Käfertal

Käfertal Gerhard Reinelt, langjähriger Pfarrer von St. Laurentius, wird 90 Jahre alt – und hält weiter Gottesdienste

Stets den Menschen zugewandt

Die Gemeinde hat ihn fest ins Herz geschlossen, kämpfte schon heftig für ihn – und umgekehrt ist sie quasi sein ganzes Leben, hat er den ganzen Stadtteil tief geprägt: Gerhard Reinelt, Pfarrer von St. Laurentius in Käfertal, wird am Freitag 90 Jahre alt und am Sonntag in einem großen Gottesdienst mit anschließendem Empfang gefeiert.

„Es ist ja schön, wenn sie nicht sagen, was will der alte Simpel noch“, freute sich Reinelt schon 2016, als ihm zum diamantenen Priesterjubiläum die Ehre erwiesen wurde. Gleich zweimal kräftiger, lauter Beifall in einem festlichen katholischen Gottesdienst – wann gibt es das schon? Aber so drückten damals zahlreiche Gläubige ihren tiefen Respekt vor einem Mann aus, der seit 1960 in Käfertal tätig ist.

Und er ist weiter tätig, hält – zum Glück, angesichts des Priestemangels – Gottesdienste in St. Laurentius, engagiert sich seit Jahrzehnten für das Kinder- und Jugendheim St. Josef und ist auch stets gerne da, wenn der Kindergarten ihn braucht, wenn eine Beerdigung langjähriger Weggefährten oder eine Goldene Hochzeit ansteht. Obwohl schon seit 2006 pensioniert, zeigt er, soweit es die Gesundheit zulässt, unverändert großes Engagement und Einsatz für seine Gemeinde.

Als Kind im Bergwerk

Dabei ist er kein Kurpfälzer, sondern 1929 in Freiwaldau im Ostsudetenland geboren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, noch mit 14 Jahren, zum Volkssturm eingezogen, nach Kriegsende zur Fronarbeit in einem polnischen Bergwerk gezwungen, dann die Flucht in den Westen – das hat Reinelt tief geprägt, ihn aber auch gelassen gemacht, Seele und Körper für das Leben gestärkt.

Nach Abschluss seines Theologie- und Philosophie-Studiums sowie der pastoralpraktischen Ausbildung im Priesterseminar St. Peter wurde er 1956 im Freiburger Münster durch Erzbischof Eugen Seiterich zum Priester geweiht. Nach Stationen in Kirrlach, im Münstertal sowie im Odenwald kam Reinelt im November 1960 als junger Kaplan nach Käfertal, wurde er 1963 Pfarrverweser und 1964 Pfarrer von St. Laurentius, 1999 zusätzlich von St. Hildegard. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei Reinelt aufgelebt, habe das „als Befreiung von einer Zwangsjacke“ empfunden, sagte sein Nachfolger Lukas Glocker, inzwischen Dekan in Bruchsal, mal. Reinelt ist als Geistlicher immer den Menschen zugewandt gewesen. Auf dem Fahrrad oder mit dem Schäferhund im Ort unterwegs, konnte und kann man ihn jederzeit ansprechen. Er scheute sich auch nie, mit den „Spargelstechern“ Fasnacht zu feiern. An deren Aufschwung hat er großen Anteil, trieb er doch den Bau des Katholischen Gemeinde- und DJK-Sportzentrums voran.

Reinelt war aber auch über Käfertal hinaus tätig und anerkannt, so ab 1982 als stellvertretender Stadtdekan oder im Caritasrat. 1994 wurde der verdiente Geistliche durch Erzbischof Oskar Saier zum Geistlichen Rat ad honorem, also ehrenhalber, ernannt. Aber er konnte auch stur sein und gegen die Kirchenoberen ankämpfen. So schaffte er es im Einklang mit der Gemeinde, dass der Kirchenchor trotz anderer Pläne des Bezirkskantorats seine Selbstständigkeit beibehalten konnte. Umgekehrt kämpfte die Gemeinde vehement dafür, dass Reinelt auch nach seiner Pensionierung im Pfarrhaus wohnen durfte und weiter darf.