Kindernachrichten

„Das braucht Hunde-Mut“

Archivartikel

Auch Tiere sind Schauspieler und stehen für Filmaufnahmen vor der Kamera. Nur: Wie lernen die Vierbeiner, was sie machen sollen? Natürlich von ihren Lieblingsmenschen – wie Kalle von seiner Trainerin Renate Hiltl.

Cookie spitzt die Ohren und ist ganz aufmerksam. Plötzlich schlägt eine Filmklappe. Der Parson Russell Terrier schnappt sich sofort einen kleinen Hammer und klettert geschickt auf das Dach einer alten Waldhütte. Und das war’ s auch schon. Abgedreht!

Genauso steht diese Szene im Drehbuch und wird später im Fernsehen zu sehen sein. Filmtiertrainerin Renate Hiltl ist mit diesem Ergebnis sehr zufrieden, hat für Cookie, der im wirklichen Hunde-Leben Kalle heißt, ein Leckerli bereit, streichelt und lobt ihn. Wie hat die Filmtiertrainerin Kalle so etwas überhaupt beigebracht?

Lob und Leckerli

Renate Hiltl kann alles genau erklären: „Unsere Arbeit beginnt schon mit einem Welpen. Wir nehmen uns zwei Jahre Zeit, um mit dem Hund zu trainieren. Er lernt in dieser Zeit andere Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, kennen, wird mit ihnen vertraut gemacht.“

Frühestens mit einem Jahr beginnt dann die Ausbildung zum Filmhund. Als erstes lernt das Tier dann das Geräusch einer Filmklappe kennen. Immer wenn es seine Futterschüssel bekommt, wird ganz leise die Klappe geschlagen. So verfahren die Filmtiertrainer mit vielen anderen Gegenständen oder auch Geräuschen, die dem zukünftigen Filmhund später am Filmset begegnen werden. Im Laufe der Zeit werden ihm diese Geräusche dann bekannt vorkommen.

Aber auch Menschen spielen für das junge Tier dann schon eine wichtige Rolle: „Wir bringen den Welpen auch mit Kindern in Kontakt, spielen mit dem Hund, während sich der Junge oder das Mädchen ganz in der Nähe aufhält“, sagt Renate Hiltl. „Klappt das gut, werden kleine Bei-Fuß-Übungen trainiert, und das Kind darf schon mal vorbei rennen oder auch beschnuppert werden.“

Es ist oft schon schwierig, nur mit einem Hund zu drehen, bei der ARD-Kinderserie „Tiere bis unters Dach“ sind es gleich mehrere, denn auch alle vierbeinigen Episodenrollen werden mit den Hunden von Renate Hiltl besetzt.

Eine schwierige Doppelrolle hatte in einer Folge der Berger de Picard Silas, der den Familienhund Brezel darstellt. Er spielte ein nettes Tier und dann einen bösen Hund, der sogar seine Besitzerin biss.

Das sieht später im Film alles sehr einfach aus, ist es aber nicht und bedarf ganz viel Erfahrung: „Je besser sich die beiden, also Hund und Mensch, kennen, desto mehr können sie sich auch vertrauen,“ sagt Renate Hiltl. Das A und O für eine gute Teamarbeit: Mensch und Tier müssen sich mögen und gut zusammenpassen.

Die liebevolle Zusammenarbeit ist da besonders wichtig. „Für einen Fenstersprung haben wir mit dem Australian Shepherd Sam drei bis sechs Monate gebraucht,“ verrät Renate Hiltl, „zuerst lernte der Hund durch einen fensterlosen Rahmen zu springen. Nachdem er dies problemlos konnte, sprang Sam durch Flatterbänder.“

Das sei für ihn schon etwas Ungewöhnliches gewesen, denn immerhin ging es für den Hund durch ein Hindernis, dass sich auch noch bewegte. „Danach übten wir mit Zellglasfolie, die er beim Sprung zerreißen musste. Das braucht Hunde-Mut!“ Zum guten Schluss kam dann Zuckerglas, dass auch bei den Dreharbeiten verwendet wird. „Dies ist für den Hund dann schon Routine, für uns Trainer immer wieder sehr aufregend und dazu noch spannend.“

In der Titelrolle

Noch etwas: Der Terrier Kalle Junior spielte bei den Filmen „Conny & Co“ an der Seite von Emma Schweiger mit. In dem Film „Liliane Susewind“ hieß Kalle dann Bonsai und konnte sogar sprechen. In der Sat.1-Serie „Der Bulle und das Biest“ ist ein Hund von Renate Hiltl sogar in einer Titelrolle zu sehen. In dem Kinofilm „Kalte Füße“ und in der ARD-Kinderserie „Racke – ein Hund für alle Fälle“ haben die Tiere von Renate Hiltl ebenfalls ihre kleinen und großen Auftritte.