Käfertal

Käfertal/Im Rott Vier Neu-Bewohnerinnen bekennen sich zu ihrem Stadtteil, vermissen aber fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeiten / Großes Nachbarschaftsfest

„Wir fühlen uns alle wohl hier im Rott“

Archivartikel

Anne Hütten, Andrea Roscher, Ingeborg Simon und ihre Tochter Luise haben eines gemeinsam - sie wohnen erst seit kurzem im Rott. Am 8. September veranstalteten sie in ihrer Wohnanlage, bestehend aus vier Blocks, ein Nachbarschaftsfest mit 60 Bewohnern. Deutsche, Russen, Türken, Spanier und Peruaner saßen fröhlich an Tischen und Bänken beisammen. Bis weit nach Mitternacht wurde gefeiert. Initiiert hatte die Party Frank Ewald, „und wir waren uns in einer Sache einig“, erzählt Ingeborg Simon: „Wir fühlen uns alle wohl hier im Rott.“

Andrea Roscher und Anne Hütten zogen aus Viernheim ins Rott, Familie Simon kam vor einem Jahr aus Wallstadt hierher. Andrea Roscher hatte sich eigentlich nicht vorstellen können, in einen Wohnblock zu ziehen, bereut ihre Entscheidung aber nicht. „Man hat die Bäume direkt vor dem Balkon und dadurch immer etwas Grünes“, schwärmt sie. Heizen tut sie in dem Neubau das ganze Jahr über nicht. „Nur im Badezimmer mache ich im Winter die Heizung an“, erzählt sie. Anne Hütten mag die Licht durchfluteten Räume und die Fahrstühle, die bis in die Tiefgarage gehen. Überhaupt hätten die großen Häuser alle Tiefgaragen. „Die meisten Autos verschwinden komplett unter der Erde.“

Vielfalt der Menschen

Ingeborg Simon findet die Umgebung toll. „Man ist sofort draußen im Grünen.“ Anne Hütten fühlt sich auch abends sicher im Quartier. „Es ist alles gut beleuchtet hier“, erzählt sie. „Man kann ohne weiteres nachts mit der Straßenbahn aus der Innenstadt heimkommen, ohne sich bedroht zu fühlen.“ Überhaupt sei die ÖPNV-Anbindung an die Innenstadt hervorragend: „So wenig Auto gefahren bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht, wenn ich nur in die Stadt wollte.“ Simon liebt die Vielfalt der Menschen im Rott: „Das ist Mannheim pur.“ Doch was den Damen fehlt, sind Einkaufsmöglichkeiten. Seit der Edeka im Juni geschlossen hat, gibt es außer der Bäckerei kein Lebensmittelgeschäft mehr im Rott. Im September hätte eigentlich ein Cap-Markt eröffnen sollen – Fehlanzeige. „Um mal etwas Frisches hier zu erwerben, das ist schon schwer“, sagt Anne Hütten. Es müsse ja nicht gleich ein Edelsupermarkt sein, ein kleiner Obst- und Gemüseladen genüge völlig – oder regelmäßig ein paar Wochenmarktstände auf dem Marie-Bernays-Platz. Auch eine Gastronomie, wo man hin und wieder ein Gläschen Wein trinken könnte, wäre ganz nach dem Geschmack der Damen. Die Pizzeria und der Dönerladen können das nicht bieten. Ansonsten gibt es noch die Allianz-Agentur, eine Änderungsschneiderei, einen Frisör, ein Schreibwarengeschäft, eine Apotheke und einen ambulanten Pflegedienst. „Es fehlt einfach was“, stellt Andrea Roscher fest, und Anne Hütten ergänzt: „Wir verhungern nicht, aber man muss immer etwas betätigen, wenn man einkaufen gehen möchte – entweder das Auto, das Fahrrad oder die Bahn.“

Ein Markt, der auch fußläufig erreichbar sei, wäre sehr zu begrüßen. Der Bedarf dafür steigt nach Ansicht der vier Damen. Sie beobachten, dass viele Leute ins Rott ziehen. Gegenüber der Bertha-Hirsch-Schule entsteht das Käfertal-Carée mit 90 Wohneinheiten. Auch die Randbebauung auf Spinelli werde zusätzliche Bewohner bringen.