Käfertal

Käfertal „Pop-Astronautin“ Barbara Lahr und Gitarrist Bernd Sperrfechter im Kulturcafé des Kulturhauses

Vertonte Gedichte aus vier Jahrhunderten

Archivartikel

Hinter ihrem elektronischen Sampler tänzelte Barbara Lahr herum, während die Sängerin an den Knöpfchen drehte und die Tasten drückte. Auf diese Weise brachte die Indie-Musikerin zuvor einprogrammierte Klangelemente hervor, um daraus live auf der Bühne einen sphärischen Teppich zu weben, mit gluckernden und rasselnden Geräuschen. Im Rahmen der Konzertreihe „Kulturcafé“ trat Sängerin Barbara Lahr zum ersten Mal im Käfertaler Kulturhaus auf, zusammen mit Gitarrist Bernhard Sperrfechter. Auf der Foyer-Bühne brachte das innovative Experimental-Duo eigens vertonte Gedichte von historischen Lyrikern des 16. bis 20. Jahrhunderts zu Gehör.

„Wir freuen uns, dass mittlerweile unser Kulturcafé bei den Künstlern angekommen ist“, sagte Veranstalterin Ute Mocker. „In der nächsten Zeit kommen ganz viele Damen zu uns“, kündigte sie an. Inzwischen leuchtet an der Foyer-Decke des in Renovierung befindlichen Käfertaler Kulturhauses eine installierte Neonleuchte, die viele Meter lang ist und ein milchig weißes Licht aussendet.

Klirrender Klangkosmos

Auf der Bühne stimmten die digitale Steuerfrau Lahr und ihr Kreativpartner Sperrfechter, der zwischen den sechs Saiten einen klirrenden Klangkosmos erschloss, musikalisch verarbeitete Gedichte an, wie den englischen Text „Hope is the thing with feathers“ der Schriftstellerin Emily Dickinson (1830 bis 1886). Denn diese libertäre Dickinson, eine früh verstorbene amerikanische Dichterin, gehört zu den Lieblingspoeten von Klangzauberin Barbara Lahr. „Die hatte einen freien Geist und sich von der Gesellschaft völlig entfernt“, erläuterte Popsängerin Lahr.

Irgendwann um 1996 hatte sich „Pop-Astronautin“ Lahr den archaischen Sampler der Marke Akai MPC 4000 gekauft, um mit dem Zauberkasten auf der Bühne und im heimischen Schlafzimmer-Tonstudio zu experimentieren. „Ich bin mehrmals umgezogen, überall bin ich bei meinen Nachbarn angeeckt, wegen der lauten Musik“, sagt Lahr, die in Sankt Julian im Nordpfälzer Bergland in einem eigenen Häuschen lebt.

Mit flüsternder bis hingehauchter Gesangsstimme erfüllte Lahr die Eigenkomposition „A Fragment: To Music“ mit Leben, basierend auf einem Gedicht des wohl nur Literaturexperten geläufigen romantischen Dichters Percy Bysshe Shelley. „Das war der Ehemann von Mary Shelley, die den Frankenstein erfunden hat“, klärte die Klangforscherin auf.

Wenn man aufzählen möchte, mit welchen Musikerkollegen die gebürtige Pfälzerin Barbara Lahr bereits Projekte verwirklichte, würde das ganze Buchseiten füllen. Mit dem schwer zu kategorisierenden Trip-Hop-Ensemble DePhazz war Lahr mal Mitte der 1990er Jahre auf dem jugendlichen Techno-Festival „Nature One“ aufgetreten, obwohl harter Techno nicht wirklich das künstlerische Tätigkeitsfeld der Lahr zu sein scheint. Als akustische Zugabe spielten Lahr und Sperrfechter im Kulturhaus die DePhazz-Nummer „Good Boy“.