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Häuser auf Stelzen

Archivartikel

Vor mehreren tausend Jahren stellten die Menschen Häuser auf lange Holzpfähle und bauten sie so zum Beispiel mitten in einen See. Am Bodensee kann man sich solche Häuser anschauen.

Auf den ersten Blick kann man sie meist gar nicht erkennen. Sie verstecken sich tief im Moor, im Torf oder im Sumpf. Für andere muss man sogar mehrere Meter tief zum Seeboden hinabtauchen. Was es dort zu entdecken gibt? Geheimnisvolle dunkle Holzstämme, die aus dem Schlamm ragen. Doch das sind nicht einfach irgendwelche Holzpfähle. Sie sind zum Teil über 6000 Jahre alt, Fachleute nennen sie prähistorisch. Die Holzpfähle sind die Überreste uralter Wohngebäude.

Im Bodensee, ganz im Süden Deutschlands, kann man solche uralten Holzpfähle entdecken. Dort gibt es auch ein Museum. Es zeigt, wie die Gebäude einmal ausgesehen haben könnten: kleinere und größere Hütten, die auf dicken Holzpfählen im Wasser stehen und über Brücken und Stege miteinander verbunden sind. Wer ans Ufer wollte, musste wohl meist mit einem Einbaum-Boot dorthin paddeln.

Schutz vor Hochwasser

Die ersten Überreste der Bauten wurden vor rund 170 Jahren entdeckt – eine große Sensation. „Es war klar, dass es die Wohnüberreste früherer Menschen sein müssen. Doch man wusste nicht, von welchen Menschen“, erzählt Gunter Schöbel. Er leitet das Pfahlbau-Museum in Unteruhldingen am Bodensee.

Man rätselte damals, ob es vielleicht Überreste der Römer oder der Kelten sein könnten oder vielleicht von den Kelten. Dann fand man aber unter anderem Pfeilspitzen, Werkzeug und sogar Reste von Kleidung. Im Seeboden war das alles erhalten geblieben. „Das war wie eine Zeitkapsel. Und da wurde klar, dass die Überreste aus einer viel früheren Zeit stammen müssen“, erzählt der Fachmann.

Doch warum bauten die Menschen vor vielen tausend Jahren ihre Häuser überhaupt auf dem Wasser? Vermutlich wollten sie sich schützen, vor Feinden oder auch wilden Tieren. Aber sie schützen sich wohl auf diese Weise auch vor dem Wasser selbst. Denn in einem See ist mal viel Wasser, mal weniger. So standen die Häuser zeitweise direkt im Wasser und zeitweise im Trockenen. Hätten die Menschen sie stattdessen am Ufer gebaut, wären sie bei Hochwasser vielleicht überflutet worden.

Doch irgendwann hörten die Menschen auf, Pfahlbauten zu errichten. Das lag wohl am Klima, so der Fachmann. Vermutlich ist vor rund 2800 Jahren der Wasserspiegel im Bodensee stark gestiegen. Man vermutet, dass die Häuser trotz ihrer Bauweise bis zu zwei Meter hoch überflutet wurden – ihr Ende. dpa