Käfertal

Käfertal In Zeiten des Wohnungsmangels war das Rott einer von damals vier städtebaulichen Schwerpunkten in Mannheim

Urbanes Wohnen am Grünzug

Archivartikel

„Die Bagger können kommen“, titelte der Mannheimer Morgen in seiner Ausgabe vom 2. September 1993. Der Gemeinderat hatte die letzte noch ausstehende Entscheidung für den Baubeginn des Neubaugebiets Im Rott gefällt. Auf einer 28,7 Hektar großen Fläche zwischen Vogelstang und Käfertal-Süd sollten bis zu 2250 neue Wohneinheiten entstehen. Ein paar Wochen später, am 23. September, war Grundsteinlegung für die erste Wohnanlage mit 88 Wohnungen. 25 Jahre ist das her, und noch immer wie gebaut Im Rott.

Mehrere Neubaugebiete

Die Wohnungsnot war groß in Mannheim Anfang der 1990er Jahre. Der Bedarf an Wohnraum hatte nach Maßgabe der Verwaltung „hohe Priorität“. So gingen die Stadtplaner neben dem Rott mit Neuhermsheim, Hochstätt und Seckenheim-Süd gleich mehrere Neubaugebiete an. Das erste Haus mit 88 Wohnungen und vier Läden errichtete die Inbau/Siebert-Gruppe. Grundsteinlegung war im September 1993. Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule hatten die Urkundenrolle entworfen. In nur neun Monaten entstand der Rohbau, der im Dezember 1994 fertiggestellt war. Als ein weiteres Projekt feierte der „Seegarten“, ein Komplex, den vier Genossenschaften errichteten, im Dezember 1995 Richtfest. Das Bauvorhaben an Ida-Dehmel-Ring, Mary-Wigmann- und Therese-Blase-Straße zeichnete sich durch ökologische Komponenten aus. Regenwasser vom Dach und den Garagenplätzen wurde in Zisternen gesammelt und für die WC-Spülung verwendet, und Thermo-Solaranlagen auf den Dächern sollten einen Teil der Warmwasserversorgung beisteuern.

Doch es verlief nicht alles reibungslos. Der soziale Wohnungsbau sorgte von Anfang an für Diskussionen. Die Stadt Mannheim beabsichtigte, gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg (LEG) den Bau von 36 Sozialwohnungen. Über eine städtische Beteiligung am Modellprojekt „einkommensabhängige Förderung“ der Familienheim Rhein-Neckar e.G. wollte man außerdem die Zusatzförderung für 26 Sozialwohnungen übernehmen. Schon im Juli 1993 hatte die Arbeitsgemeinschaft Mannheimer Baugenossenschaften mit dem Ausstieg aus dem Bauprojekt Im Rott gedroht, sollte das Land Baden-Württemberg Grundstücksverbilligungen nur für Maßnahmen des sozialen Wohnungsbaus und nicht für andere Förderprogramme gewähren.

Ein weiteres Problem stellte die Bereitstellung der sozialen Infrastruktur dar. Im September 1993 konnte das Schulverwaltungsamt noch keinen Termin für den Spatenstich für die künftige Grundschule nennen. Auch die Finanzierung für den geplanten Bau von 70 Kindergarten-, zehn Krippen- und 20 Hortplätzen war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gesichert. Als „eher unwahrscheinlich“ schätzte das Jugendamt den Bau eines Jugendtreffs ein. Für den Bau einer Sporthalle fehlten ebenfalls die notwendigen Finanzmittel. So mussten in der Bertha-Hirsch-Schule, die im September 1996 ihren Betrieb aufnahm, in der ersten Zeit provisorisch zwei Klassenzimmer für den Sportunterricht herhalten. Defizite waren auch im Oktober 1997 noch nicht behoben. Es gab keinerlei Gaststätten. Jetzt rächte sich auch, dass man nicht rechtzeitig an den Bau eines Jugendtreffs gedacht hatte. Im jungen Stadtteil gab es Probleme mit jugendlichen Aussiedlern.