheimer Klinikums wegen Überschwemmung auf die heutige Käfertaler Gemarkung ausweichen mussten. Vor 200 Jahren zählte Käfertal gerade mal 1060 Einwohner. Das Geld für die großen Vorortrathäuser stammte übrigens aus Frankreich. Die Franzosen mussten nach dem Sieg der Koalition über Napoleon 1815 bis 1818 insgesamt 700 Millionen Franken zahlen.

Zum Verweilen lud ebenso eine historische Karte vom Dorf Käfertal aus dem Jahr 1806 ein. „Unsere Geschichtswerkstatt gibt es dagegen erst seit 26 Jahren“, erklärte die Vositzende Christel Hörr-Nusselt, die selbst Gründungsmitglied des 36 Mitglieder großen Vereins ist. Es sei doch wichtig, dass Geschichte erhalten bleibe. „Oft ist es ein Puzzlespiel, alle Teilchen für ein Thema zusammenzubekommen“, bestätigte sie.

Bei der Jubiläumsfeier der Geschichtswerkstatt im vergangenen Jahr hatte der Verein Steckenpferd gemeinsam mit Kindern Zeichnungen des Rathauses angefertigt. Im Rahmen der Ausstellung wurde der Nachwuchs von Künstlerin Ulrike Schaller-Scholz-Koenen prämiert. Auch der Freundeskreis der Gottfried-Keller-Bücherei war präsent und verkaufte mit Unterstützung von Südzucker Zuckerwatte an die Besucher. „Die Einnahmen fließen an das Hospiz St. Vincent am Taunusplatz“, erklärte Christel Hörr-Nusselt.

Überhaupt sei die Kooperation mit der Bücherei sehr eng. „Die Geschichtswerkstatt trifft sich einmal im Monat“, so die Vorsitzende. Am Donnerstag, 11. Oktober, ist es wieder soweit. Los geht es um 19.30 Uhr. Geschichtsinteressierte sind herzlich willkommen.