Käfertal

Käfertal Interkulturelles Haus Mannheim in Franklin vereint mehrere Migrantenorganisationen und Kulturvereine unter einem Dach

Vielfalt im neuen Wohnquartier

Migranten in Mannheim haben seit Kurzem eine zentrale Anlaufstelle. Im September eröffnete in einem Trakt der ehemaligen Elementary School in Benjamin Franklin Village das Interkulturelle Haus Mannheim (IKHM). Vor Ort ist man aber schon seit März. Träger ist der gleichnamige Verein, der sich 2017 gegründet hat. Im neuen Domizil will man die Kräfte bündeln, gemeinsame Aktionen koordinieren und den Mitgliedern einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und in den Arbeitsmarkt ermöglichen.

„Wir sind ganz schön bunt“, stellt Baren Alpayci fest. „Wir sind Migranten, die sich als Mannheimer verstehen. Wir stehen für die Vielfalt in Mannheim als offener Ort.“ Sieben Migrantenorganisationen und Kulturvereine gehören zu den Gründungsmitgliedern des IKHM. Weitere Vereine haben Interesse an einem Beitritt bekundet. Die Idee, sich zusammenzutun, reifte in den vergangenen zwei Jahren. Es gab keinen gemeinsamen Ort, wo man sich treffen und austauschen konnte. „Jeder hat seine eigene Vereinsarbeit gemacht“, berichtet Alpayci.

Sie arbeitet beruflich als Verwaltungsfachangestellte. Die zweite Vorsitzende, Anelia Doeva-Neumüller, ist in einem Steuerbüro tätig. Die beiden lernten sich über die Bildungsarbeit kennen. „Wir haben Räumlichkeiten im Stadthaus genutzt und uns immer nur den Schlüssel übergeben“, berichtet Baren Alpayci. Irgendwann sei man ins Gespräch gekommen und die Idee gereift, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Abbau von Vorurteilen

Baren Alpayci erhofft sich von dem Zusammenschluss auch Synergieeffekte. Alle Vereine hätten ähnliche Projekte – unabhängig von ihrer eigenen kulturellen Identität. Auf dieser Ebene könne man Expertise bündeln. Es geht dem Vorstand aber auch darum, gegenseitige Vorurteile abzubauen, sich einander zuzuwenden und im gemeinsamen Dialog mehr zu öffnen. „Man hat nur davor Angst, was man nicht kennt“, bringt es Baren Alpayci auf den Punkt.

Neben Bildung, wie Sprachkursen oder auch der Unterstützung von Kindern aus sozial schwachen Familien durch Nachhilfeprojekte, betreibt das IKHM klassische Integrationsarbeit, wie beispielsweise der Eriträische Verein in seinem Projekt „Angekommen in Deutschland“. Das so genannte Empowerment vermittelt Mitgliedern Kenntnisse über Projektorganisation. Ein weiterer Schwerpunkt sind interkulturelle Begegnungen. Das IKHM versteht sich als Treffpunkt für alle. „170 verschiedene Nationen können sich hier ganz unkompliziert begegnen“, wirbt Baren Alpayci, „es bilden sich auch Freundschaften“.

Zur Eröffnung schaute Oberbürgermeister Peter Kurz persönlich vorbei und unterstrich die Einzigartigkeit des ausschließlich von Migranten betriebenen interkulturellen Projekts. Dadurch trage das IKHM zu einer aktiven Nachbarschaft bei und sei ein wichtiger Akteur für das neue Quartier Franklin. Das IKHM hat inzwischen auch bundesweit Beachtung gefunden. Nur drei Tag nach der Eröffnung wurde das Projekt zusammen mit der Stadt Mannheim im Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ ausgezeichnet. Der Preis in Höhe von 15 000 Euro ging an Mannheim und das IKHM, weil es hier vorbildlich gelungen sei, Migration und Entwicklungspolitik lokal zu vernetzen.

Kooperationspartner des IKHM ist hier das in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Zentrum für globales Lernen. Im Fokus stehen Themen wie Nachhaltigkeit, Leben in Vielfalt oder Entwicklungspolitik. „Uns ist wichtig, dass Migranten Bildungsarbeit leisten können“, beschreibt Bildungsreferentin Kristina Gruß den Ansatz. „Sie sollen Expertise und Erfahrungen aus aller Welt in unsere Workshops tragen.“ Vermieter der Räumlichkeiten in Franklin ist die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP. „Wir stehen mit allem in gutem Kontakt“, berichtet Daniela Reif. „Wir versuchen, Projekte anzustoßen und schauen, ob es funktioniert, um Menschen zusammenzubringen.“ Zentraler Treff im neu entstehenden Wohnquartier ist die mobile „Wohnbar“, die jeden ersten Donnerstag im Monat an einem anderen Ort öffnet.