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Ausmisten gehört dazu

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Ihr liebt Pferde über alles und wollt am liebsten jeden Tag reiten wie die Helden aus Bibi & Tina oder Wendy? Doch wer Pferdewirt werden möchte, den erwartet durchaus harte Arbeit.

Katharina Grupen ist ein Pferdemädchen. Die 20-Jährige reitet „schon immer“, wie sie sagt. „Meine Eltern haben mich aufs Pferd gesetzt, bevor ich überhaupt laufen konnte.“ Aufgewachsen in einer Familie, in der Mutter und Vater professionelle Reiter waren, hatte sie bereits mit acht Jahren ihr erstes eigenes Pony. Seit 2016 gehört Grupen zum Bundeskader für Vielseitigkeitsreiten und gewann 2017 Team-Gold bei der Junioren-EM.

Ein Praktikum im Sportstall von Vielseitigkeitsreiter Andreas Dibowski gab dann den Ausschlag, die duale Ausbildung zur Pferdewirtin beim Bundesstützpunkt in Warendorf anzufangen. Azubis der Fachrichtung Klassische Reitausbildung sorgen für die Grundausbildung junger Pferde und bilden Reiter in verschiedenen Disziplinen aus.

Nachwuchs gesucht

Angehende Pferdewirte können zwischen vier weiteren Fachrichtungen wählen. Neben Pferdezucht, Pferderennen und Spezialreitweisen ist Pferdehaltung und Service mit Abstand am beliebtesten, sagt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Mit Reiterhöfen und Pensionsbetrieben gibt es hier auch die meisten Betriebe, die eine solche Ausbildung anbieten.

Somit entscheidet bereits die Wahl des Ausbildungsbetriebs über die Fachrichtung. Um im Bereich Pferderennen, beispielsweise im Trabrennsport, ausgebildet werden zu können, müssen Azubis etwa einen Betrieb finden, der auf den Rennsport spezialisiert ist.

Azubis werden in der Branche gesucht. Männer sind unter den Pferdewirten Mangelware. „Das ist eindeutig ein Frauenberuf“, stellt Markus Bretschneider mit Blick auf die Zahlen von 2018 fest. Von 741 neu eingestellten Azubis waren 654 Frauen.

Gute Schulzeugnisse sind laut Scharmann von Vorteil. Ein Pferdehof sei heute vor allem ein Dienstleistungsbetrieb. Grundlegende Mathekenntnisse und ein solides Zahlenverständnis helfen bei Berechnungen von Futtermengen und Bestellungen.

Gefühl für das Tier

Zusätzlich sollten Azubis ein hohes Maß an Pferdeverständnis mitbringen, findet Grupen. „Am allerwichtigsten ist das Gefühl fürs Pferd“, stimmt Markus Scharmann zu, Vorstand in der Bundesvereinigung der Berufsreiter im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband.

Für die Fachrichtung klassische Reitausbildung, bei der die Auszubildenden täglich junge Pferde trainieren, ist gutes Reitvermögen zwingende Voraussetzung. Ein eigenes Pferd braucht man allerdings nicht, meint Grupen, und möchte mit einem Irrtum aufräumen.

Sicher ist der Beruf nichts für Couch-Potatoes. Das tägliche Pensum unterscheidet sich stark von dem, was Freizeitreiter womöglich gewohnt sind. Pferdewirte kommen nicht nur am Wochenende oder für ein paar Reitstunden auf den Hof. Sie müssen jeden Tag die Pferde versorgen, die Boxen misten, den Hof sauber halten, die Futterkammer auffüllen und die Tiere auf die Weiden und zum Auslauf bringen.

Dazwischen steht regelmäßiges Training in der Halle und auf dem Platz an. In Grupens Fachrichtung müssen mehrere Pferde täglich geritten und ausgebildet werden. Daneben lernen die Auszubildenden, selbst Reitunterricht zu geben. Bei dem hohen Arbeitspensum ist selbst für den hartgesottensten Pferdenarr das Reiten nicht immer nur Spaß.

Scharmann erklärt, dass der Beruf des Pferdewirts ein anstrengender Job ist, für den eine gute körperliche Grundfitness nötig ist. Markus Bretschneider betont, dass viele junge Leute falsche Vorstellungen von dem Beruf haben. Oft seien sie dann vom Umfang der harten körperlichen Arbeit und den nicht immer freizeitfreundlichen Arbeitszeiten überrascht. Pferdewirte arbeiten nämlich auch dann, wenn andere frei haben – am Wochenende oder am späten Abend.

Praktikum machen

Einen Tipp möchte Grupen angehenden Azubis geben: „Ich würde jedem wärmstens empfehlen, einmal in einen Betrieb reinzu-gucken und da ein Praktikum zu machen.“ So kann man den Berufsalltag kennenlernen.

Scharmann, der selbst eine Ausbildung zum Pferdewirt absolviert hat, ist sicher, dass sich die Arbeit im Idealfall nicht wie Arbeit anfühlt. Man dürfe sich nur vor dem Pensum nicht scheuen. Dafür bekäme man auch etwas zurück. Grupen stimmt ihm zu: „Ich habe unheimlich Spaß daran, zu sehen wie die jungen Pferde sich entwickeln, wie sie von Tag zu Tag lernen. Und vielleicht ein paar Jahre später auch zu sehen, was aus ihnen geworden ist.“ dpa