Kino

Der neue Film Franck Dubosc spielt in seinem Regiedebüt „Liebe bringt alles ins Rollen“ einen arroganten, alternden Schwerenöter

Barrierefrei zur Herzensdame

Archivartikel

Am Flughafen, bei der Passkontrolle, fällt er gleich unangenehm auf. Als Rodrigo Gonzalves gibt er sich aus, behauptet Kolumbianer zu sein und zwei Kilogramm Gras in der Tasche zu haben. Die Drohung der Beamtin, ihn durchsuchen zu lassen, tut er mit einem Schulterzucken ab. Man weiß gleich, dass man mit Jocelyn (Franck Dubosc) nicht unbedingt befreundet sein möchte.

Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, eitel, egoistisch, arrogant, ein Geschichtenerzähler und notorischer Frauenheld. „Warum lügst du die ganze Zeit, was hast du davon?“, fragt ihn Kumpel Max (Gérard Darmond), zugleich sein Hausarzt und Vertrauter. „Gar nichts“, antwortet er, es geht ihm nur um die Herausforderung. Frauen sind – um einen Filmtitel von Blake Edwards zu variieren – sein Hobby, nichts anderes als ständig wechselnde Trophäen.

Umerziehung zum Ehemann

Dass das nicht gut gehen kann, ist die Voraussetzung für diesen luftigen Spaß, bei der Dubosc als Hauptdarsteller, Autor und Regisseur verantwortlich zeichnet. An Michael Gordons Klassiker „Bettgeflüster“ erinnert die Prämisse, Frauenheld Rock Hudson wird da von Doris Day gezähmt und zum passablen Ehemann umerzogen. Hier heißt die Herzdame Florence (Alexandra Lamy), die in Folge eines Unfalls querschnittsgelähmt ist – folgerichtig auch der Titel: „Liebe bringt alles ins Rollen“. Wortwörtlich zu verstehen in diesem Fall.

Denn Jocelyn sitzt im Rollstuhl der soeben zu Grabe getragenen Mutter, als zufällig deren neue Nachbarin auftaucht: die attraktive Julie (Caroline Anglade). „Ich bin Pflegerin, ich kümmere mich um Leute wie Sie“, stellt sie sich vor. Sofort ist Jocelyns Jagdinstinkt geweckt. Warum nicht einmal einen Behinderten spielen, um ans Ziel der Wünsche zu gelangen. Eine Nacht, und tschüss. . .

Doch diesmal geht der Plan nicht auf. Denn der grau melierte Playboy, der die Geliebten fast so häufig wie seine Unterwäsche wechselt, wird von Julie zum Familienessen eingeladen. Er akzeptiert und lernt da deren ältere Single-Schwester Florence kennen, die ihn mehr fasziniert als seine bisherigen Eroberungen. Er beschließt, weiterhin vorzugeben, seine Beine nicht bewegen zu können. Es wird sich schon eine Gelegenheit ergeben, dieses „Missverständnis“ aufzuklären. Was sich als wesentlich schwieriger herausstellt als angenommen.

Ein Widerspenstiger mutiert in typischer Boulevardmanier zum potenziellen Mustergatten. Jocelyn, Chef einer Sportschuhfirma und passionierter Jogger, läuft vor dem Alter und sich selbst davon. Einhalt ist geboten, ausruhen, nachdenken –und dazu motiviert ihn Florence. Ein Opernbesuch in Prag, die Angebetete ist Geigerin – Bachs Violinkonzert Nr. 1 erklingt auf dem Soundtrack –, ein romantisches Dinner, selbst zu einem Ständchen ringt sich der Schürzenjäger durch. Altbekannte Versatzstücke, Irrungen und Wirrungen, ein wenig Slapstick.

Französische Lässigkeit

Große Aufregung gibt’s, als Florence unerwartet bei Jocelyn im Büro auftaucht, um ihn zu einem Tennisturnier einzuladen. Sekretärin Maria (Elsa Zylberstein) freut sich zu sehen, wie ihr Chef ins Schwitzen kommt – „Wer nicht läuft, hat keine Schweißfüße.“

Nicht ohne Grund, ist sie doch selbst schon lange in ihn verliebt und fühlt sich von ihm übersehen. Sogar ihren Geburtstag hat er vergessen – und dann überreicht er ihr einen Pullover, in einer Farbe, die sie noch nie getragen hat. Ganz so unaufmerksam ist der ewige Don Juan also doch nicht, was Florence längst erkannt hat, die, um ihn zu halten, selbst zu einer kleinen Notlüge greift. Sehr französisch geht’s hier zu. Man genießt das Leben, isst, pariert, lacht und macht Liebe. Sonnendurchflutete Bilder liefert Ludovic Colbeau-Justin, ein TV-Routinier, der das schicke Design und vor allem das Interieur von Jocelyns Nobelheim mit raffiniertem Pool perfekt auszuleuchten versteht.

Lässig, aber stylish gewandet sind die Damen, alle auf ihre Art gut aussehend. Für die meisten Lacher sorgt Zylberstein („Ein Sack voll Murmeln“), die im neuen Outfit sichtlich erblüht. Im Zentrum, seines Aussehens und seiner Ausstrahlungskraft wohl bewusst, steht Dubosc („Asterix bei den Olympischen Spielen“), der schließlich als geläuterter Schwerenöter die Frau findet, mit der er in Rente gehen kann. Märchen, Liebesfilm, Klamotte. . . ein Date-Movie, bei dem man der Partnerin der Wahl nonchalant zeigen kann, dass man auf mehr als nur Oberflächenreize achtet.