Käfertal

Käfertal Trommelpalast bietet Musikinteressierten einen sommerlichen Samba-Kurs an

Stampfender Rhythmus einer Dampflokomotive

Archivartikel

„Wir bilden einen Kreis und klatschen uns warm“, forderte Dozent Gero Fei seine 30 Schützlinge auf. Vorsorglich steckten sich alle Teilnehmer gelbe Ohrenstöpsel in die Gehörgänge, die man sich an einem Spender kostenlos ziehen konnte. Denn als die Schülerinnen und Schüler mit Stöcken kollektiv im gleichen Rhythmus zu trommeln begannen, dröhnte das in den Ohren, als befände man sich in einer Werkhalle mit ratternden Maschinen. An drei Unterrichtsabenden fand im Käfertaler Trommelpalast jetzt ein perkussiver Samba-Kurs im Rahmen eines Summer-Camps statt.

Wenn mehrere Menschen im gleichen Takt auf hart gespannte Trommelfelle schlagen, in derselben Frequenz, überlagern sich diese Töne und sorgen für steigende Lautstärke. Im Trommelpalast erlernten die Teilnehmer keine Tanzschritte, sondern den schlagzeugerischen Aspekt der heißblütigen Samba-Kultur aus dem fernen Brasilien.

Zusammen mit seiner Kollegin Steffi Hamann ging Samba-Dozent Gero Fei von Schüler zu Schüler, es gab für jeden quasi Individualunterricht – und immer hilfreiche Tipps für das schnelle Vorwärtskommen mit dem Instrument. Etliche der neuen Schlagzeuger waren barfuß.

Anhand eines aufgestellten Flip-Charts führte das Dozenten-Duo die Gäste mit niedergeschriebenen Notenmustern in die komplexe Welt afro-brasilianischer Rhythmen ein.

Zur Demonstration stellte sich Musiklehrer Gero Fei, in dessen Blutkreislauf kubanische Volksmusik zu fließen scheint, breitbeinig an eine große Trommel und schlug – mit den bloßen Händen oder zwei Stöcken – kräftig auf das Instrument ein, Mal schneller, dann wieder langsamer, aber immer taktsicher und präzise im Tempo. Mitten im Saal verschaffte sich der Dozent dabei mit Hilfe einer bunten Trillerpfeife dann zwischendurch immer wieder Gehör, für die Teilnehmer das Signal dafür, dass eine Übung nun abgeschlossen war.

Tanz stets dabei

„Das macht den Reiz aus, wenn ein so großer Block herumläuft“, schilderte Schlagzeug-Experte Gero Fei. Mit seinen verschiedenen Ensembles nimmt der Käfertaler Trommelpalast jedes Jahr am großen Fastnachtsumzug der beiden Rhein-Schwestern Mannheim und Ludwigshafen teil, eindrucksvoll in Reih und Glied durch die Straßen marschierend, gerade so, als wäre dieses ungewöhnliche Orchester dem Karneval in Rio de Janeiro entsprungen.

Hier in der großen Halle lernten die Neulinge, dass es, um die Tonhöhe zu variieren, darauf ankommt, mit den Händen mittig oder am Rand des gespannten Trommelfells zu schlagen. Darüber hinaus gehören Tanzbewegungen als künstlerisches Element zu jeder getrommelten Samba-Darbietung dazu. Unterschiedliche Trommeln wie Caixa, Agogô, Surdo und Tamborim schauten sich die Besucher dann im Praxistest genauer an. Auf diese Weise trommelten sich die Gäste regelrecht in einen „Samba-Rausch“. Mit strahlendem Gesicht hüpfte Fei quer durch das Rund und animierte seine Teilnehmer voller Spielfreude. Dabei klang die eifrig trommelnde Schülerschaft stellenweise wie eine schnaufend dahinstampfende Dampflokomotive.

„Es gibt unterschiedliche Schlagtechniken, etwa den Slap, ein hart knallender Schlag“, schilderte Dozentin Steffi Hamann. „Die Brasilianer und Kubaner bewegen sich beim Trommeln, wir Deutschen eher nicht,“ so Hamann. Besonders auf Straßenparaden haben solche Ensembles einen hohen Schauwert.