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Als die Mauer fiel ...

In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurde vor 30 Jahren die Grenze zwischen der DDR und Westdeutschland geöffnet – ein Missverständnis hatte an diesem Abend den Fall der Berliner Mauer ermöglicht.

Fritzis beste Freundin, Sophie, fährt in den Sommerferien 1989 in den Urlaub – und kommt nicht wieder. Fritzi muss in der DDR auf Sophies Hund Sputnik aufpassen, während ihre beste Freundin ohne ihre Kenntnis nach Westdeutschland flieht. Das ist die Geschichte des Zeichentrickfilms „Eine Wendewundergeschichte“, der gerade in Kinos läuft.

Wusstet ihr, dass sich der Film auf Ereignisse bezieht, die vor 30 Jahren wirklich so passiert sind? Am 9. November 1989 ist nämlich die Berliner Mauer „gefallen“. Wobei sie nicht wirklich „gefallen“ ist. Tatsächlich wurden nur Grenzposten entlang der Mauer geräumt. Aber was hatte es mit der Berliner Mauer überhaupt auf sich?

Als das Deutsche Reich 1945 den Zweiten Weltkrieg verloren hatte, teilten die Alliierten – also die Siegermächte – Deutschland auf. Die USA, Frankreich und Großbritannien besetzten Westdeutschland, die Sowjetunion Ostdeutschland. Berlin teilten sie ebenfalls auf – Ostberlin bekam die Sowjetunion, den Westen die übrigen drei Alliierten als Besatzungsmacht. Die Sowjetunion gibt es heute nicht mehr. Ein großer Teil davon ist heutzutage Russland.

In Berlin prallten durch die Besatzung zwei unterschiedliche Gesellschaftssysteme aufeinander: Die USA, Frankreich und Großbritannien waren kapitalistisch. Das bedeutet, ganz vereinfacht gesagt, dass jeder Einzelne die Freiheit hat, sich bestmöglich zu entwickeln. Dagegen war die Sowjetunion kommunistisch. „Alle Menschen sind gleich und alles gehört allen“, heißt das.

Zwei deutsche Staaten

Die Westalliierten und die Sowjetunion waren so etwas wie Erzfeinde – was sich auch auf die Besatzung ausgewirkt hat. Andauernde gegenseitige Provokationen führten dazu, dass westdeutsche Politiker 1949 die Bundesrepublik Deutschland gründeten – zu der Ostdeutschland nicht gehörte. Stattdessen gründeten ostdeutsche Politiker die Deutsche Demokratische Republik, kurz: DDR. Deutschland war plötzlich in zwei Staaten geteilt.

Während sich die Bundesrepublik wirtschaftlich stabilisierte, ging es der Wirtschaft in der DDR schlecht. Hunderttausende DDR-Bürger flohen deshalb unter Lebensgefahr nach Westdeutschland. Für die schwache Wirtschaft der DDR hatte der Verlust von gut ausgebildeten jungen Leuten Folgen: Die Wirtschaft wurde immer schlechter, was den Weiterbestand der DDR gefährdete. Aus diesem Grund riegelte die Regierung 1952 die Grenze nach Westdeutschland mit Zäunen ab.

Trotzdem schafften es Menschen immer wieder zu fliehen. Besonders die Grenze in Berlin war löchrig. Deshalb entschied die DDR-Regierung, im August 1961 eine Mauer mitten in die Stadt zu bauen – die Berliner Mauer. Und das, obwohl einen Monat zuvor Walter Ulbricht, das Staatsoberhaupt der DDR, gesagt hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Fortan verlief um West-Berlin herum eine riesige Mauer und schnitt den Teil von der DDR ab.

Weil es den Menschen in der DDR aber nicht gut ging, und die Regierung sie tyrannisierte und überwachte, versuchten noch immer viele zu fliehen. „Republikflucht“ hieß das – und war verboten. Soldaten an der Mauer hatten Befehl, auf Menschen zu schießen, die den Versuch unternahmen zu fliehen. Zwischen 136 und 245 Menschen starben so von 1961 bis 1989 in Berlin.

Im Sommer 1989, also zu der Zeit, in der „Eine Wendewundergeschichte“ spielt, demonstrierten hunderttausende DDR-Bürger gegen die Diktatur. Jeden Montag gingen sie auf die Straße und verlangten eine andere Politik. Viele sind in dieser Zeit über Ungarn, die Tschechoslowakei und Österreich in den Westen geflohen – so wie auch Sophie.

Schließlich war es ein Missverständnis, das die Mauer öffnete. Ein Vertreter der DDR-Regierung, Günter Schabowski, sagte auf einer Pressekonferenz, dass alle Bürger „sofort“ nach Westdeutschland reisen dürften. Er war nicht richtig informiert worden, denn eigentlich sollte diese Regel erst ein paar Tage später gelten. So aber kamen Tausende Menschen an die Grenze, wo Soldaten völlig überfordert waren. Schließlich öffnete ein Grenzposten ohne Befehl seine Schranke – und die Mauer war offen.

Der Fall der Mauer bedeutete, dass die beiden deutschen Staaten später wiedervereinigt wurden. Auch deshalb ist der 9. November ein historischer Tag.

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