Kindernachrichten

„Sie sind immer bei uns“

Archivartikel

Wir hassen sie, wir lieben sie: Die Beziehung zwischen Geschwistern ist eine ganz besondere. So besonders, dass Autorin Katja Schwarz ein Buch über sie geschrieben hat. Schwestern und Brüder finden hier nützliche Tipps.

Unsere Freunde können wir uns aussuchen, unsere Geschwister werden uns vor die Nase gesetzt. Streit bleibt da nicht aus, und doch lieben wir sie über alles . Autorin Katja Schwarz ist als „Sandwich-Kind“ aufgewachsen und was Geschwister angeht leidgeprüft. In ihrem Buch „How To Survive mit Geschwistern“ gibt sie Tipps fürs Zusammenleben.

Warum gehen uns unsere Geschwister so oft auf die Nerven?

Katja Schwarz: Unsere Geschwister sind immer bei uns, wir leben in so einer Art Zwangs-WG. Und gleichzeitig sind sie uns wahnsinnig wichtig, eben weil sie unsere Geschwister sind. Wären sie uns egal, würden wir uns nicht über sie aufregen.

Wie war das bei Ihnen?

Schwarz: Ich hatte mehr Konflikte mit meiner Schwester. Ob Führerschein, Ausgehen, Taschengeld – sie durfte eben alles, kurz bevor ich es durfte, weil sie nur drei Jahre älter ist als ich. Da ist der Neidfaktor viel größer. Mein kleiner Bruder ist fünf Jahre jünger, der war weniger interessant.

Welche Rolle spielen Geschlecht und Alter?

Schwarz: Das Alter spielt eine große Rolle. Studien ergaben, dass es mehr Streit gibt, je geringer der Altersabstand zwischen Geschwistern ist. Auch das Geschlecht ist interessant. Beim gleichen Geschlecht gibt es oft gleiche Interessen, also auch mehr Konflikte.

Wie kann ich die Beziehung zu meinen Geschwistern verbessern?

Schwarz: Man sollte sich seine eigene Nische suchen, etwa eine Sportart, wo es keine Möglichkeit gibt, sich mit seinen Geschwistern zu vergleichen. Aber auch räumlicher Abstand ist wichtig: Wer sein Zimmer teilen muss, der kann durchsetzen, eine Stunde allein im Zimmer zu sein, und danach darf der andere.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Schwarz: Die Eltern können einerseits als Schiedsrichter fungieren, die helfen, Regeln durchzusetzen. Man kann sich als Geschwister aber auch gegen die Eltern verbünden, nach dem Motto: „Nichts verbindet mehr als ein gemeinsamer Feind.“ Quasi eine teambildende Maßnahme.

Wie sollten sich Eltern bei Streitereien verhalten?

Schwarz: Eltern sollten niemals ihre Kinder verbal miteinander vergleichen. Kinder machen das sowieso schon. Und falls es Rivalitäten gibt, können sich die Eltern ganz gezielt für ein Kind Zeit nehmen und etwas allein mit ihm machen, und wenn es nur Brötchen holen ist. Das sind Erlebnisse, die nur dem einen Kind gehören – und die sind viel Wert. Vor allem als Sandwich-Kind muss man die Zeit mit den Eltern einfordern.

Apropos Sandwich-Kind – wer hat letzten Endes das schwerste Schicksal?

Schwarz: Ganz objektiv: die Sandwich–Kinder (lacht). Für sie muss ich einfach eine Lanze brechen. Sie lernen, sich den Größeren unterzuordnen und sind gleichzeitig Vorbild für die Kleinen. Zwischen beiden Rollen müssen sie dann switchen. Das ist gar nicht so einfach.

Und wenn Geschwister erwachsen werden, sind die Streitereien oft vergessen…

Schwarz: Meine Beziehung zu meinen Geschwistern wird nie wie eine normale Erwachsenenbeziehung. Manchmal gibt es auch wieder Rückschläge und Streitereien, aber die sind schon fast nostalgisch. Es zeigt uns dann, dass wir eben Geschwister sind, das ist eine Beziehung wie keine andere.