Käfertal

Käfertal Beim Gottesdienst anlässlich 625 Jahre Unionskirche beschwören Kyra Seufert und Gerd Frey-Seufert den Mut zu Veränderungen

Wolltuch verhüllt den Altar

Im Jubiläumsjahr 2018 spielen drei Zahlen eine zentrale Rolle in Bezug auf die evangelische Unionskirche, nämlich 625, 300 und 70: Vor 625 Jahren wurden Kirche und Turm erstmals urkundlich belegt, vor 300 Jahren erhielt der Turm seine heutige Gestalt und vor 70 Jahren wurde das während des Zweiten Weltkriegs zerbombte und ausgebrannte Gotteshaus nach dem Wiederaufbau neu geweiht. Mit einem ökumenischen Gottesdienst feierte das Pfarrerehepaar Kyra Seufert und Gerd Frey-Seufert mit Diakon Michael Balbach dieses dreifache Jubiläum.

Symbol für soziale Bindungen

Anlässlich des Jubiläums verhüllte die Darmstädter Künstlerin Marie-Luise Frey-Jansen den Altar mit einem grasgrünen Tuch aus Schafswolle, wobei sich das Tuch bis zum ersten Advent stofflich weiterentwickeln und zusätzliche Fäden erhalten soll. „Dieser Altar soll weitergesponnen werden, wir alle schreiben Geschichte im Leben – ob wir auf einem Thron sitzen oder meinen, ein kleines Rädchen im Getriebe zu sein“, erkannte Gerd Frey-Seufert in dem grünen Künstlertuch mit seinen wachsenden Fäden eine Metapher für soziale Verbindungen. Genauso wie die Unionskirche im Laufe der Zeit mehrere Bauphasen durchlaufen habe. Deshalb steht die Installation von Marie-Luise Frey-Jansen unter der Überschrift „Werde – Verde“, dieses noch unvollendete Exponat wird allmählich zur Vollendung gelangen. Außerdem steht „Verde“ für die Farbe Grün.

An dem Festgottesdienst nahm der „Chor d’accord“ unter der Leitung von Dirigentin Song-Yi Lee teil. An der Kirchenorgel spielte Meike Nagler. Der Ältestenkreis und die beiden Pfarrer bedankten sich besonders bei Marlise Fröhlich, deren Spende die Kunstaktion erst ermöglicht hatte. Mit ihrem Namen Unionskirche stehe das Gotteshaus im Stadtteil Käfertal „für Einigung und die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen“, sagte Gerd Frey-Seufert. Zwischendurch erinnerte Kyra Seufert an das weiße Leinentuch, das früher links neben dem Altar an der Wand hing, jedoch mittlerweile nicht mehr auffindbar ist. „Kann sich noch jemand von ihnen daran erinnern? Weiß noch jemand, was darauf stand?“, erkundigte sich die Pfarrerin. Auf diesem Leinentuch sei der biblische Spruch zu lesen gewesen: „Du sollst das Recht des Fremdlings nicht beugen“.

Während seiner Predigt erzählte Gerd Frey-Seufert von einem Jungen namens Emil, einem Siebenjährigen, der vor einem Monat eine Kinder-Demonstration gegen den grassierenden Smartphone-Wahn der Erwachsenen im Hamburger Stadtteil St. Pauli veranstaltete. Rhetorisch schlug Frey-Seufert einen Bogen zu dem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. „Wir brauchen solche Geschichten, die in unserer Welt Mut machen und stärken. Veränderungen sind möglich“, schilderte der Pfarrer. „Wir brauchen Hoffnungsgeschichten. Vieles liegt in unserem Land im Argen.“

Nach dem Gottesdienst moderierte das Pfarrerpaar eine Fragerunde zwischen Verhüllungskünstlerin Marie-Luise Frey-Jansen und den Gottesdienstbesuchern in Bezug auf den grasgrün dekorierten Altar. „Mir ging es darum, die Sichtweise auf den Altar zu verändern, neu zu schaffen“, erläuterte die Kulturschaffende. Den Nachmittag über wurden zum Jubiläum verschiedene Führungen in der Unionskirche angeboten.