Kino

„Blut ist dicker als Wasser“

Archivartikel

„Nur Gott kann mich richten“: Gangsterdrama zeigt Frankfurt von seiner düsteren Seite

Wie es im kriminellen Migrantenmilieu in Frankfurt wirklich zugeht, wissen wohl nur die Gangster selbst.

Der Kinofilm „Nur Gott kann mich richten“ allerdings zeigt von dieser Untergrund-Szene nun ein realistisch anmutendes Bild. Selten war die Metropole am Main mit ihren glitzernden Vorzeige-Hochhäusern so düster, so gewalttätig, so hart, so unbarmherzig.

Hauptdarsteller und Mitproduzent des Gangsterdramas ist Moritz Bleibtreu („Soul Kitchen“, „Lammbock“). Der 46-Jährige hält das Werk für „knackiges Genrekino, Heldenkino, einen Film über Rache, einen Räuberfilm“, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Das ist kein Film, der aus der Mehrheitsperspektive über diese Leute erzählt, sondern mit ihnen und auch für sie“, ergänzt Bleibtreu.

Streben und Scheitern

Bei „Nur Gott kann mich richten“ geht es um ein letztes großes Ding, bei dem viel Geld lockt: Ricky (Bleibtreu) und sein Bruder Rafael (Edin Hasanovic) sollen bei einem fingierten Überfall durch Vermittlung ihres alten Kumpels Latif (Kida Khodr Ramadan, „4 Blocks“) kiloweise Heroin rauben. Doch Polizistin Diana (Birgit Minichmayr) durchkreuzt den Plan - und landet schließlich selbst so tief in der Szene, dass sie um ihr Leben bangen muss.

Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim erzählt wie in seinem Debüt „Chiko“ den Alltag der Untergrundszene. Auffällig dabei: Die Gangster streben nach einem bürgerlichen Leben, scheitern aber kläglich. „Nicht eine dieser Figuren tut gewollt etwas Böses oder will jemandem schaden. Im Gegenteil, eigentlich versuchen alle nur, etwas zu retten - und weil sie das versuchen, stoßen sie andere in den Abgrund“, sagt Bleibtreu.

Neben aller Brutalität in den Handlungen spielen bei den Figuren Werte wie Familie und Freundschaft eine große Rolle, es geht um das Ehrenwort und den Schwur. „Blut ist dicker als Wasser“, sagt eine der Figuren am Ende. All die Action passiert in der Sprache der Straße. „Bruder, wallah, ich schwöre dir, wenn meine Eier so viel wert wären, ich würde sie jetzt abschneiden und dir geben“, sagt zum Beispiel Latif. Bleibtreu meint, der Film untertreibe in der Sprache noch. „In der Realität wird noch viel mehr gewallaht und gebrudert als in unserem Film.“

„Nur Gott kann mich richten“ packt von der ersten Minute an und lässt nicht nach, bis er in einem fulminanten Schusswechsel endet. Die Bilder von den bösen Jungs sind voller Farben und Kontraste, der Rap von Xatar und SSIO lässt den Film pulsieren. Manchmal allerdings scheinen Figuren und Drehorte zu sehr in Stereotype abzurutschen. So wird immer wieder ein Hinterhof voller Müllsäcke gezeigt, da wird noch ein Schlagring herausgeholt und im Bahnhofsviertel stehen nur Prostituierte und Drogenabhängige auf den Straßen. Dann begibt sich die Polizistin Diana auch noch blauäugig und unglaubwürdig naiv in das Reich des Bösen, um Geld zu beschaffen.

Weil aber gerade das kriminelle und von der Gesellschaft ins Dunkel gedrängte Leben so eine Faszination ausübt, schaut man dennoch 100 Minuten gebannt auf die Leinwand. dpa