Kindernachrichten

Zahn-Qualen

Manch ein Lächeln entblößt funkelndes Metall auf den Zähnen. Dabei macht eine Spange alles andere als Spaß. Ob sie der Gesundheit was nutzt, weiß man bis heute nicht.

Wer schon eine Zahnspange hat, weiß ganz genau, dass es auf der Welt weitaus schönere Dinge gibt. Plötzlich zwickt es und zieht es tierisch, ständig löchert man mit der Zunge nach den kleinen Lücken – auf der Suche nach den Nudeln vom Mittagessen. Und ganz ehrlich? Wenn das Zähneputzen plötzlich zehn Minuten dauert, helfen die Brackets in glitzerfarben oder neongrün auch nicht weiter. Rund jedes zweite Kind hat eine Zahnspange – sogar Darla aus „Findet Nemo“ und Mike Glotzkowski von „Monster AG“ trugen eine. Mit einer festen oder einer losen sollen die Zähne geradegerückt werden. Aber was bringen Zahnspangen wirklich?

Arztbesuch ist sinnvoll

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn ist dieser Frage nachgegangen und hat Forschern eine Aufgabe gegeben: herauszufinden, was Spangen für unsere Gesundheit bringen. Gut, die schiefen Zähne würden auf jeden Fall mit Hilfe einer Zahnspange korrigiert werden. Und das würde uns später, nachdem man sie wieder losgeworden ist, sehr glücklich machen. Was die Forscher allerdings nicht klären konnten: Ob uns diese Korrekturen auch langfristig, also wenn wir älter werden, wirklich etwas nutzen. Wir also weniger Probleme mit Löchern, Entzündungen, Schmerzen oder Zähnen haben, die locker werden und uns ausfallen. Puh, waren die ganzen Qualen etwa umsonst?

„Schiefe Zähne sehen zwar nicht schön aus, aber nicht jeder schiefe Zahn macht im Laufe des Lebens einmal Probleme“, sagt Wolfgang Grüner, Referent für Kieferorthopädie der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg. „Besonders dann, wenn die Kiefer ungünstig wachsen, ist es oft wichtig, frühzeitig eine Zahnspange zu tragen.“ Worauf Eltern deshalb ganz besonders achten müssen: „Dass man sich jeden Einzelfall genau anschauen und dann entscheiden muss, ob ein Patient von einer Spange profitiert“, sagt die Zahnärztin Jessica Zenner, die eine Praxis in der Nähe vom Paradeplatz hat. Gerade wenn man Zähne nicht gründlich genug putzt und die Gefahr besteht, Löcher zu bekommen, rate sie beispielsweise Eltern auch schon mal von einer Spange ab. Der Gang zum Doktor ist also durchaus sinnvoll. In Zukunft müssen jedoch all die offenen Fragen des Ministeriums geklärt werden. Und das macht auch Sinn: Zahnspangen sind nämlich ziemlich teuer. 2017 haben die Krankenkassen rund 1,1 Milliarden Euro für die Behandlung beim Kieferorthopäden ausgegeben. Damit könnte man sich etwa 45 000 Autos oder zwei riesige Kreuzfahrtschiffe kaufen.