Kino

Abendfüllendes Kinderspiel

Archivartikel

„Catch Me!“: Eine US-amerikanische, aufgedrehte Actionkomödie mit Jon Hamm und Jeremy Renner

Wer überlegt, sich „Catch Me!“ anzuschauen, kann sich eine einfache Frage stellen: Will ich erwachsenen Männern 101 Minute lang dabei zusehen, wie sie Fangen spielen? Genau darum geht es in dieser Actionkomödie: Fünf Freunde geben sich seit der Grundschulzeit immer im Mai einen Monat lang einem Kinderspiel hin und haben dabei ihre Taktiken längst raffiniert ausgeklügelt.

Sie überraschen einander auf Beerdigungen und im Kreißsaal, sie verkleiden sich als Putzmann im Büro des anderen oder sie versuchen, die Hochzeit von Mitspieler Jerry (Jeremy Renner) zu sprengen. Er ist für die anderen vier die härteste Nuss, denn in über dreißig Jahren ist es ihnen nicht gelungen, ihn auch nur einmal zu fangen.

Die Ausgangslage des Films ist das, was man in Hollywood „High Concept“ nennt: Eine einfache Prämisse, die sich knapp zusammenfassen und vermarkten lässt und die dann durchexerziert wird. Meisterhaft gelang das im Actiongenre beispielsweise bei „Speed“, in dem ein Bus nie weniger als 50 Meilen pro Stunde fahren darf – in diesem Fall nun dient jedoch eben ein Kinderspiel als Grundlage des Plots.

Alle fünf Hauptfiguren sind typische Abziehbilder aus ähnlichen Männerkomödien der vergangenen Jahre, allen voran „Hangover“ über aus dem Ruder laufende Junggesellenabschiede. Dessen Darsteller des Stu, Ed Helms, spielt sogar in „Catch Me!“ mit und gibt den etwas langweiligen Durchschnittsmann mit ambitionierter Frau (Isla Fisher), die am liebsten auch Teil des verrückten Spiels wäre. Auch der Rest der Truppe ist entlang gängiger Stereotypen besetzt: Jon Hamm ist ein erfolgreicher Geschäftsmann ohne Frau, Hannibal Buress hält als überforderter Denker mit trockenem Humor her, und Jake Johnson (Nick aus „New Girl“) hat die Standard-Mittdreißiger-Kiffer-Rolle.

Wenigstens Jeremy Renner ist gegen seinen sonstigen ernsten Action-Typ besetzt und hat sichtlich Spaß, den Fitnessstudio-Besitzer zu geben, der den anderen stets einen Schritt voraus ist. Da bleibt wenig Platz für die Frauenrollen. Sie sind höchstens dafür da, die Fragen der Zuschauer nach den genauen Regeln des Spiels zu stellen und von den Herren beantwortet zu bekommen.

Vieles bleibt unklar

Es fällt dem Film insgesamt schwer, einen tragenden Überbau zu finden, eine Jagdszene wird an die andere gehängt und am Ende bleibt die Freundschaft doch seltsam behauptet. „Das Spiel hat uns einen Grund gegeben, am Leben der anderen teilzuhaben“, sagt Helms’ Hoagie an einer Stelle – warum aber genau diese Fünfertruppe das nach Jahrzehnten gegenseitiger Frotzeleien überhaupt noch will, ist unklar.

Ohnehin könnte „Catch Me!“ ruhig noch mehr aufdrehen und eine böse Satire auf übertriebenen Wettkampf unter Männern sein, oder wenigstens kommentieren, warum vielen Kerlen ein solches Spiel ein besserer Ausdruck von Freundschaft zu sein scheint als auch nur einmal etwas wirklich Bedeutendes zueinander zu sagen. Doch der Film von Filmregie-Neuling Jeff Tomsic genügt sich darin, oberflächlich wild daher zu kommen. Der Film basiert übrigens auf der wahren Geschichte von zehn Freunden, die 2013 in einem Artikel des „Wall Street Journal“ veröffentlicht wurde.