Kino

Der neue Film „Die Frau, die vorausgeht“ erzählt von der Liebe einer Malerin zu einem Indianerhäuptling / Regisseurin Susanna White setzt Western packend in Szene

Breitwandepos mit starken Bildern

Archivartikel

Ein Ölgemälde, das Porträt eines Mannes, fliegt durch die Luft und landet im Wasser, wo es versinkt. Mit diesem Herrn, ihrem Gatten, so wird in der ersten Szene klar, hat Catherine Weldon (Jessica Chastain) abgeschlossen. Nach einem Jahr der Trauer beschließt die Malerin, einen Neuanfang zu wagen – frei, unabhängig. Ein mutiger Schritt im Jahr 1889. In New York besteigt sie den Zug, ihr Ziel ist ein entlegenes Fort in North Dakota, ein Indianerreservat, wo der Sioux-Häuptling Sitting Bull mit seinem Stamm lebt. Beeinflusst von Indianermalern wie George Catlin will sie den Stammesführer in Öl auf Leinwand für die Ewigkeit festhalten. Unbeeindruckt von gesellschaftlichen Konventionen, begibt sie sich auf die gefährliche Reise.

Freiheiten in der Figurengestaltung

Doch Catherine Weldon macht sich bei Colonel Groves (stark: Sam Rockwell) mit ihrem Engagement für die indigenen Völker unbeliebt. Mit allen Mitteln versucht er, die unbequeme Dame loszuwerden …

Ein Western. Weites Land, freier Blick. Klassische Panoramaaufnahmen vom am Horizont reitenden Soldaten, perfekt eingefangen von Kameramann Mike Eley, musikalisch stimmig untermalt von George Fenton. Doch die Idylle trügt. Die Weißen wollen die Indianer um Land betrügen, alle Mittel sind recht.

Landraub, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und (weibliche) Emanzipation – hoch aktuelle Themen, aufbereitet im historischen Gewand. Lose auf der Biografie der Künstlerin und Aktivistin Caroline Weldon, die eigentlich Susanna Carolina Faesch (1844-1921) hieß und geschieden war, fußt das Skript von „Wer wird Millionär“-Erfinder Steven Knight, Susanna White hat es bildstark in Szene gesetzt. Besonnen, ruhig, zeichnet sie eine Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts ihrer Zeit weit voraus war, die mit Mut für ihre Ideale einstand, um mehr Menschlichkeit kämpfte und dafür verprügelt, verspottet und ausgegrenzt wurde.

Gewohnt souverän füllt Jessica Chastain („Molly’s Game“) ihre komplexe Rolle aus, verleiht ihrer Heldin Stärke und Sanftheit zugleich. Zu romantisierend fällt das Epos trotz gezeigter Härten aus, das liegt auch daran, dass sich das Drehbuch gerade bei der Figur Catherines zu viele Freiheiten nimmt.

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