Kindernachrichten

So alt wie der Mensch

Von der Höhlenmalerei bis zum „Mannheimer Loch“: Kunst hat viele Gesichter – und eine lange Geschichte. Ein kleiner Überblick darüber, wie sie geht und wer sie macht.

Bevor wir von Kunst reden, müssen wir erst einmal verstehen, was Kunst überhaupt ist. Experten streiten immer wieder über genau diese Frage. Es hilft aber, wenn ihr euch einen Hammer vorstellt: Ein Hammer ist ein Werkzeug, also etwas, das Menschen erfunden haben, um ganz bestimmte Dinge damit zu tun. Ein Hammer hat also eine Funktion. Kunstwerke sind ebenfalls von Menschenhand geschaffen, aber nicht für einen praktischen, alltäglichen Zweck. Wenn also jemand einen Hammer, statt mit ihm Nägel in die Wand zu klopfen, bemalt, verziert, schmückt und dann selbst an die Wand hängt, weil er ihn so schön findet – dann könnte man sagen, das ist Kunst. Der Hammer hat nicht mehr seine ursprüngliche Funktion, aber er ist deshalb noch lange nicht überflüssig. Er verschönert die Wand und das Leben des Menschen, der sich daran erfreut. Und das ist eine ganz wichtige Funktion von Kunst.

Immer wieder was Neues!

Wir wissen, dass die Kunst im Grunde so alt ist wie die Menschheit selbst. Menschen wollten schon immer schöne Dinge erschaffen und so auch ihre Gedanken und Gefühle ausdrücken. Die ältesten Kunstwerke, die wir heute kennen, stammen aus der Steinzeit. Bis heute richtig berühmt ist eine Steinfigur, die „Venus von Willendorf“ genannt wird: Sie ist nach Schätzungen bis zu 32 000 Jahre alt.

Wie die Menschen hat sich auch ihre Kunst immer weiterentwickelt und sich immer wieder verändert. Kunsthistoriker – das sind Menschen, die sich mit der Geschichte der Kunst befassen – sprechen von Epochen. In jeder Epoche malen Künstler auf eine bestimmte Art und Weise – also nicht genau gleich, aber doch so, dass man ihre Kunst unter bestimmten Aspekten zusammenfassen kann. Die Impressionisten zum Beispiel wollen flüchtige Momente, zum Beispiel Tänze oder Sonnenuntergänge, im Bild festhalten und verwenden dafür helle Farben, die viel Atmosphäre und bestimmte Stimmungen transportieren sollen. Daher auch der Name: lateinisch „impressio“ heißt so viel wie Eindruck.

Wenn wir von Bildender Kunst sprechen, meinen wir nicht nur gemalte Bilder, sondern auch andere Dinge – Kunsthistoriker sagen: andere Gattungen. Architektur zählt dazu ebenso wie Bildhauerei, Grafik oder Fotografie.

Eine Stilrichtung wie der Impressionismus konnte nur entstehen, weil Künstler immer wieder neue Dinge ausprobieren und erfinden wollen. Ihr Bestreben ist es, immer wieder andere Effekte zu erzielen als die, die es schon gibt. Das zeigt sich auch an den Materialien, die sie verwenden: In den Anfängen malte man mit Holzkohle oder dem Saft aus Früchten. Im Mittelalter, als viel mit Vergoldungen gearbeitet wurde, entdeckte man, dass man auch mit Eiweiß und Eigelb Farben mischen und damit malen konnte. Später war das Malen mit Öl sehr beliebt.

Oftmals wollen die Künstler einer Bewegung genau das Gegenteil erschaffen wie die Künstler in der Epoche davor. Zum Beispiel konnte im Barock nichts verspielt genug sein: Kirchen waren geradezu überladen mit Schmuck und Gemälde voller kontrastreicher Farben. Zuvor, in der Renaissance, waren die Formen eher zurückhaltend, geometrisch und geradlinig. Die Renaissance wiederum berief sich auf Ideen aus der Antike. Ihr seht: Eine Epoche ist also immer auch zu verstehen als eine Antwort auf eine andere, vorangegangene Phase.

Luxus und Kritik

Zu manchen Zeiten hatten Künstler eine ziemlich hohe Stellung in der Gesellschaft. Sie pflegten Umgang mit Königen, Päpsten oder Monarchen, die ihre Auftraggeber waren. Die Stellung der Künstler veränderte sich aber ebenso über die Jahrhunderte. Im 19. Jahrhundert war der französische Maler Gustave Courbet der Ansicht, wahre Kunst könne nur frei von sozialen Regeln entstehen, weshalb auch der, der sie schuf, ein Leben außerhalb der Gesellschaft führen sollte. Noch heute kennen wir das Klischee vom brotlosen Künstler.

Manchmal wird aber ganz schön viel Geld für Kunst ausgegeben – so ging ein abstraktes Gemälde von Jackson Pollock für viele Millionen Dollar über den Tisch. Kunst kann also Luxus sein. Sie kann aber auch Kritik an der Gesellschaft und der Zeit, in der sie entstanden ist, üben. In Heidelberg lebt zum Beispiel der Plakatkünstler Klaus Staeck, der mit seinen Werken Politisches kommentiert und damit viel Aufmerksamkeit erregt.

Dass wir heute ins Museum gehen können, verdanken wir privaten Kunstsammlungen wie sie etwa die Familie Medici zu Lebzeiten aufbaute. Sie schuf so den Kernbestand der Uffizien – das ist ein berühmtes Museum in Florenz. Museen haben die Aufgabe, Kunst der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Sache mit dem Loch

Das wollte vor ein paar Jahren auch eine Künstlerin in Mannheim: Sie hat in der Kunsthalle die Museumsmauern durchbohrt – ihre Kunst bestand also aus einem Loch. Das Problem: Als die Stadt das Gebäude sanierte, wurde das Loch entfernt – und die Künstlerin war sauer, weil man einfach so ihr Kunstwerk zerstörte. Diese kuriose Geschichte führt uns zu der Frage zurück, was Kunst ist. Dabei geht es auch um den eigenen Geschmack. Und den kann nur jeder für sich selbst entdecken.