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Gemalte Bilder oder Klicks

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Zeichentrick- und Animationsfilme sehen auf den ersten Blick gleich aus – doch die Herstellung der beiden Techniken unterscheidet sich.

Mickymaus zückt seinen Zauberstab. Die Szene dauert nur wenige Sekunden. Doch dafür haben Zeichner mehr als Hundert Bilder gemalt. So wurden Filme ohne echte Menschen früher gemacht. Heute arbeiten Filmemacher mit Mausklicks und Programmen. Diese beiden Techniken heißen Zeichentrick und Animation. Die Filme und Serien, die damit hergestellt wurden, kennt wahrscheinlich jeder: „Das Dschungelbuch“,“ Cinderella“ oder „Nemo“ und „Toystory“. Doch wie werden die Filme genau gemacht?

Tausende von Bildern

Das kann Frank Noreiks erklären. Er ist Geschäftsführer der Filmtheaterbetriebe Spickert, die das Cineplex und das CinemaxX in Mannheim betreiben. „Zeichentrick wird im Grunde heute gar nicht mehr hergestellt,“ erzählt er. „Früher gab es richtige Zeichenstuben mit vielen Angestellten, die die Bilder gemalt haben.“ Sie mussten sehr viele Bilder malen, denn für eine Sekunde von einem Film, braucht man 24 Bilder, erklärt Frank Noreiks.

Das hat mit Physik zu tun und der Art und Weise, wie das menschliche Auge sieht: Erst ab 24 Bildern pro Sekunde nimmt der Mensch eine fließende Bewegung wahr. Soll beispielsweise dargestellt werden wie Tarzan läuft, dann werden ganz viele Bilder gezeichnet. Diese unterscheiden sich ein bisschen: Auf dem ersten Bild befindet sich sein Fuß noch am Boden. Auf dem nächsten ist es ganz leicht angehoben. Das wird weitergeführt, bis genug Zeichnungen für eine Bewegung vorhanden sind. „Es war extrem aufwendig einen 90 Minuten langen Film zu produzieren. Für einen Spielfilm von dieser Länge werden 129 600 Zeichnungen benötigt“, rechnet Frank Noreiks vor. Diese Bilder werden dann fotografiert und später auf Filmrollen elektronisch hintereinander abgespielt, so dass ein laufendes Bild entsteht, erklärt der Kinobetreiber. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Daumenkino. Schon vor mehr als 100 Jahren gab es erste Versuche, solche Filme herzustellen. Vor ungefähr 100 Jahren wurde dann der erste Zeichentrickfilm vorgeführt – über einen Dinosaurier, sagt Frank Noreiks. Die Figur Mickymaus von der Produktionsfirma Walt Disney ist die erste bekannte Zeichentrickfigur mit Ton. Auch „Das Dschungelbuch“ und „1001 Dalmatiner“ sind gezeichnete Filme. Walt Disney produzierte sie ebenfalls. Die Studios waren laut Noreiks unter den besten beim Zeichentrick.

Vor ungefähr 20 Jahren kam dann der Wechsel zum Animationsfilm. „Das ist ähnlich wie Zeichnen auf Papier“, erklärt der Kinobetreiber. Mit speziellen Programmen malen die Zeichner die Bilder am Computer. „Einzelne Teile des Films werden am PC berechnet“, sagt Noreiks. „Bei der Animation muss das Motiv nicht immer neu gezeichnet werden.“ Die Computerprogramme nehmen den Menschen also Arbeit fürs Zeichnen ab. „Toystory“ war einer der ersten bekannten Filme, die mit dieser Technik hergestellt wurden. Die Produzenten von Animationsfilmen erstellen die Hauptfiguren zuerst in Schwarz-Weiß. Später werden sie dann am Computer mit Farbe gefüllt und Hintergründe, wie beispielsweise ein Urwald, werden eingefügt. Meistens orientieren sich die Animationen an der Realität. Oft werden aber bei Tieren die Augen größer gemacht, so wirken sie niedlicher, verrät Frank Noreiks.

Die Entwicklung von Zeichentrickfilmen zu Animationsfilmen war nur möglich, weil die Technik weiterentwickelt wurde. Das Verfahren mit der Computeranimation bietet mehr Möglichkeiten als die ältere Technik.