Käfertal

Käfertal Reihe „denkbar“ reflektiert im Unionsgemeindehaus über das Sterben

Schwerer Weg des Abschiednehmens

Der Gedanke an ihn wird vielfach verdrängt, dabei ereilt er jeden Menschen – früher oder später: Der Tod ist unausweichlich. Gerade in unserer Gesellschaft, in der die Zahl der Alten immer mehr anwächst, aber auch das Leben der Jüngeren zunehmend durch Unfall oder Krankheit gefährdet ist, darf die Endlichkeit des Seins nicht tabuisiert werden. Im Gegenteil – sowohl für den Sterbenden, als auch für die Hinterbliebenen ist es eine große Hilfe, wenn das Thema angesprochen und Vorsorge getroffen wird.

Kleiner Kreis

Das wurde nun in einer Gesprächsrunde mit Pfarrerin Kyra Seufert im Käfertaler Unions-Gemeindehaus deutlich. Im Rahmen der seit Jahren erfolgreichen Reihe „denkbar“ stellte sie die Frage in den Raum „Wie gehen wir mit unseren Verstorbenen um“, und der (leider sehr) kleine Kreis von (nur) Frauen, die ihre Mutter oder ihren Mann verloren hatten, bestätigte die äußerst komplexe und individuell unterschiedliche Situation beim Abschiednehmen von einem geliebten Menschen.

36 Stunden haben die Hinterbliebenen Zeit, weiß Kyra Seufert, solange darf der Verstorbene im Haus, Heim oder Krankenhaus aufgebart bleiben und die Hinterbliebenen können in Ruhe Abschied nehmen. Doch so sehr der Schmerz sie überwältigt, so unerlässlich ist es nun, sich mit der Beerdigung auseinanderzusetzen: Ort, Art, Ablauf – vieles ist dabei Regeln und Gesetzen, Friedhofsordnungen und theologischen Anschauungen unterworfen, so dass in der Regel Hilfe bei einem Bestattungsinstitut gesucht wird.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ - dieser erste Artikel des Grundgesetzes sollte auch über den Tod hinaus gelten. Ein pietätvolles Institut setzt die Achtung der Würde des Toten an die erste Stelle seiner Arbeit. Das Video von Planet Wissen über die Tätigkeit des Bestatters, das Kyra Seufert zum Abschluss des „denkbar-en“ Abends abspielte, ließ eine besonders sensible Bestatterin zu Worte kommen.

Eindeutig wurde in dem Beitrag gewarnt vor den vielen Instituten mit undurchsichtigen Arbeitsvorgaben und überhöhten Rechnungen. Das Geschäft mit dem Tod macht also vor der Würde des Menschen nicht Halt, ebenso wie die vielen neuen Trends der Bestattungs- und Trauerkultur aufhorchen lassen.

Die Entscheidung Feuer- oder Erdbestattung, auf dem Friedhof, auf See oder im Friedwald, anonym, mit Namen oder im Fankreis der Fußballerfreunde, das Trauern in der Stille, über Erinnerungsriten oder über individuelle Gedenkseiten im Internet – jeder geht auf seine Weise mit dem Tod um.

Hilfreich bei diesem Entscheidungsprozess kann es sein, wenn der Sterbende selbst Wünsche über seinen Tod und die Beerdigung geäußert hat, das bestätigten alle Teilnehmerinnen dieses Abends. Von der Patientenverfügung über eine Sterbevorsorge bis hin zu verabschiedenden Briefen kann es den Hinterbliebenen Erleichterung und Trost bringen. Ihre Wege der Trauerverarbeitung müssen sie jedoch selbst finden. Vielleicht hilft ja die Einsicht, die Kyra Seufert mit auf den Weg gab, dass der Tod etwas Erfüllendes beinhaltet und für den Hinterbliebenen ein Gewinn sein kann, indem er bewusster und inniger lebt als zuvor.