Käfertal

Käfertal Ulrike Schaller-Scholz-Koenen prangert mit ihrer Ausstellung im Rathaus auch Missstände an

Spezielle Optik legt Mängel offen

Das Käfertaler Rathaus mit Kunst zu beleben - das ist ein Anliegen von Ulrike Schaller-Scholz-Koenen. Und da die Kunstpädagogin, die schräg gegenüber einen eigenen Bastel- und Kreativladen mit Institut für ganzhzeitliche Förderung betreibt, selbst gerne künstlerisch tätig wird, leistet sie gerne einen persönlichen Beitrag zur "Bespielung" der kahlen Rathaus-Wände. Aktuell hängen im Treppenhaus 69 Schwarz-Weiß-Fotografien von ihr, eine ortsbezogene Sammlung, die in den zurückliegenden Jahren entstanden ist.

Der Titel der Ausstellung "Schöner wohnen in Käfertal" muss aber wohl eher ironisch verstanden werden, denn die Fotografin wirft nicht unbedingt den Blick auf die schönen Ecken von Käfertal. Hier ein überquellender Abfalleimer, dort aufgeplatzter Straßenasphalt, verwitterte Zäune, bröckelnde Fassaden, marode Dächer, eine Absperrbarke mitten auf der Ladenburger Straße oder eine kaputte und verdreckte Sitzgruppe im Stempelpark. Allein der Blick in den Hinterhof des seit Jahren leerstehenden "Pflug" spricht Bände. Dort sieht es aus wie in einer trostlosen Gasse im bürgerkriegsumkämpften Aleppo in Syrien. "Käfertal ist ein sozial intakter Stadtteil und wirkt stellenweise doch so heruntergewirtschaftet", bedauert Schaller-Scholz-Koenen.

Konzentration auf das Motiv

Die von ihr bewusst gewählte Schwarz-Weiß-Optik tut das ihre, um den abgelichteten Zuständen Kontur und Schärfe zu verleihen. Ulrike Schaller-Scholz-Koenen hat schon von ihrem Vater gelernt: "Bei Schwarz-Weiß konzentriert man sich mehr auf das Motiv. Man schaut genauer auf das, was ein Bild so zeigt." Dekoratives über dem Sofa sei nicht ihr Ding, meint die Fotografin: "Kunst muss immer auch aufmerksam machen." Bei ihren Fotostreifzügen durch Käfertaler Gemarkung fallen ihr genug Dinge auf: Autos zum Beispiel, die den kompletten Gehweg zuparken.

Mit ihrer Kamera vollzieht Ulrike Schaller-Scholz-Koenen auch Veränderungen nach, wie den Abriss des Alten Kinos - vorher und nachher exakt von derselben Stelle aus fotografiert. Das musste sie unbedingt im Bild festhalten. "Durchblicken kann man da ja nie wieder." Daneben gibt es aber auch die schönen Dinge: Impressionen vom Stempelparkfest, von den dortigen Bildhauer-Installationen oder der kunstvolle Blick in die Fahrradwerkstatt auf Franklin. Der noch verlassenen US-Wohnkaserne hat sie eine eindrucksvolle Serie gewidmet.