Käfertal

Käfertal Bürger im Mannheimer Norden und Osten beschweren sich im Bezirksbeirat über viel Flugverkehr über der Stadt

„Stadt hat keine Möglichkeit“

Archivartikel

Mehr Maschinen am Nachthimmel über Mannheim – mehr Beschwerden über Fluglärm vor allem aus den nördlichen und östlichen Stadtteilen (wir berichteten mehrfach). Jetzt beschäftigte sich auch der Käfertaler Bezirksbeirat mit dem leidigen Thema, zugeladen waren eigens die Stadtteil-Gremien aus der Gartenstadt. Auch etliche lärmgeplagte Bürger aus dem Norden hatten sich eigens auf den Weg ins Käfertaler Kulturhaus gemacht, um dem zu lauschen, was die Verwaltung dazu zu sagen hatte. Wer freilich darauf gehofft hatte, vonseiten der Stadt nahe irgendeine Art von Hilfe in dieser Sache, der sah sich an diesem Abend enttäuscht: „Die Stadt hat keinerlei Möglichkeit, Flugrouten zuzustimmen oder diese abzulehnen, und sie war auch nicht beteiligt an der Festlegung dieser Routen“, musste Thomas Kiefer vom Stadtplanungsamt bekannt geben.

Kiefer hatte zuvor referiert über Lärmschutzzonen – Mannheim liegt außerhalb dieses Bereichs – und Geräuschpegel, über Nachtflugaufkommen und Flughöhen, wirklich helfen konnte er den Bürgern, die mit ihrem Anliegen zu der Sitzung gekommen waren, aber nicht.

Dass eine der Start-Routen aus Frankfurt direkt über das Stadtgebiet führt, wussten die Betroffenen aus eigener Erfahrung, und auch, dass sich der Flugverkehr in den zurückliegenden Jahren deutlich ausgeweitet hat, dürfte bekannt gewesen sein. Neu war möglicherweise vielen, dass alles, was mit Flugverkehr, Flugrouten und Flugsicherheit zu tun hat, im Aufgabenbereich des Bundes liegt.

Routen „nicht zu verlegen“

Die Stadt hat sich auf diverse Bürgerbeschwerden hin bei der Deutschen Flugsicherung erkundigt, ob man möglicherweise die Routen der startenden Maschinen verlegen könne – die Antwort, die Thomas Kiefer mitbrachte, klingt ernüchternd: „Nein, östlich ist die Route auch schon belegt, und nach Westen hin ist die Militärische Flugzone, sie ist für den zivilen Verkehr ganz gesperrt.“ Verblüfft waren dann viele im Saal, als Kiefer erklärte, dass es für 133 Flüge von Frankfurt meist witterungsbedingte Ausnahmen vom Nachtflugverbot gibt – und zwar pro Tag. Matthias Pitz (Grüne) wollte dann wissen, ob denn Maschinen auch in niedrigerer Höhe als 3000 Meter über die Stadt fliegen dürfen. Auch hier war das Erstaunen groß, musste Kiefer doch erklären, dass die minimale Flughöhe 300 Meter beträgt, „meist fliegen die Maschinen aber etwa drei Kilometer hoch“.

Wie stark belastend die Menschen im Norden und Osten der Stadt die Störung ihrer Ruhe durch den Flugverkehr empfinden, wurde dann deutlich, als die Bürger von Sitzungsleiterin Gabriele Baier (Grüne) die Gelegenheit erhielten, ans Mikrofon zu treten. Ein Anwohner aus der Gartenstadt klagte etwa sein Leid, „in Spitzenzeiten ist das eine Maschine nach der anderen, die da über uns hinwegdonnern“. Er forderte die Stadt auf, nachzuhaken und für eine Entspannung der Situation einzutreten. In die selbe Kerbe schlug auch Gustav Schneider, auch er einer der Lärmgeplagten aus dem Mannheimer Norden. Er hat zusammen mit anderen Bürgern einen Beschwerdebrief an die Verwaltung und an den Oberbürgermeister geschrieben: „Als Antwort hieß es, wendet euch ans Bundesverkehrsministerium“. Damit freilich sei man nicht zufrieden, „ich halte das für zynisch“. Für die Menschen sei die Nachtruhe zu kurz, sie sähen dadurch ihre Gesundheit gefährdet: „Wir fordern die Stadt auf, sich als Anwalt vor ihre Bürger zu stellen, und dafür einzutreten, dass die Routen verlegt werden.“

Abgeordnete einschalten

Thomas Kiefer freilich konnte ihm und den vielen anderen im Saal, die sich durch die Überflüge gestört fühlen, keine Hoffnung machen: Die Stadt habe hier keinerlei Einflussmöglichkeiten. Und auch der Vorschlag aus der Bezirksbeiratsrunde, doch Bundestagsabgeordnete auf das Problem anzusprechen, dürfte die Bürger nicht unbedingt zufriedener gemacht haben.