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Blutsauger im Wald

Archivartikel

Sommerzeit ist Zeckenzeit. Vorsicht ist angebracht, denn die kleinen Tierchen wissen ganz genau, wo sie sich auf dem Körper am besten verstecken. Über gefährliche Krankheiten, neue Arten und einfache Tipps zur Abwehr.

Sie lauern auf Wiesen und Wäldern und warten nur darauf anzugreifen: Zecken. Die kleinen Tierchen sind ziemlich clever und befinden sich überall, wo es Pflanzen gibt. Besonders gern sitzen sie im hohen Gras, im Unterholz und auf bodennahen Pflanzen. Wenn zum Beispiel deine Hose den Grashalm streift, klammert sich die Zecke an den Stoff und krabbelt darunter. Dort sucht sie sich eine möglichst geschützte Stelle am Körper aus, wo sie nicht leicht entdeckt und herausgerissen werden kann – und sticht zu.

Ihre Lieblingsverstecke: der Haaransatz, hinter den Ohren, unter den Achseln, in der Ellenbeuge, im Bauchnabel, in den Kniekehlen, allgemein an behaarten Körperstellen oder sogar unter dem Hosenbund im Hüftbereich. Denn je enger die Kleidung anliegt, desto wohler fühlt sich die Zecke.

Langsam herausziehen

Weil 2019 laut Experten ein Zecken-Rekordjahr werden könnte, ist es umso wichtiger, sich nach jeder Wandertour oder anderen Aufenthalten im Freien abzutasten. Und bis das kleine Tierchen eine geeignete Stichstelle gefunden hat, vergeht etwas Zeit. Durch gründliches Absuchen kann die Zecke also bereits vor dem Stechen entfernt werden. Ein Tipp: Helle Kleidung hilft die Tierchen schneller zu sichten.

Lange Hosen und Oberteile, dazu geschlossene Schuhe – das ist laut dem Deutschen Roten Kreuz (DLR) die beste Zecken-Abwehr. Sprays und Co. können ebenfalls helfen, müssen aber regelmäßig erneuert werden und ihre Wirkung verfliegt bereits nach ein bis zwei Stunden.

Falls die Zecke es trotzdem geschafft hat zuzustechen, darf man nicht in Panik geraten und vor allem nicht versuchen, das Tierchen zu quetschen oder zu drehen. Mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange aus der Apotheke wird das Tier am Mundwerkzeug, also möglichst nah an der eigenen Haut, angepackt, dann langsam und senkrecht herausgezogen. Mit einer Zeckenkarte wird der V-förmige Ausschnitt an die Zecke geschoben und langsam herausgehebelt.

Dann sollte man die Haut gut im Auge behalten. Bildet sich rund um den Stich ein roter Kreis, die Wanderröte, geht man am besten zum Arzt. Gleiches gilt, wenn Symptome wie ein starker Juckreiz, Fieber oder Kopfschmerzen auftreten. Das kann ein Hinweis auf durch Zecken übertragene Krankheiten sein.

Ja, ein Zeckenstich kann zwar harmlos verlaufen. Spätestens nach neun Tagen ist das Tierchen so sehr mit Blut vollgesaugt, dass es von selbst abfällt. Ein Stich tut auch nicht weh, kann aber sehr gefährlich werden. Denn wie schon oben erwähnt, können Zecken Krankheiten, wie die „Frühsommer-Meningo-Enzephalitis“(FSME) oder Borreliose übertragen. Bei FSME kann sich das Gehirn entzünden, im schlimmsten Fall kann man daran sterben. Die gute Nachricht: Gegen FSME gibt es eine Impfung. Wer also in Risikogebieten lebt – wie Bayern, Baden-Württemberg, Teile von Hessen, Thüringen sowie einzelne Gebiete im Saarland oder in Rheinland-Pfalz – und viel draußen unterwegs ist, sollte eine Impfung in Erwägung ziehen.

Borreliose dagegen kann das Herz schädigen und Lähmungen hervorrufen. Die Erreger brauchen aber sehr lange, um nach einem Stich in den menschlichen Körper zu gelangen. Deshalb gilt auch hier: die Zecke so schnell wie möglich von der Haut entfernen. Sind sie doch in den Körper gelangt, so können sie mit Antibiotika, also starken Medikamenten, behandelt werden.

Neben der regulären einheimischen Zecke könnte sich in diesem Jahr in Deutschland die tropische Hyalomma-Zecke stärker ausbreiten: Laut Experten hat sie zum ersten Mal hier überwintert und wurde von Zugvögeln angeschleppt. Sie ist viel größer als die heimischen Arten – ihr Biss bleibt daher vermutlich seltener unbemerkt. Die Tipps sind laut DRK aber dieselben: Langsam herausziehen, auf Symptome achten und im Zweifel zum Arzt gehen. (mit dpa)