Käfertal

Käfertal Acht Künstler präsentieren in der Schau "Artist Residence" Werke, die vor Ort im Benjamin Franklin Village entstanden sind

Silber-Schweif aus Aluminium

Früher saßen dort oben in der gläsernen Kabine, von wo aus man einen prächtigen Ausblick über das einstige Footballfeld genießt, die Stadionsprecher und Veranstaltungstechniker - als auf dem inzwischen stark im Umbruch befindlichen Gelände des Benjamin Franklin Village noch amerikanische Soldaten des US-Militärs wohnten. Seit Juli sind jedoch in diesem kleinen Sportplatzturm, der den Namen "Woods Memorial Tower" trägt, rohe graue Zementgemälde der Künstlerin Eva Gentner zu sehen. Sie sind Teil der sich ständig wandelnden Kunstschau "Artist Residence".

Auf dem Areal der ehemaligen US-Wohnkaserne verteilt sind Exponate von acht Künstlern zu entdecken, im Treppenhaus der Sports-Arena, in der ehemaligen Panzerhalle und im Pförtnerhäuschen. Im Rahmen der Vernissage "Herbstmeile" durften Besucher während einer Führung die vor Ort entstandenen Kunstwerke besichtigen. Japanische Umhänge, die sogenannten Kimonos, und allgemein Textilien jeder Art bilden das Interessensfeld von Künstlerin Eva Gentner.

Um sich tiefer über solche Stoffe weiterzubilden, bereiste sie kürzlich das ferne Japan. Denn Kulturnomadin Gentner, die sich künstlerisch und menschlich stetig weiterentwickeln möchte, verweilt nie länger am selben Ort. Daher dient ihr der Aussichtsturm am Footballfeld lediglich als temporäres Atelier, bis ein neuer Künstler einzieht.

Auf der anderen Seite von "New Franklin City", wie die Ausstellungsmacher um Organisator Philipp Morlock, der ebenso das Einraumhaus am Alten Messplatz betreut, das ehemalige Kasernengelände nennen, befinden sich in der ausrangierten Panzerhalle - ein an den Seiten offener Unterstand - die wuchtigen Kunstwerke der Teilnehmer Laura Sacher, Jörg Gelbke und Nino Maaskola. Mithilfe eines riesigen Erdhügels hat dort Bildhauer Nino Maaskola, bei siedend heißer Temperatur mit Propangasflasche, einen gigantischen geschwungenen Bogen aus Aluminium geformt. Wie ein silberner Regenbogen sieht dieser Schweif aus. Oder wie der weithin sichtbare Metallbogen, der sich in etwas größerem Maßstab über die Kölner Multifunktionshalle Lanxess-Arena erhebt.

Säule als Symbol für Wandel

"Ich habe bei 600 Grad mit einem Schmelztiegel gearbeitet", erklärte der Bildhauer. Weniger Meter von seiner Aluminiumskulptur entfernt ragt der schwarze Stalagnat von Bildhauer Jörg Gelbke empor, eine urwüchsige Stange aus Gusseisen, die Hallendecke mit dem Boden verbindend. Eine schroffe Säule wie aus einer jahrtausendealten Tropfsteinhöhle. Stalagmiten und Stalaktiten wachsen nur langsam. Darum könne man die schwarze Säule von Künstler Jörg Gelbke, wie ein Informationsblatt als mögliche Deutung anbietet - als zeitliches Symbol für die gerade laufende Verwandlung von Franklin in einen neuen zivilen Stadtteil interpretieren.

Im Treppenhaus der Sports-Arena hängen die abstrakten Gemälde von Maler Maximilian Martinez. Wie eine wilde Farbexplosion wirken die Bilder des aus dem pfälzischen Otterberg stammenden Malers, ungegenständlich und formauflösend. "Die Freiheit ist innen hohl" heißt dieser von Martinez gepinselte Werkzyklus. Über den Entstehungsprozess der künstlerischen Positionen wird bald ein Dokumentarfilm erscheinen. Bis 31. Dezember können die Exponate der Schau "Artist Residence" nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.