Kindernachrichten

„Die Nase hat geholfen“

Archivartikel

Erstmals gibt es die kleine Hexe auf der Leinwand zu sehen – verkörpert von Karoline Herfurth. Wie sich das angefühlt hat, und warum Otfried Preußlers 60 Jahre alte Geschichte heute noch bewegt, erzählt die Schauspielerin im Interview.

Die kleine Hexe in Otfried Preußlers gleichnamigen Buch ist noch viel zu jung, um in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg mit allen anderen Hexen tanzen zu dürfen. Dabei möchte sie nichts lieber als das. Was, wenn sie sich doch heimlich auf den Weg macht? Per Besen natürlich, wie es sich für eine Hexe gehört!

Das kann man nun auch in dem Film „Die kleine Hexe“ sehen. Der Streifen ist gerade in den deutschen Kinos angelaufen. Erstmals wurde das vor 60 Jahren erschienene Buch, das so viele Kinder begeistert hat, verfilmt.

Viele Tiere beim Dreh

Mehr als 30 Tiere wirkten bei den Dreharbeiten mit, darunter ein Hund, zwei schwarze Katzen sowie verschiedene Wildtiere: drei Rehe, zwei Eichhörnchen, zwei Hasen, zwei afrikanische Weißbauchigel, ein Laubfrosch sowie 20 Kröten. Auch 110 falsche Nasen und 100 braune Warzen wurden von der Maske für die Hexen verwendet. Karoline Herfurth spielt die kleine Hexe. Im Interview erzählt sie, wie es sich anfühlt, eine Hexe zu sein – und welch wichtige Rolle ihre extralange Nase dabei gespielt hat.

Ist das Leben als Hexe oder als Mensch aufregender?

Karoline Herfurth: Ich liebe mein Leben und finde es sehr aufregend. Das Leben als Hexe ist aber auch sehr aufregend. Denn sie hat es ja auch ganz gemütlich in ihrem Haus, in ihrem Wald mit ihrem Raben. Ich finde beides gleich aufregend.

Wie schwierig ist es, eine Hexe zu spielen?

Herfurth: Ganz viele Kinder kennen das Buch und haben starke Gefühle dazu und Bilder im Kopf. Es ist keine leichte Aufgabe, dem gerecht zu werden. Man möchte natürlich nichts falsch machen in der Rolle. Außerdem bin ich kein Kind, sondern 33 Jahre alt, die kleine Hexe hat das Alter eines 12-jährigen Kindes. Als Erwachsener ist es nicht so einfach ein Kind zu spielen, damit es nicht „kindisch“ und albern wirkt.

Wann haben Sie die kleine Hexe kennengelernt?

Herfurth: Mit drei, vier oder fünf Jahren als Zu-Bett-Geh-Lektüre, vorgelesen von Mama und Papa. Ich bin damit groß geworden und habe es später auch selbst gelesen und in Vorbereitung auf den Film dann noch einmal.

War die Geschichte als Kind angsteinflößend?

Herfurth: Nein, war sie nicht. Man bekommt ja auch Märchen vorgelesen. Kinder können ihre Ängste in die Märchenbilder, wie zum Beispiel Hexen, hinein tun. Und dann werden diese Figuren meistens von den schlauen Kindern besiegt. Damit kann man stellvertretend seine Ängste besiegen. Deshalb sind Märchen ganz wichtig. Im Film fand ich total schön, dass die Hexen zwar beängstigend sind, aber immer mal wieder total lustig, nett und verpeilt.

Was machte für Sie das Projekt besonders?

Herfurth: Die Geschichte war mir sehr wichtig. Es ist auch eine Ehre, weil es deutsche Kulturgeschichte ist. Schön ist auch, dass man herausgelöst ist aus der Realität, man kann ein bisschen übertreiben im Spiel. Ich liebe es, in fantastische Welten einzutauchen. Es macht einfach Spaß.

Wie war es für Sie, täglich in das Hexenkostüm und die Maske zu schlüpfen?

Herfurth: Die Nase war wichtig, denn die verändert viel. Gerade, wenn es darum geht, nicht den Erwachsenen in der Figur zu sehen, sondern ein fantastisches Wesen. Es waren nur drei Millimeter Verlängerung, aber meine ganze Mimik, mein Gesicht und der Körper hatte sich dadurch verändert. Die Nase hat mir extrem geholfen. Ich bin aber auch ständig dagegen gestoßen.

Wie ist es mit Kindern zu drehen?

Herfurth: Ich mag es sehr mit Kindern zu drehen. Ich spiele gern mit ihnen am Set. Ich liebe Spiele, wir haben auch bei den Rico-Oskar-Filmen die ganzen Drehpausen durchgespielt. Erwachsene sind da oft eher genervt.

Ist die 60 Jahre alte Geschichte von Otfried Preußler noch heute zeitgemäß?

Herfurth: Ja, unbedingt. Die kleine Hexe will zu einer Gruppe dazugehören. Spätestens im Kindergartenalter und auch immer wieder im Leben sind wir in dem Konflikt, einen eigenen Wertekatalog gegenüber der Gruppe zu entwickeln. Die kleine Hexe lernt, sich nicht selbst zu übergehen in der Frage was richtig oder falsch ist. Sie ist sehr gerecht, sehr tolerant. Sie vertritt die demokratischen Grundwerte – und es ist gut, wenn Kinder damit aufwachsen.