Kino

Annäherung zwischen verhärteten Fronten

„My Days of Mercy“: Regisseurin Tali Shalom-Ezer gelingt eine berührende Mischung aus Drama und Liebesfilm

Diese Liebesbeziehung folgt dem Prinzip: darf nicht sein und kommt doch zustande. In „My Days of Mercy“ entwickelt sich die Liebe zwischen zwei verhärteten Fronten auf den Vorplätzen von Gefängnissen. Gegner und Befürworter der Todesstrafe stehen sich verhasst gegenüber – und zwei Frauen aus dem jeweiligen Lager finden hier zueinander.

Es sind Lucy und Mercy, gespielt von Ellen Page und Kate Mara. Regisseurin Tali Shalom-Ezer gelingt eine berührende Kombination aus Drama und Liebesfilm.

Lucy trägt ein graues T-Shirt, auf dem das Wort Todesstrafe rot durchgestrichen steht. Sie hat einen kleinen Bruder und eine große Schwester. Gemeinsam fahren sie regelmäßig los, um vor Gefängnissen gegen die Todesstrafe zu protestieren. Das Ganze betrifft sie selbst: Ihr Vater sitzt im Gefängnis. Ihm droht die Todesstrafe, weil er seine eigene Frau umgebracht haben soll.

Dieses politische Thema wird immer wieder mit schneidender Sachlichkeit im Film gezeigt. Ein Plastiktablett mit Plastikbesteck. Auf dem Teller: Spiegeleier mit Speck, Kaffee, Würstchen, Pancakes. Daneben erscheint eine Schrift: ein Gefängnis in Kentucky, der Name eines Mannes und der Vorwurf gegen ihn, einen Polizisten getötet zu haben. Darunter: Giftspritze. Solche Einschübe wiederholen sich. Einmal ist eine Pizza mit Cola zu sehen und ein anderer Name. Die letzte Mahlzeit.

Unterschiedliche Frauen

Die Demonstranten stehen sich vor den Gefängnissen gegenüber. Die einen fordern „Gerechtigkeit für die Opfer“, die anderen sind gegen die Todesstrafe. Am Abend vor der Hinrichtung des Häftlings, der den Polizisten getötet haben soll, treffen Mercy und Lucy aufeinander. Mercys Vater war 16 Jahre lang der Kollege des Getöteten. Hier beginnt die Sache schwierig zu werden.

Die Frauen sind unterschiedlich. Lucy ist sarkastisch und eher verschlossen. Mercy arbeitet in einer Anwaltskanzlei und strahlt etwas Positives aus. Trotz der Unterschiede kommen sie sich näher. Doch ihre Leben scheinen unvereinbar miteinander zu sein. Gerade auf Lucy lastet immer ein enormer Druck. Denn der Zeitpunkt der drohenden Hinrichtung ihres Vaters rückt näher.

Dabei steht aber nicht die gesellschaftspolitische Debatte im Vordergrund, sondern die Beziehung der beiden Frauen. So nähert sich der Film seinem Thema über die persönliche Betroffenheit von Mercy und Lucy: Jede von ihnen ist durch das eigene Schicksal mit der Todesstrafe konfrontiert worden und muss sich nun durch die Beziehung mit der Gegenseite auseinandersetzen.