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Es kommt immer wieder vor, dass Vögel wie Mauersegler sich verletzten. Dann hilft eine besondere Einrichtung in Frankfurt. Jetzt im Sommer ist in der Klinik richtig viel los.

Beim Fliegen verunglückt oder zu schwach zum Abheben: Eine Klinik speziell für hilfsbedürftige Mauersegler in Frankfurt kümmert sich derzeit um rund 200 Pechvögel. Damit ist die Einrichtung voll belegt. Das sei aber nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, sagt Mitarbeiterin Eva Brendel. „Mauersegler sind Sommergäste.“ Pro Jahr kümmert sich die Einrichtung um 700 bis 800 verletzte Tiere.

Junge abgestürzt

Vogelschützer aus Deutschland und anderen europäischen Ländern bringen die Vögel her. Einige sind stark geschwächt oder haben Unfälle erlitten. Ältere Mauersegler verirren sich, wenn sie ihren Nistplatz suchen. Sie brauchen Hilfe, da sie alleine nicht mehr den Weg finden. Andere Mauersegler sind an Augen verletzt. Junge Mauersegler brauchen Hilfe, wenn sie abgestürzt sind.

Die Klinik startete 1994 als kleine Station. In den nächsten Jahren zogen Mitarbeiter und Mauersegler öfter um. Seit 2012 haben sie eine Bleibe im Frankfurter Stadtteil Griesheim gefunden. Auf 180 Quadratmetern verteilen sich die Krankenstationen. Dazu gibt es einen Trainingsraum fürs Fliegen, ein Vogelzimmer mit Futterplätzen, eine Küche, ein Büro und natürlich einen Operationsraum. Die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler unterstützt die Einrichtung mit Spenden.

Die Tiere sind rasante Flieger, die einen Großteil ihres Lebens in der Luft verbringen. Im Frühjahr kehren sie aus Afrika nach Mitteleuropa zurück, um hier zu brüten. Ihre Nester bauen sie gerne in Hohlräumen an Gebäuden. Im Spätsommer machen sich die Vögel dann wieder gen Süden auf.

„Eines der größten Probleme ist es“, sagt Eva Brendel, „dass der Mensch den Mauerseglern immer mehr den Lebensraum nimmt“. Nester würden zugemacht oder bei Bauarbeiten an einem Haus zerstört. Versiegelte Dächer und gut gedämmte Häuser böten zudem keinen Platz mehr, Nester zu bauen.

Gefährlich seien für die Vögel vor allem Baugerüste. Sie versperrten oft die Einflugschneise zu einem Nest, in dem vielleicht schon Junge auf ihre Eltern warten.

Lebensraum schützen

Mitarbeiterin Brendel geht es nicht nur darum, die Vögel zu heilen und zu pflegen. Ihr liegt viel daran, dass die Menschen mehr über die Mauersegler wissen und so mit dazu beitragen, ihren Lebensraum zu schützen und den Tieren zu helfen. Wer etwa einen Mauersegler am Boden findet, sollte ihn keinesfalls, wie oft fälschlicherweise verbreitet, in die Luft werfen: „Es hat schon einen Grund, weshalb er am Boden Halt sucht.“ Am besten sei es, auf fachliche Hilfe zurückzugreifen und einen Tierarzt oder den örtlichen Naturschutz zu rufen. Natürlich könne auch jederzeit die Mauerseglerklinik angerufen werden. dpa