Käfertal

Käfertal Malte Lück aus Köln begibt sich mit seiner Ausstellung „Menschenland – Erdgedächtnis“ auf Spurensuche durch die Evolution

„Was wir aufbauen, ist sehr sensibel“

Archivartikel

In der evangelischen Philippuskirche liegt eine schwarze umgestürzte Straßenlaterne, die immer noch ein geheimnisvolles grelles Licht ausstrahlt. Außerdem steht weiter vorne in dem Gotteshaus ein beigefarbenes Zelt, seine wallende Plane spannt sich über einem stabilen Metallpfeiler. Rechts neben dem Altar stülpt sich eine kleine Glasglocke über zwei antike Münzen. „Irgendwo muss ja die Kraft herkommen, Licht ist ein starkes Medium“, erklärte Kunstmacher Malte Lück bei der Eröffnung seiner Ausstellung.

Mit seinen aktuellen Exponaten zeichnet der Kölner Allround-Künstler, der bis zum 22. November unter dem Titel „Menschland – Erdgedächtnis“ die Philippuskirche bespielt, die soziale und kulturelle Entwicklung der Menschheit nach. Wie der Zufall manchmal spielt, lieferte die Situation einen unerwarteten Kommentar zu der neuen Installation in der Käfertaler Philippuskirche: Bei der Ausstellungseröffnung, als Malte Lück und Pfarrer Gerd Frey-Seufert gerade eine Einführung hielten, fiel plötzlich das aufgestellte Zelt polternd um.

„Das Zelt ist umgefallen, besser geht’s gar nicht“, urteilte Malte Lück. „Was wir Menschen aufbauen, ist sehr sensibel. Das Zelt hat sich selbständig gemacht, das werden wir gleich wieder aufrichten.“ Für verhaltene Begleitmusik sorgte im Hintergrund Pianist Eckhard Stadler mit klassischen Improvisationen. „Gehen Sie ein bisschen herum, schauen Sie“, ermutigte Pfarrer Frey-Seufert die Besucher.

Von Kunst beseelt

Links des Altars lässt sich eine stoffliche Abformung des Körpers von Künstler Malte Lück entdecken, ein mannsgroßer hohler Korpus aus getrocknetem Gips und Bauschaum, der aufgeplatzt auf dem Boden liegt. Wie der zerbrochene kalkweiße Kokon eines überdimensionalen Schmetterlings, der sich aus seiner rauen Verpuppung befreit hat.

Daneben liegt ein schwarzer Hirtenstock, der aus seiner Spitze helles Licht aussendet. „Licht ist existenziell, ohne Licht wäre alles dunkel“, schilderte der Künstler. Der 45-Jährige ist Diplom-Architekt, doch Architektur, erzählt er, sei ihm zu unbeseelt gewesen: „Ich habe mehr Beseeltes gesucht“.

Unter dem Publikum verteilte Lück ein pechschwarzes Comic-Heftchen, in dem zwei dürre weiße Strichmännchen die Evolution der Menschheit nachstellen, vom ersten Lagerfeuer über die frühe Besiedlung mit Häusern bis zur sozialen Entfremdung und Vereinzelung zwischen den Menschen der Gegenwart. Zusätzlich kommentierten Malte Lück und Pfarrer Gerd Frey-Seufert die zunehmende Bedeutungslosigkeit des Mediums Fotografie durch die gigantische Bilderflut im Internet und die penetrante Allgegenwärtigkeit des digitalen Ablichtens mit der breitenwirksamen Smartphone-Kamera. „Ich kann in kein Restaurant mehr gehen, ohne dass um mich herum fotografiert wird“, bedauerte Frey-Seufert. „Die profanste Spaghetti Bolognese wird fotografiert.“ Und Kreativarbeiter Malte Lück analysierte: „Wir können nicht mehr filtern, welche Bilder uns berühren.“ In einer hinteren Ecke der Philippuskirche steht zudem ein weißer Apple-Computer, auf dem ein stummer Videoclip läuft, der eine Aktion von Lück zeigt, in der sich der Kölner den Kopf mit grauem Ton abformen lässt. hfm