Kindernachrichten

„Wissen ist Medizin“

Immer häufiger sind Kinder und Jugendliche von Kopfschmerzen betroffen. Die „Aktion Mütze“ informiert in Schulen über das Leiden – und wie man ihm vorbeugen kann.

Mütze hat den Kopfschmerz satt! In einem Film klärt die Comicfigur darüber auf, wie es ist, wenn einem der Schädel brummt: „Jedes Geräusch ist ohrenbetäubend. Das Licht blendet wie Hölle. Dein Kopf fühlt sich an, als würde ein Hammerballett darauf für einen Streetdance-Contest proben. Du willst dich dann nur noch verkriechen, bis sich dieses Schmerzgewitter endlich wieder verzieht.“

Nur Tabletten helfen nicht

Mit viel Witz nimmt die Figur seine Zuschauer mit auf eine Wissensreise über den Kopfschmerz. Doch das hat einen ernsten Hintergrund: Kinder und Jugendliche leiden immer häufiger unter Kopfschmerzen. Und Schüler fragen ihre Lehrer immer öfter nach Medikamenten, die das Übel vertreiben sollen. Auch im Video nimmt Mütze eine Tablette – doch die hilft nur kurz. Dann ist der Schmerz wieder da.

Was also tun gegen Kopfschmerzen? Die ehemalige Wiesbadener Lehrerin Karin Frisch hat zusammen mit Hartmut Göbel, Chef einer Schmerzklinik in Kiel, vor etwa drei Jahren die „Aktion Mütze“ erfunden. Für dieses Projekt ist auch das Video mit Mütze entstanden. Göbel ist Neurologe und überzeugt: „Kopfschmerzen kann man durch Wissen verhindern. Wissen ist die beste Medizin.“ Deshalb wollen die Experten nun vor allem eins: über den Kopfschmerz aufklären – woher er kommt, wie er abläuft und wie er vermieden werden kann. Denn Kopfschmerzen – es gibt viele verschiedene Arten – können das Leben eines Menschen sehr beeinträchtigen. Wie viel Kreativität verloren gehen kann, sagt Göbel, zeige das Beispiel der berühmten Physikerin und Chemikerin Marie Curie (1867-1934). Sie habe wegen Kopfschmerzen sogar ihr Studium aufgeben wollen. Später hat sie zwei Nobelpreise bekommen.

Studien zeigen, dass Kopfschmerzen im Kinder- und Jugendalter zunehmen. So belegen Untersuchungen des Robert Koch-Instituts, dass inzwischen 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren regelmäßig unter Kopfschmerzen leiden. Als Risikofaktoren für Kopfschmerzen gelten neben Rauchen und Alkoholkonsum auch koffeinhaltige Getränke, Stress, zu wenig Bewegung und Muskelanspannungen im Schulter-Nackenbereich.

Zu wenig Bewegung

Doch nicht einmal Erwachsene wissen immer so richtig, wie sie Kopfschmerzen vorbeugen und was sie gegen sie tun können. Wie sollen sie dann ihre Kinder schützen? Für die „Aktion Mütze“ haben Göbel und Frisch einen Unterricht entwickelt, der Lehrer, Schüler und deren Eltern erreichen soll. Dort wird zum Beispiel auch erklärt, dass zu viele Tabletten gegen den Kopfschmerz diesen auf Dauer sogar verschlimmern können.

Kinder und Jugendliche sollten stattdessen darauf achten, dass sie regelmäßig essen. Aber nicht Süßigkeiten, sondern Kartoffeln, Reis, Vollkorn oder Nudeln. Ein Frühstück, ein Pausenbrot und ein festes Mittagessen vor 13 Uhr hält Göbel für wichtig. Regelmäßiges Trinken dürfe auch nicht vergessen werden, sagt er. „Kinder sollten einen gleichmäßigen Tagesablauf haben“, rät der Arzt. Außerdem sollten sie zumindest eine halbe Stunde am Tag mal nichts tun: „Handy weglegen, hinsetzen, zur Ruhe kommen, träumen und an gar nichts denken.“ Frische Luft und Sport seien auch hilfreich. „Viele kommen aber gar nicht mehr dazu, weil sie schon wieder hinter den Büchern am Schreibtisch sitzen müssen.“

Die Unterrichtseinheit der „Aktion Mütze“ können alle siebten Klassen in Deutschland kostenfrei bekommen, wie Frisch sagt. Das Projekt wird von einer wissenschaftlichen Befragung begleitet.

Mehr Informationen zu Video und Unterricht gibt es im Internet unter: (mit dpa)