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Tierische Schlafmützen

Archivartikel

Der Löwe ist ein Langschläfer. Aber für andere Tiere ist Schlafen eine heikle Angelegenheit. Sie könnten gefressen werden, ertrinken oder vom Himmel fallen. Damit das nicht passiert, haben sie sich so einiges einfallen lassen.

Wer kennt das nicht: Jetzt im Herbst, wenn der Tag kürzer und es draußen immer ungemütlicher wird, kuscheln wir uns gern schon früh am Abend unter die Decke. Und morgens wollen wir das warme Bett am liebsten gar nicht verlassen. In der kalten Jahreszeit wird uns erst bewusst, wie wichtig Schlaf für uns ist. Menschen brauchen ihn, um gesund zu bleiben. Mediziner raten, nicht mehr und nicht weniger als sieben bis acht Stunden zu schlafen – wenn man erwachsen ist. Kinder brauchen sogar noch etwas mehr Schlaf.

Noch längst kennen Wissenschaftler nicht alle Geheimnisse des Schlafs. Sicher ist aber: Vor allem unser Gehirn braucht diese Pause, um alle Eindrücke, die im Laufe des Tages auf uns eingeprasselt sind, verarbeiten zu können. Und kleine Babys verschlafen deshalb bis zu 16 Stunden am Tag, weil sich ihr Gehirn erst noch entwickelt und dafür eben noch mehr Zeit braucht. Wer nicht ausreichend schläft, den quälen nicht nur Müdigkeit, sondern häufig auch Kopfschmerzen, man hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und auch das Immunsystem leidet: Man wird schneller krank.

Wenn wir also rund ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen, hat das einen guten Grund. In der Welt der Tiere sieht das ein bisschen anders aus. Manche Tiere haben ganz besondere Fähigkeiten entwickelt.

Nur im Stehen

Pferde zum Beispiel schlafen lieber im Stehen. Das gilt übrigens für viele Huftiere. Klingt ungemütlich? Nun: Natürlich sind auch Pferde in der Lage, sich hinzulegen. Manchmal tun sie das auch. In der Regel bleiben sie trotzdem stehen, wenn sie mal eben kurz die Augen zu machen. In freier Wildbahn haben sie nämlich gelernt, dass sie das Aufstehen zu viel Zeit kostet, falls Gefahr droht. Sie machen sich dann nämlich aus dem Staub – deshalb gehören sie zu den Fluchttieren. Sie sind quasi ständig auf der Hut. Da passt es gut, dass sie nicht mehr als zwei bis drei Stunden am Tag schlafen müssen.

Mitten in der Savanne

Löwen dagegen haben die Ruhe weg. Im Schnitt dösen sie 13 Stunden. Nicht umsonst ist die Rede vom „König der Tiere“: So ein Löwe hat kaum Feinde, vor denen er sich in Acht nehmen muss. Er muss sich nicht verstecken, nicht einmal wenn er schläft. Dabei muss er auch nicht zwingend aufstehen, um etwas zu futtern. Da Löwen bis zu 40 Kilogramm ihrer Beute auf einmal verschlingen können, sind sie davon auch lange satt. So lässt sich auch mal ein ganzer Tag in der Savanne einfach verschlafen.

Jahrelanges Nickerchen

Das lässt sich nicht toppen? Oh doch! In Australien gibt es Frösche, deren Nickerchen ganze drei Jahre dauern. Das tut der Frosch allerdings nicht, weil er so unendlich müde ist, sondern um zu überleben. Ist kein Wasser zu finden, das er dringend braucht, gräbt er sich in die Erde, fährt seinen Stoffwechsel herunter und wartet auf bessere Zeiten. Fast so ähnlich wie beim Winterschlaf, den manche Säugetiere bei uns halten. Wie etwa der Igel.

Lieber fressen

Die ganz Großen im Tierreich haben für Schlaf nicht viel übrig. Elefanten schlafen maximal zwei Stunden. Und das nicht mal am Stück. Den Rest der Zeit verbringen sie mit Fressen. Sie brauchen bis zu 300 Kilogramm Nahrung, vor allem Gras. Dafür lassen sie sich 20 Stunden Zeit.

Durch die Luft

Und wie machen das eigentlich Vögel? Wer ohne Unterbrechung für mehrere Tage in der Luft ist, hat schließlich keine Zeit zum Schlafen – oder doch? Tatsächlich schlafen Vögel beim Fliegen. Dass sie dabei nicht vom Himmel fallen, hat mit ihrem Gehirn zu tun. Eine Hälfte bleibt nämlich einfach wach, die andere schlummert tief und fest.

Ein Auge offen

Dieser Technik bedienen sich auch Delfine. Eine Gehirnhälfte darf schlafen, die andere bleibt wach. Auch ein Auge bleibt geöffnet, damit sie mögliche Angreifer entdecken. Außerdem können sie nur so ein Ertrinken verhindern: Etwa alle 20 Minuten lassen sie sich hoch zur Wasseroberfläche treiben, um ein paar Atemzüge zu machen. Seeotter haben da einen anderen Trick: Um an der Wasseroberfläche zu bleiben, wickeln sie sich vor dem Schlafen in Seetang.

Unser Verwandter

Am ähnlichsten sind uns die Orang Utans. Im Gegensatz zu anderen Primaten bereiten sie sich komfortable Betten aus Blättern und Zweigen. Manche Forscher sind sogar überzeugt davon, dass die Tiere sich eine gute Nacht wünschen – und auch träumen.