Käfertal

Käfertal/Waldhof Jugendamt berichtet heute im Bezirksbeirat zur Zukunft der sozialen Einrichtungen im Wohnquartier

Servicebüro soll vorläufig öffnen

Von unserem Redaktionsmitglied

Dirk Jansch

Für die Gemeinwesenarbeit Waldhof-Ost wird zurzeit eine neue Konzeption erarbeitet. Nach Angaben des kommissarischen Jugendamtleiters Peter Schäfer gibt es erste Überlegungen. Heute Abend wird er im Bezirksbeirat Waldhof berichten. Die wichtigste Botschaft: Das Servicebüro und die Kleiderkammer sollen wieder eröffnet werden – zumindest „als Übergangslösung temporär“, wie es heißt. Beide Angebote waren Ende 2017 durch den bisherigen Träger Biotopia eingestellt worden (wir berichteten).

Die Fraktionen von CDU und ML/Freie Wähler hatten sich daraufhin in den Haushaltsberatungen dafür eingesetzt, dass beide Angebote der Beschäftigungsförderung fortgesetzt werden. Laut CDU-Antrag wurden für die Jahre 2018 und 2019 dann auch jeweils 30 000 Euro an Zuschüssen in den Haushalt eingestellt. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, eine zukunftsfähige Konzeption für das niederschwellige Angebot im Stadtquartier zu entwickeln. Nachdem seither nichts geschehen ist, hatte der Bezirksbeirat im Juli noch mal nachgehakt und um Stellungnahme gebeten.

Fakt ist, dass die geringfügig Beschäftigten, die sich um das Servicebüro und die Kleiderkammer gekümmert haben, mit der Kündigung durch Biotopia arbeitslos geworden sind. Auch die öffentliche Bibliothek bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Aus Sicht des Bezirksbeirats hatte das Gemeinschaftszentrum Waldhof-Ost über viele Jahre hinweg durch die sozialen Dienste vor Ort eine große Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt im Quartier.

Andere Zielsetzung

Doch diese sollen und können laut Jugendamtsleiter Schäfer zukünftig nicht mehr im Fokus stehen. Zielsetzung des Projektes „Perspektive Waldhof-Ost“ war die Qualifizierung der Projektteilnehmer für den ersten Arbeitsmarkt über Beschäftigungsförderung in der gemeinwesenorientierten Arbeit. Dies decke sich nicht mit den Aufgaben der Jugendhilfe und entspreche auch nicht den Leistungszielen des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie. Hier stünden Leistungen und Aufgaben zugunsten junger Menschen und Familien im Vordergrund. Ziel sei aber, die Menschen, die Leistung erbracht hätten, auf jeden Fall mitzunehmen – nicht im Sinne von Beschäftigungsförderung, aber vielleicht auf Minijob-Basis.

Aus Sicht des Jugendamtes hat sich die soziale Struktur in Waldhof-Ost verändert. Wesentlicher Faktor sei der Rückgang der Arbeitslosigkeit. Neben der besseren Integration der Sinti und Roma gebe es einen verstärkten Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund. „Daraus ergeben sich anderen Förderbedarfe“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Zukünftig soll der Schwerpunkt mehr auf Jugendhilfe- und Sprachförderprojekten liegen. Auf jeden Fall will man Doppelstrukturen vermeiden und verweist auf die bestehenden Angebote in der Innenstadt. Mit der Stadtbahn Nord sei das Gebiet rein räumlich längst nicht mehr so abgehängt. Info und Beratung werde es auch weiterhin geben, der Fokus solle aber noch stärker auf der Vermittlung und Nutzung dessen liegen, was auch vorhanden sei.

Für Peter Schäfer geht es darum, jetzt in die Feinabstimmung zu gehen: „Die Frage ist, wie können wir es gestalten.“ Das Servicebüro und die Kleiderkammer sollen jedenfalls noch 2018 wieder in Betrieb gehen. Wer das Angebot übernimmt, sei derzeit aber unklar. „Uns ist ein freier Träger in der Perspektive auf jeden Fall wichtig“, betont Schäfer. „Die Verwaltung wird nach abgestimmter Konzeptentwicklung einen umsetzenden Träger suchen“, heißt es in der Stellungnahme. Dem Vernehmen nach soll bereits die Arbeiterwohlfahrt signalisiert haben, das Angebot weiterführen zu wollen.

Alexander Manz, Fachbereichsleiter Beschäftigung, Migration und Serviceleistungen beim AWO-Kreisverband, bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die AWO zu einer Übernahme bereit wäre, „allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Weiterbeschäftigung der bisherigen MitarbeiterInnen zu den tariflichen Bedingungen der Arbeiterwohlfahrt erfolgen kann“, betont Manz. Dies werde wohl zwangsläufig zu einer Reduktion der Öffnungszeiten führen, „aber es ist uns hier – wie bei allen Einrichtungen und Diensten der AWO Mannheim – wichtig, dass prekäre Arbeitsverhältnisse vermieden werden.“