Kino

„Venom“: Regisseur Ruben Fleischer inszeniert den Gegenspieler von Spider-Man als Marvel-Helden

Alles schon da gewesen – nur besser

Sie sterben nicht aus, die (Leinwand-)Superhelden, was an ihrer Physis liegt – und an der Tatsache, dass sie die Goldesel der US-Filmindustrie sind. Vier Marvel-Comicadaptionen finden sich zurzeit unter den umsatzstärksten Filmen aller Zeiten, „Avengers: Infinity War“, „The Avengers“, „Avengers: Age of Ultron“ und „Black Panther“. Rund 6,3 Milliarden Dollar haben sie zusammen weltweit eingespielt, Kopf dieses Erfolgs ist Produzent Kevin Feige, inzwischen für die Walt Disney Company tätig, nachdem diese 2009 Marvel Entertainment übernommen hat. Aus einem riesigen Fundus von mehr als 5000 Figuren kann er schöpfen, da lässt es sich leicht verschmerzen, dass 20th Century Fox die Rechte an den „X-Men“ hält, während Sony Pictures die „Spider-Man“-Rechte hat.

Lange geplant

Doch der Spinnenmann schwächelt an der Kasse. Zunächst hatte man Tobey Maguire durch Andrew Garfield ersetzt, der wiederum musste bei „Spider-Man: Homecoming“ die Titelrolle an Tom Holland abgeben. Wirklich erfolgreich war die Schauspielerrochade nicht, mit 880 Millionen Dollar Umsatz blieb man rund zehn Millionen Dollar hinter „Spider-Man 3“ zurück. Also soll nun ein „Neuer“ die Kassen des in Culver City beheimateten Studios füllen: „Venom“. Den Herren kennt man bereits seit 2007 als Maguires Gegenspieler im dritten Spider-Man-Aufguss, gespielt hat ihn da Topher Grace. Bereits damals war geplant, ihm einen eigenen Ableger zu widmen. Einmal mehr kommt der Aspekt des „gemeinsamen Universums“ zum Tragen, sprich die jeweiligen Heroen besitzen unverwechselbare Eigenschaften, teilen sich jedoch eine (Fantasie-)Welt. Handlungsstränge und Schauplätze überkreuzen sich, man schließt Allianzen, bekämpft übermächtige Feinde und trennt sich wieder.

Zunächst einmal muss aber - und das geht stets zu Lasten des Plots – der jeweilige neue Charakter eingeführt werden. In diesem Fall ist es ein boshafter, symbiotischer Alien, der einen menschlichen Wirt benötigt, um zu überleben, diesem im Gegenzug Superkräfte verleiht und zu einer Art Mix aus Dr. Jekyll und Mr. Hyde macht.

Eddie Brock (Tom Hardy) heißt der bedauernswerte Mann im bürgerlichen Leben. Als Enthüllungsjournalist mit eigenem Blog ist er in San Francisco tätig. Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed), Chef der Life Foundation, ist er auf der Spur. Laut Insiderinformationen von dessen Mitarbeiterin Dr. Dora Skirth (Jenny Slate) lässt ihr Chef an Menschen Experimente durchführen, die für die Probanden tödlich enden. Eddie dringt in das Labor ein und wird dabei infiziert ...

Anfangs wird kurz gezeigt, wie die fremde Lebensform auf die Erde gelangt. Parallel dazu lernt man Brock kennen, einen unkonventionellen Draufgänger, der eine innige Beziehung zu Freundin Anne (Michelle Williams) unterhält. Rund eine Dreiviertelstunde nimmt sich Regisseur Ruben Fleischer („Gangster Squad“) für die Exposition Zeit, dann beginnen Action und Formwandeln. Gebissreihen wie Haifische fletschen die sogenannten „Symbionten“, die in Form und Aussehen einmal mehr an HR Gigers „Aliens“ erinnern.

Maskenbildner und Tricktechniker zeigen was sie können, die obligate (Zweirad-)Verfolgungsjagd fehlt ebenso wenig, wie die aus allen Rohren feuernde Exekutive, die natürlich gegen die fiesen Monster nichts auszurichten vermag.

Ein redundantes Spektakel. Die Effekte hat man schon bedeutend besser gesehen, in Sachen Produktionsdesign hat man sich wenig Mühe gegeben, gewohnt bombastisch fällt der Soundtrack von Ludwig Göransson aus. Schade um die guten, wenig geforderten Charakterdarsteller Hardy („Dunkirk“), Williams („Manchester by the Sea“) und Ahmed („Star Wars: Rogue One“), die souverän ihre platten Dialoge meistern.