Kindernachrichten

Lesen mit allen Sinnen

Archivartikel

Die Pädagogin Gabriele Hoffmann war als Buchhändlerin in Heidelberg und Mannheim erfolgreich. Im Interview erzählt sie, was ein gutes Kinderbuch ausmacht und wieso auch Erwachsene noch viel von ihnen lernen können.

Sie ist eine echte Expertin, wenn es um tolle und geeignete Kinderbücher geht: Gabriele Hoffmann. Ab nächster Woche stellt die Heidelbergerin wöchentlich auf der Kinderseite ihre Lieblingsbücher für Kinder vor. Doch in dieser Woche wollen wir zuerst einmal sie vorstellen.

Frau Hoffmann, wann und wie sind Sie denn zu den Kinderbüchern gekommen?

Gabriele Hoffmann: 1980 habe ich in Mannheim „Leanders Leseladen“ gegründet und Bücher verkauft. 1988 kam Heidelberg dazu. Davor habe ich bei einem großen Verlag gearbeitet. Außerdem habe ich mehr als 3500 Vorträge über gute Kinderbücher gehalten und mit einer großen Gruppe von Testlesekindern immer wieder neue Bücher getestet. Deshalb kann ich sagen, dass ich weiß, welche Bücher Kinderherzen erobern und welche nicht. Mittlerweile arbeite ich schon 50 Jahre in dem Bereich. Inzwischen bin ich aber in Rente und beschäftige mich jetzt vorwiegend ehrenamtlich mit Büchern. Auf www.leseleben.de stellen mein Mann und ich regelmäßig die besten Kinderbücher vor.

Was fasziniert Sie denn so an diesen Büchern?

Gabriele Hoffmann: Kinderliteratur ist ein wunderbarer Bereich, um verschiedene Modelle von anderen Lebensformen zu entdecken. Menschen, die nicht lesen, haben ihr eines Leben. Aber Leser haben so viele Leben wie sie Bücher lesen. Egal, ob sie Kinder sind oder Erwachsene. Das funktioniert übrigens nicht mit Filmen oder Hörbüchern, weil sich die Phantasie dort nicht frei entfalten kann.

Was macht ein gutes Kinderbuch aus?

Gabriele Hoffmann: Die Texte und Bilder müssen für Kinder lesbar sein und sollten ihre sprachliche Kompetenz Stück für Stück aufbauen. Ein gutes Kinderbuch ist auch nicht altersgebunden, sondern gibt immer wieder etwas Neues her: Dem Kind, dem Heranwachsenden aber auch dem Erwachsenen. Es ist für alle gleich faszinierend.

Welchen Einfluss kann das Lesen auf ein Kind haben?

Gabriele Hoffmann: Es hilft, die sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten zu fördern und zu entwickeln. Außerdem entwickelt man auch viel Empathie, wenn man sich schon als Kind in Kinderbuchfiguren verliebt. Lesen ist eine Lebenshaltung und hat nicht zwingend damit zu tun, dass man Bücher liest. Man kann auch mit der Nase, den Ohren, mit allen Sinnen lesen. Differenzierte Sprache zu beherrschen ist allerdings ein Grundstein für die Fähigkeit zur Kommunikation und Grammatik unverzichtbar für die Fähigkeit zu Denken und das Denken Anderer nachzuvollziehen.

Worauf dürfen sich unsere Leser ab nächster Woche freuen?

Gabriele Hoffmann: Sie dürfen sich darauf freuen, dass sie Bücher empfohlen bekommen, die sich über Jahre und Jahrzehnte immer wieder bewährt haben. Ich habe mit hunderten Testlesekindern zusammen gearbeitet und kann sagen, dass es Bücher gibt, die ihre Faszination nie verlieren. Wenn mein Mann – ein ausgezeichneter Vorleser – aus Büchern von Paul Maar vorliest, dann herrscht sofort gebannte Stille. In unserer Reihe „Leanders Lieblinge“ sammeln wir genau solche Bücher, die die Kinderherzen im Sturm erobern. Da ist vom Bilderbuch über den Roman bis zum Lexikon für jeden Geschmack etwas dabei.