Kindernachrichten

Meine Geschichte von Ottilda

Archivartikel

Ottilda, ein kleines Mädchen, glaubte nicht mehr an Osterhasen, aber an Wunder. Ja, an Wunder glaubte sie - ganz fest!

Ottilda stellte jeden Abend eine Schüssel mit Haferbrei vor die Haustüre und hoffte darauf, dass Zwerge vorbeikommen würden. Sobald Ottilda am nächsten Morgen aufwachte, sah sie, wie jeden Tag die unberührte Schale stehen. Das machte Ottilda jedes Mal noch trauriger. Deshalb versuchte sie immer weiter ihr Glück, um die Zwerge doch noch zu Gesicht zu bekommen. Ottilda heftete Zettel an Laternenpfähle, auf diesen dick: „SUCHE ZWERGE“, stand. Ottilda läutete mit einer Glocke, sobald sie den Brei vor die Haustüre stellte und bastelte sich eine spezielle Sehbrille, mit der man Zwerge sichtbar machen könnte. „Du wirst niemals Zwerge sehen!“, behauptete ihr Bruder Nils. Doch Ottilda gab nicht auf! Auch ihren Eltern war das Ganze ziemlich egal. Sie sagten nichts und schmunzelten nur, wenn ihre Tochter mal wieder über Zwerge redete.

Als das Osterfest näher rückte, sah Ottilda aus ihrem Fenster und entdeckte einen Hasen, der gerade über die Wiese vor ihrem Haus hoppelte. Eilig lief sie hinaus und rief ihm zu: „Bitte lieber Hase, schick doch die Zwerge heute Nacht zu mir! Ich stelle auch Haferbrei vor die Haustüre.“

 Doch der Hase hoppelte nur schnell davon. Auch an diesem Abend füllte sie die Schüssel, für die Zwerge, mit Brei. In der Nacht, wachte Ottilda gegen 1 Uhr von einem leisen Geräusch auf. Ein Trippeln, ja ein Poltern! Sie schlich die Treppe hinab, bis zur Haustüre und ….

…traute ihren Augen kaum. Mehrere kleine Männchen standen dort, an der Schüssel und machten sich vergnügt über den Haferbrei her. Endlich! Ihr Wunsch war erfüllt worden! „Hat euch der Hase zu mir geschickt? Dann gibt es den Osterhasen ja wirklich…!“, flüsterte Ottilda leise und war überglücklich. Noch einmal schaute sie zu den Zwergen, dann lief sie die Treppe hinauf und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen erzählte Ottilda ihren Eltern von ihrem nächtlichen Erlebnis und zeigte ihnen die leere Schüssel. Nils wusste es wieder einmal besser: „Sicher hast du geträumt! Zwerge gibt es nicht, nur in Geschichten!“. Er blieb standhaft und lies sich nicht überzeugen. Auch die Eltern zweifelten noch immer an der Glaubwürdigkeit ihrer Tochter. „Na gut,“ meinte Mama „machen wir einen Versuch.“

Und in dieser Nacht standen sie alle vier hinter der Haustüre und warteten. Vorsichtig öffnete Ottilda die Türe. Zuvor hatte sie eine besonders große Menge Haferbrei gekocht. Diesmal waren es sogar noch mehr Männchen als am Tag davor. Ihre Familie staunte nicht schlecht. Jetzt gab es keinen Zweifel mehr, Ottilda sagte die Wahrheit. Ihre Eltern waren überzeugt und Nils wurde plötzlich ganz kleinlaut und seine frechen Worte taten ihm sogar ein bisschen leid.

Von diesem Tag an lebten die Zwerge bei Ottildas Familie. Tagsüber schliefen sie meistens in ihren Verstecken, und nachts erledigten sie alle Arbeiten. Alle schönen, aber auch alle mühsamen. Dafür bekamen sie jede Nacht eine Schale mit Haferbrei, Kleie und manchmal sogar Milch.

Die Mutter war stolz. Nils hatte die Zwerge liebgewonnen und Ottilda freute sich umso mehr.

Besonders den Zwergenanführer hatte sie in ihr Herz geschlossen. Und seitdem glaubte nicht nur Ottilda an Osterhasen, Wunder und Zwerge.

Und wenn sie noch leben, könnt ihr sie vielleicht entdecken.