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„Cleo“: Im fantasievollen Spielfilmdebüt schickt Erik Schmitt seine verträumte Heldin auf eine turbulente Schatzsuche

Ein urbanes Märchen. Eine Liebeserklärung ans Kino und seine Möglichkeiten. Ein Streifzug durch Berlin und seine Historie. Und, so wirbt der Verleih nicht zu Unrecht, eine bundesrepublikanische Variante von „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Cleo heißt die versponnene Heldin hier. Als glückliches Kind lernt man sie kennen, die Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, ihr Vater tut alles, um den Verlust wettzumachen. Ganz ist er für die kleine Tochter da, willigt ein, mit ihr auf Schatzsuche zu gehen. Ein verhängnisvolles Unterfangen, bei dem der Papa zu Tode kommt. Für das Mädchen bricht die Welt zusammen.

Mit Tempo

Der temporeichen Exposition folgt ein wunderbarer Schnitt: Klein-Cleo legt sich auf ihr Kinderbett und wacht als junge Frau wieder auf. Der sympathische Rotschopf Marleen Lohse („Nord bei Nordwest“) ist für die Rolle die Idealbesetzung, zart und zerbrechlich, mit großen Augen. Neugierig blickt sie auf ihre Umgebung. In einem Fremdenverkehrsbüro arbeitet sie, meidet soziale Kontakte, hängt ihren Tagträumen nach und führt Zwiegespräche mit Berühmtheiten, darunter die befreundeten Physiker Max Planck (Peter Meinhardt) und Albert Einstein (Jean Pütz), der ihr zwischendurch analog zum bekannten Foto die Zunge zeigt. Ein verspielter, zitatenreicher Spaß ist der Erstling des preisgekrönten Kurzfilmregisseurs Erik Schmitt („Nashorn im Galopp“), man merkt seiner Arbeit, der etwas mehr Budget gutgetan hätte, in jeder Sekunde die Freude an, die er beim Inszenieren hatte. Ein Gullydeckel verwandelt sich zum Plattenspieler, die Weltzeituhr am Alexanderplatz dreht sich wie ein Windrad, Graffitis erwachen zum Leben und Cleos Wohnung mutiert zur Tram, an deren Fenster die Stadt vorbeizieht... Farbwechsel, Zeitsprünge, Tricks und überbordende Einfälle, die manchmal von der Story ablenken, aber 101 kurzweilige Filmminuten garantieren.

Zeit geht rückwärts

Endgültig ins Rollen kommt die Geschichte nach dem Drehbuch von Stefanie Ren („Nicht tot zu kriegen“) und dem Filmemacher, als Abenteurer Paul (Jeremy Mockridge) – er wohnt auf einem Hausboot, das vor der pittoresken Oberbaumbrücke ankert – eines Tages vor Cleo steht und ihr eine Schatzkarte präsentiert, die den legendären Einbrecherbrüdern Sass zugeschrieben wird. Zur versteckten Beute, viel Geld und Juwelen, soll sie führen, vor allem jedoch zu einer Uhr, mit deren Hilfe sich die Zeit zurückdrehen lässt.

Besonders letztgenanntes Objekt interessiert Cleo, will sie doch mit Hilfe des magischen Zeitmessers den Tod der Eltern ungeschehen machen. Der Auftakt zu einer atemlosen Schnitzeljagd. Verbündete werden gesucht und gefunden. In einer betagten Spelunke – Ort für eine nostalgische Nachtclub-Tanzeinlage – werden die geeigneten Männer gefunden. Günni (Heiko Pinkowski), Ex-Bombenentschärfer mit Holzbein, und Zille (Max Mauff), Döner- und Explosionsfan. Ein verschrobenes Quartett, das sich bald am sogenannten Teufelsberg wiederfindet.

Unter dem nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeschütteten Trümmern – entsprechende Infos gibt der vollbärtige Erzähler (Folke Renken), der sich regelmäßig einschaltet und obendrein als Archivar in Erscheinung tritt – liegt eine NS- Universität, auf dem Gipfel steht eine verwitterte Abhöranlage, die längst nicht mehr in Betrieb ist. Hier soll sich der Schatz befinden, der nach zig halsbrecherischen Aktionen gefunden wird.

Was zum obligaten (Liebes-) Happy-End führt und einer dem Dasein nun zugewandten Cleo, die Kindern bei ihren Sightseeing-Touren in die Geheimnisse der Spreemetropole einweiht. Denn: „Unter jedem Pflasterstein hier in der Stadt ist ein Schatz vergraben!“

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